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Der A350 XWB ist das neue Flagschiff des Flugzeugbauers Airbus für die Mittel- bis Langstrecke. Er soll 25% weniger Treibstoff verbrauchen als die Konkurrenz. Hier wird ein Exemplar für die Fluggesellschaft Finnair lackiert. © Airbus S.A.S 2015, photo by master films - F. Lancelot Lupe
Der A350 XWB ist das neue Flagschiff des Flugzeugbauers Airbus für die Mittel- bis Langstrecke. Er soll 25% weniger Treibstoff verbrauchen als die Konkurrenz. Hier wird ein Exemplar für die Fluggesellschaft Finnair lackiert.
Flügellahme Airlines
Generalüberholung des Geschäftsmodells gefragt
Die Kunden fliegen immer mehr, die Airlines verdienen immer weniger. Warum das so ist und wie die Branche reagieren muss, skizziert Luftfahrtexperte Frank Fichert im Vorabinterview mit makro-Moderatorin Eva Schmidt.
Der Ärger der Air-France-Mitarbeiter über den Sparkurs des Unternehmens entlud sich in dieser Woche sogar in einer handfesten Prügelei. Aber auch bei der Lufthansa kommt es ständig zu Streiks, weil Mitarbeiter mit dem Umbau des Geschäftsmodells nicht einverstanden sind. Was bleibt übrig vom Traum vom Fliegen? Darüber sprach vorab makro-Moderatorin Eva Schmidt mit dem Luftverkehrsexperten Frank Fichert.

makro: Im Europaverkehr gewinnen Preisbrecher wie Easyjet oder Ryanair Marktanteile und Kunden. Das Langstreckengeschäft bestimmen zunehmend staatlich geförderte Airlines wie Emirates aus Dubai. Wo bleibt da noch Platz für die großen europäischen Fluggesellschaften wie etwa Lufthansa?

Frank Fichert: Alle etablierten Fluggesellschaften in Europa stehen vor enormen Herausforderungen. Viele kleine und mittlere Anbieter sind bereits vom Markt verschwunden oder wurden von anderen Airlines übernommen. Die drei großen Konzerne (Lufthansa, Air France-KLM und British Airways-Iberia) versuchen, ihr Geschäftsmodell an die veränderten Rahmenbedingungen anzupassen. Lufthansa ist aufgrund der geografischen Lage Deutschlands und der hohen Bedeutung des Asienverkehrs in besonderem Maße durch die Konkurrenz vom Golf und aus der Türkei betroffen. Es ist keineswegs sicher, dass Lufthansa mit dem Aufbau einer preisgünstigen Zweitmarke Erfolg hat.

makro: Sie meinen die Billiglinie Eurowings im Langstreckengeschäft der Lufthansa, die jetzt im Herbst an den Start geht. Was halten Sie von dieser Strategie?

Frank Fichert: Das im Kurzstreckenverkehr erfolgreiche Low-Cost-Konzept lässt sich nur sehr eingeschränkt auf die Langstrecke übertragen, unter anderem aufgrund des höheren Anteils der Treibstoffkosten. Es gibt daher in Europa bislang kaum entsprechende Angebote. Eurowings besetzt hier zunächst einmal eine Nische, da nur wenige, primär touristische Ziele bedient werden. So lässt sich auch das unternehmerische Risiko gering halten. Im Kurzstreckenverkehr abseits der Hub-Flughäfen, der derzeit noch unter der Marke Germanwings angeboten wird, bestehen andere Herausforderungen. Einerseits liegen die Kosten über denen von eigenständigen Low-Cost-Airlines wie Ryanair und Easyjet. Andererseits erwarten die Kunden von einem Unternehmen des Lufthansa-Konzerns eine hohe Qualität. In diesem Spannungsfeld zu agieren, ist für das Management alles andere als einfach. Insgesamt ist die eingeschlagene Strategie zwar mit einigen Risiken behaftet, nach meiner Einschätzung war es dennoch ein notwendiger Schritt, um dem Konzern eine Wachstumsperspektive zu ermöglichen.

Über den Wolken scheint die Freiheit für Lufthansa noch grenzenlos zu sein. Tatsächlich ist sie es längst nicht mehr. Lufthansa bekommt Konkurrenz ... © Lufthansa AG, Jens GörlichLupe
... unter anderem von Emirates. Die Golf-Airline gilt als stark subventioniert, ist damit für den Kunden billig und bietet jeden erdenklichen Service. © dpaLupe
Das neue Triebwerk Trent XWB von Rolls-Royce wurde speziell für den Airbus A350 entwickelt. Es gilt als das effizienteste zivile Großtriebwerk. © Rolls-Royce plcLupe

makro: Nun bauen die etablierten Fluggesellschaften ihr Geschäftsmodell zum Teil radikal um. Haben sie sich zuvor nicht vielleicht zu lange auf ihrem guten Ruf ausgeruht?

