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Moderne Fertigungslinien wie hier in der Automobilproduktion sind heute fast menschenleer. Selbst das Schweißen an gewundenen Oberflächen erledigen Roboter. © KUKA Systems Lupe
Moderne Fertigungslinien wie hier in der Automobilproduktion sind heute fast menschenleer. Selbst das Schweißen an gewundenen Oberflächen erledigen Roboter.
Roboter - Kollege oder Konkurrent?
Maschinen auf dem Vormarsch
Roboter werden intelligenter, sensibler, vernetzter. Ihr Vormarsch in der Produktion scheint unaufhaltsam. Macht der Mensch sich überflüssig? makro-Moderatorin Eva Schmidt fragt Robotik-Experte Detlef Zühlke.
Die Wirtschaft steht vor einem radikalen Umbau: Das Internet der Dinge verändert die Produktionsabläufe grundlegend. Mit Hilfe von Robotern sollen Fabriken eigenständig denken lernen. makro-Moderatorin Eva Schmidt sprach mit Detlef Zühlke vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz über die Frage, wie unsere Arbeit von morgen aussieht.

makro: Über Roboter in der Arbeitswelt reden wir seit Jahrzehnten. Was ist heute wirklich neu daran?

Detlef Zühlke: Die Roboter haben den Siegeszug in der Industrie - und hier vor allem in der Automobilproduktion - begonnen. Sie waren relativ "dumm" und haben einfache wiederholende Vorgänge ausgeführt. Durch die ständigen Fortschritte in der Computertechnologie können wir sie heute "intelligenter" machen, indem sie sehen und fühlen können. Dadurch haben sich die Anwendungsfelder enorm erweitert. Wir finden sie in Krankenhäusern z.B. in der Neurochirurgie, als Verpackungshelfer oder sogar im Entertainment. In jüngster Zeit wurde auch die kollaborative Arbeit mit dem Menschen ermöglicht. Also Mensch und Roboter arbeiten gemeinsam nebeneinander an einer Aufgabe. Auch die Roboteranwendungen für Dienstleistungen nehmen stetig zu. Ein gutes Beispiel sind die Rasenmäh- und Staubsaugroboter, die viele Zuschauer sicher schon zu Hause haben.

makro: Der Verband "International Federation of Robotics" rechnet mit schwindelerregenden Wachstumszahlen. Doch Robotik ist nach wie vor teuer. Wie passt das zusammen?

Detlef Zühlke: Teuer ist der falsche Ausdruck im industriellen Bereich. Es kommt eher auf das Kosten-Nutzen-Verhältnis an. Der Roboterpreis ist im Übrigen in den letzten 25 Jahren permanent gefallen, weil man es gelernt hat, Roboter bei gleicher Last leichter zu bauen und vor allem, weil die Steuerungspreise immer günstiger werden trotz steigender Leistungsfähigkeit.

makro: Aber der Einsatz von Robotern und ihre Vernetzung werfen nach wie vor viele Sicherheitsfragen auf. Ist der Siegeszug des Roboters daher tatsächlich so klar, wie es die Branche vorhersagt?

Detlef Zühlke: Der Siegeszug wird sicher weitergehen. Mit moderner Sensorik können Roboter ihr Arbeitsumfeld erfassen oder besser sogar erfühlen und so die Sicherheit steigern. Mittlerweile ist eine neue Generation von Robotern entstanden, die gezielt auch für die Zusammenarbeit mit Menschen entwickelt wurde. Und das funktioniert nur, wenn die Sicherheit des Menschen zu jeder Zeit 100 Prozent gewährleistet ist.

makro: Es gibt unterschiedliche Einschätzungen dazu, ob der Roboter tatsächlich zum Jobkiller wird. Wie ist Ihre Einschätzung?

Detlef Zühlke: Schauen wir mal 30 Jahre zurück, da gab es die gleichen Befürchtungen, heute reden selbst die Gewerkschaften nicht mehr von Jobkillern. Der Roboter ist ein unverzichtbarer Baustein für eine Produktion in Hochlohnländern wie Deutschland.

makro: Bau und Entwicklung von Robotern ist eine wichtige Industriekompetenz der deutschen Wirtschaft. Wird sie weiter in Deutschland bleiben? Oder wird es so laufen wie bspw. in der Solarindustrie: Irgendwann machen es die anderen genauso gut, nur billiger?

Detlef Zühlke: Wir konkurrieren schon seit Jahrzehnten auf dem Weltmarkt. Aber ein Roboter ist kein vergleichsweise einfaches Massenprodukt wie ein Solarpanel, sondern eine hochkomplexe Maschine. Wir haben in den letzten Jahrzehnten eine Konsolidierung bei den Herstellern festgestellt, wenige große beherrschen den Markt. Und die werden erfolgreich bleiben, wenn sie ständig Innovationen hervor bringen und so die Marktposition sichern.

Sendedaten
Freitag, 23. Oktober 2015, 21.00 Uhr
Wiederholung Sonntag, 6.15 Uhr
Thema der Sendung
© reutersRoboter auf dem Vormarsch
Pressen, schweißen und lackieren - In der Autoindustrie haben Roboter die Bandarbeiter längst ersetzt. In Zukunft könnten sie noch sehr viel mehr Menschen ihren Job streitig machen.
Archiv
© SmartFactory eHier haben wir für Sie den kompletten Chat mit makro-Gast Prof. Detlef Zühlke zur Robotik-Sendung zum Nachlesen verlinkt.
Zur Person
Prof. Dr. Detlef Zühlke
Der Ingenieur Prof. Detlef Zühlke lehrt Produktionsautomatisierung an der TU Kaiserslautern. Zudem leitet er den Forschungsbereich "Innovative Fabriksysteme" (IFS) am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI). In der Initiative "Smart Factory" forscht Detlef Zühlke mit Partnern aus Industrie und Wissenschaft an der Fabrik der Zukunft.
Bildergalerie
Roboter - Die Alleskönner
Sie verpacken Schokoküsse, melken Kühe und erforschen den Weltraum. Roboter haben sich ihren Platz in unserer Gesellschaft erobert.