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Dieser Mann scheint bei der Selbstverwirklichung durch Arbeit am Ziel angelangt zu sein. Die Mühen der Ebene hat er offensichtlich hinter sich gelassen. © ap Lupe
Dieser Mann scheint bei der Selbstverwirklichung durch Arbeit am Ziel angelangt zu sein. Die Mühen der Ebene hat er offensichtlich hinter sich gelassen.
Geschichte der Arbeit
Der lange Weg zur Selbstverwirklichung
Früher war Arbeit fromm, oft Fron. Später blies die Industrialisierung das religiös Sinnstiftende aus den Fabrikhallen. Arbeit war bloß mehr Produktionsfaktor. Und heute? Heute suchen wir durch Arbeit die Verwirklichung unserer Selbst.
Damit haben wir in gewisser Weise wieder in unsere eigene Vergangenheit gefunden - zum Prinzip per aspera ad astra (durch Mühsal zu den Sternen). Einst nahmen die Menschen es wörtlich, heute betrachten wir es eher metaphorisch. Nichtsdestotrotz, seinen Ursprung hat alles im Paradies!

Denn eines ist sicher: Adam und Eva mussten nicht arbeiten. Nach dem Sündenfall war das allerdings vorbei. Die Arbeit machte im Christentum schnell Karriere. Zwar predigte Jesus noch: "Sehet die Vögel unter dem Himmel an: Sie sähen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und Eurer himmlischer Vater nährt sie doch." In irritierendem Widerspruch dazu erklärte aber bereits Paulus den Thessalonikern kurz und knapp: "Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen!"

"Ora et labora", bete und arbeite, lautete die Devise des Spätmittelalters. Die göttlich legitimierte Ständeordnung sah harte Arbeit allerdings nur für den untersten Stand vor - der als Teil des Ganzen Geistlichkeit und Adel gleich mitversorgte. Die Reformation propagierte die Arbeit dann als zentral und sinnstiftend für den Menschen überhaupt. Und auch Luther bemühte einen Vogelvergleich: "Der Mensch ist zur Arbeit geboren wie der Vogel zum Fliegen."

Arbeit als Gottesdienst
Arbeit sollte jetzt "Gottesdienst" sein. Und sie war "Berufung": Äußere Berufung auf den jeweiligen Arbeits-Platz und innere Identifikation damit. So verfestigte sich die religiös-motivierte Arbeitsmoral. Und verpflichtete weiter die einen zur Arbeit für die anderen.

Im englisch-amerikanischen Puritanismus rückte die Arbeit schließlich ganz ins religiöse Zentrum: Erfolg durch Arbeit galt als Zeichen, von Gott erwählt zu sein. Das beschleunigte die Entstehung des Kapitalismus. Der sorgte im 19. Jahrhundert dafür, dass sich die Arbeit schließlich selbst radikal veränderte.

Industrielle Revolution der Arbeit
Die Industrialisierung stellte einen großen Teil der Arbeitenden in den Dienst von Maschinen. Das war kein Gottesdienst mehr. Arbeit verlor in den Fabrikhallen ihren alten religiösen Kontext. Sie war jetzt vor allem eine wichtige Größe im Wirtschaftsprozess. Was Arbeit ist, definierten von da an nicht mehr Theologen, sondern Ökonomen und Ingenieure. Ziel in der Regel: Arbeit möglichst gewinnbringend einzusetzen.

Der amerikanische Ingenieur Frederick Taylor hatte um 1900 besonders revolutionäre Ideen: Er teilte Arbeitsprozesse auf, organisierte jeden Handgriff durch. Die Arbeitenden brauchten keine besonderen Fähigkeiten mehr, hatten häufig aber auch keinen besonderen Bezug zu dem, was sie taten. Karl Marx bezeichnete das als "entfremdete Arbeit". Und die brachte nicht die gewünschten Resultate. Bessere Arbeitsbedingungen und bessere Bezahlung erhöhten zwar die Arbeitsmotivation, aber auch die Kosten.

Endstation Selbstverwirklichung
Zuletzt kam man mit Hilfe einer eigens eingerichteten Disziplin namens "human resource management" (Personalmanagement) wieder darauf, dass doch am besten gearbeitet wird, wenn die Identifikation mit der Arbeit hoch ist. Und - das ist eher neu - wenn sie als Teil der persönlichen Selbstverwirklichung verstanden werden kann. Kurz: Wenn sich gute Gefühle mit der Arbeit verbinden. Dann ist sie unter Umständen sogar ziemlich billig zu haben.

Sendedaten
Freitag, 2. Oktober 2015, 21.00 Uhr
Wiederholung Sonntag, 6.15 Uhr
Thema der Sendung
Arbeit im Wandel
Mehr als die Hälfte der Bevölkerung steht in Lohn und Brot. Und damit so viele Menschen wie noch nie. Gleichsam ändert sich die Arbeitswelt rasant. Sie wird flexibler, anspruchsvoller, unberechenbar.
Vorabinterview
Arbeit - Mehr für Weniger
Arbeit generiert nicht nur Einkommen - wir erwarten von ihr auch Erfüllung. Arbeitgeber haben längst gelernt, dies auszunutzen, erklärt Historikerin Sabine Donauer im Vorabinterview mit Eva Schmidt.