Frank Fichert: Als der europäische Luftverkehr noch stark reguliert war, haben die Airlines zwar eine hohe Qualität angeboten, aber auch zu hohen Kosten produziert. Dies ist auf allen Märkten zu beobachten, die vor Wettbewerb geschützt sind. Der Versuch, angesichts des gestiegenen Wettbewerbs die Kosten zu senken, stößt auf erhebliche Widerstände. Die Pilotenstreiks bei der Lufthansa zeigen dies sehr deutlich. Allerdings haben die hiesigen Anbieter auch mit für sie ungünstigen Rahmenbedingungen zu kämpfen. Während es in den Golfstaaten beispielsweise weder Gewerkschaften noch eine Einkommensteuer gibt, wurde in Deutschland 2011 die Luftverkehrsteuer eingeführt. Und immer mehr Flughäfen erlassen Nachtflugbeschränkungen.

makro: Wir sehen in der Luftfahrt eine gnadenlose Sparwelle. Weniger Komfort, versteckte Preiserhöhungen und eine unübersichtliche Anzahl von Tarifen: Geht die Billigtour am Ende auf?

Frank Fichert: Die Kunden haben von der Deregulierung eindeutig profitiert. Flugreisen sind generell günstiger geworden, es gibt mehr Direktverbindungen und die Passagierzahlen steigen. Eine Tarifvielfalt gibt es auch auf anderen Wettbewerbsmärkten, etwa Strom und Telekommunikation. Durch staatliche Vorgaben konnten unseriöse Praktiken im Luftverkehr inzwischen weitgehend unterbunden werden. So ist bei Online-Buchungen der Gesamtpreis auf der ersten Seite anzugeben und kostenpflichtige Zusatzleistungen müssen vom Kunden gezielt "angeklickt" werden. Kritisch ist zu sehen, dass manche Billigangebote, insbesondere auf Regionalflughäfen, nur durch Subventionen möglich sind, also letztlich vom Steuerzahler mit finanziert werden. Auch hier wurden mittlerweile die Regelungen durch die EU verschärft.

makro: Wie wird der Reisende künftig das Fliegen erleben? Nur wer immer gut zahlt, wird gut behandelt?

Frank Fichert: Auf einem Wettbewerbsmarkt erhält ein Kunde stets die Leistung, für die er bereit ist zu zahlen. Die Marktentwicklung zeigt, dass viele Passagiere einen geringen Komfort in Kauf nehmen, wenn dafür der Preis besonders niedrig ist. Allerdings ist dieses Marktsegment begrenzt, sodass selbst Ryanair inzwischen mehr Wert auf Kundenfreundlichkeit legt, um neue Fluggäste zu gewinnen. Auf der Kurzstrecke gleichen sich dabei die Angebotskonzepte der Billigflieger und der etablierten Gesellschaften an, erkennbar auch am neuen Tarifmodell der Lufthansa. Auf der Langstrecke wird es hingegen immer ein Premium-Segment für Kunden mit hoher Zahlungsbereitschaft geben, die dann auch auf der Kurzstrecke eine bevorzugte Behandlung erwarten. Insofern gibt es zwar eine Mehr-Klassen-Gesellschaft, wirklich "schlecht" behandelt wird jedoch niemand. Das Wichtigste ist schließlich, dass man sicher und pünktlich an sein Ziel kommt.

Archiv
Hier haben wir für Sie den kompletten Chat mit makro-Gast Prof. Frank Fichert zur Luftfahrt-Sendung zum Nachlesen verlinkt.
Zur Person
Prof. Frank Fichert
Der Volkswirt Prof. Frank Fichert leitet an der Hochschule Worms den Studiengang "Aviation Management & Piloting". Frank Fichert ist Autor zahlreicher Fachbücher, darunter das Standardlehrbuch zur Luftverkehrswirtschaft im deutschsprachigen Raum.
Thema der Sendung: Luftfahrt
© reutersTurbulenzen am Himmel
Der Himmel ist groß und weit. Dennoch stecken Fluggesellschaften in der Klemme - zwischen Billigfliegern, Golf-Airlines und knausrigen Kunden. Monopole fallen, wie einst bei Telefontarifen. Am Ende wird die Branche eine andere sein.
Luftfahrt: Air France
Sparpläne sorgen für Tumult
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Deutsche Lufthansa
Zur Lufthansa gehören neben der eigenen Kernmarke die schweizerische SWISS und Austrian Airlines. Damit bedient Lufthansa als Netzwerk-Carrier den globalen Markt. Germanwings ist als Billigairline-Tochter innerhalb Europas tätig. Die Beteiligungen an dem belgischen Netzwerk-Carrier Brussels Airlines und an der deutsch-türkischen Charterfluggesellschaft SunExpress komplettieren das Airline-Portfolio.

2014 konnte der Airline-Verbund seine Marktführerschaft in Europa behaupten und die höchsten Passagier- und Umsatzzahlen aller europäischen Airlines aufweisen. Das Geschäftsfeld Logistik mit seiner Frachtairline Lufthansa Cargo gehört zu den weltweit führenden Anbietern von Standard-, Express- und Spezialfracht.