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Vorschau
Sendung am 27. Oktober
Umbau der Alpen
Der Klimawandel bedroht den Wintersport. Viele Skigebiete in den Alpen sind nicht mehr schneesicher. Geröll- und Verkehrslawinen sowie die massive Verstädterung zeigen die Schattenseiten des Massentourismus.
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Rückblick
Sendung vom 13. Oktober
Sucht nach Soja
Die Sojabohne hat Wachstumsraten wie kaum eine andere Nutzpflanze der Welt. Sie steckt in Schokolade, Treibstoffen und im Futter für die Tiermast. Doch der weltweite Soja-Boom hat gravierende Folgen für Mensch und Umwelt.
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Investitionen in Afrika
Was ausländische Unternehmen nach Afrika lockt
In Afrika fehlt es an Investitionen. Die Gründe dafür sind vielfältig. Im letzten Jahr haben ausländische Firmen 54 Milliarden Dollar locker gemacht. Zum Vergleich: Nach Asien gingen im gleichen Zeitraum 465 Milliarden.
Lupe
Hier werden die Nettozuflüsse der ausländischen Direktinvestitionen (Zuflüsse minus Abflüsse, s.a. Infokasten "Inflows vs. Outflows") auf die Einwohnerzahl umgerechnet.
Wenn Afrika sein Dasein als Armutskontinent hinter sich lassen will, braucht es Investitionen und Kapital von außen. Eine wichtige Kennzahl sind die ausländischen Direktinvestitionen, kurz FDI (Foreign Direct Investment).

Die gute Nachricht: Die Gesamtsumme der FDIs belief sich auf 1,23 Billionen USD. Die schlechte Nachricht: Auf Afrika entfielen nur 54 Mrd. Dollar, das sind 4,4% der Gesamtsumme. Im Vorjahr waren es ebenfalls 54 Mrd. Dollar. Allgemein gilt bei FDIs, die Summe kann von Jahr zu Jahr stark schwanken.

Im Norden Afrikas sind die FDIs gegenüber dem Vorjahr auf 11,5 Mrd. USD zurückgegangen. Als Grund gilt der Zerfall Libyens und das Erstarken des islamischen Terrorismus. In Westafrika (12,8 Mrd. USD) verhagelte die Ebola-Epidemie das Investitionsklima; außerdem machen die stark gefallenen Rohstoffpreise Investitionen in diesen Sektor obsolet. In Ostafrika hingegen, besonders in Tansania und Äthiopien, sind die FDIs auf 6,8 Mrd. USD gestiegen.

Neue Öl-Raffinerie
In Zentralafrika sind ausländische Investitionen sogar um ein Drittel auf 12,1 Mrd. USD gestiegen. In der Demokratischen Republik Kongo investierte der Rohstoffriese Glencore in die Erweiterung des größten Wasserkraftwerks des Landes, um notorische Stromausfälle zu verringern. Ein US-Konzern will 1,6 Mrd. Dollar in den Bau einer Öl-Raffinerie stecken. FDIs ins südliche Afrika sind leicht auf 10,8 Mrd. USD gesunken, obwohl der indische Konzern ONGC 2,6 Mrd. USD in ein Öl- und Gasfeld vor der Küste von Moçambique investiert.

Chinesische und indische Unternehmen sind schon länger bedeutende Investoren in Afrika. Dubai und Qatar sind noch relativ neu. Qatar National Bank, die größte Bank der Golfregion, wurde mit einer Investition von 500 Mio. USD zum größten Anteilseigner der afrikanischen Ecobank.

Selbst Private-Equity-Firmen, die bösen Jungs von der Wall Street, entdecken Afrika. KKR steckte 2014 200 Mio. USD in den äthiopischen Rosenzüchter Afriflora, Blackstone setzte eine Joint Venture mit dem nigerianischen Unternehmer Aliko Dangote auf, Carlyle und Edmond de Rothschild sind ebenfalls in Afrika engagiert.

Erfolgreich angelockt
Wie man erfolgreich Investitionen anlockt, hat Casablancas "Finance City" vorgemacht, eine Art Sonderwirtschaftszone in Marokko. Hier versucht man u.a. mit Investitionen in Infrastruktur und modernste Kommunikationstechnologie ausländische Konzerne ins Land zu holen - mit Erfolg: Die französische Großbank BNP Paribas, der amerikanische Versicherungsriese AIG, die Unternehmensberatung Boston Consulting Group, Microsoft und Ford haben sich überzeugen lassen.

Andere ausländische Firmen, z.B. aus der Lebensmittelbranche, lockt der wachsende afrikanische Konsum. Der französische Konzern Danone kaufte sich mit 40% in Kenias Brookside Dairy ein, Ostafrikas größten Milchproduzenten. Nigeria wird als wichtiger Standort für die Automobilbranche entdeckt. Nissan, Peugeot und Hyundai begannen dort 2014 mit der Montage.

Nun könnte man einwenden, reiche westliche Konzerne reißen sich die afrikanischen Firmen unter den Nagel. Das ist aber zu kurz gedacht. Oftmals wollen afrikanische Firmen expandieren, haben dafür aber nicht das Kapital - oder es fehlt an Knowhow. Der Deal geht dann im Prinzip so: Ein ausländischer Konzern gibt das Geld gegen eine Beteiligung am afrikanischen Unternehmen. Für beide Partner eine Win-win-Situation.

Südafrika bleibt das Tor nach Afrika
Südafrika zieht immer noch die meisten FDIs an, 5,7 Mrd. USD in 2014. Dabei geht es oft gar nicht primär um Investitionen in Südafrika selbst, sondern darum, dass Südafrikas Unternehmen in vielen anderen Ländern des schwarzen Kontinents aktiv sind. Südafrika ist für ausländische Konzerne gewissermaßen das Tor zum Rest des Kontinents. Hieraus erklärt sich auch, weshalb Südafrika mit 6,9 Mrd. USD die höchsten Abflüsse aller afrikanischen Staaten verzeichnet: Südafrikas Firmen investieren ihrerseits stark in andere afrikanische Länder (siehe Infografik "Inflows vs. Outflows").

In Nigeria, der größten und wichtigsten Volkswirtschaft Afrikas, und 2014 mit 4,7 Mrd. USD FDIs bedacht, verhält es sich anders. Hier geht es vornehmlich um den nigerianischen Markt selbst. Der Finanzsektor des Landes ist aufgrund der geringen Durchdringung dieses bevölkerungsreichen Landes mit Bankdienstleistungen besonders attraktiv. Hier engagieren sich übrigens auch etliche Kreditinstitute aus Südafrika. Auch die Telekommunikationsbranche zieht viele Investitionen an (siehe Infokasten "Dienstleistungssektor").

Afrika ist nicht Afrika
Je genauer man hinschaut, desto diversifizierter stellt sich der afrikanische Kontinent dar. Die afrikanischen Staaten sind grundverschieden - hinsichtlich Politik, Religion, Wirtschaft. Afrika ist nicht Afrika. Um jedoch die für die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung alles entscheidenden Investitionen anzulocken, braucht jedes Land politische Stabilität und ein verlässliches Investitionsklima. Sonst wird es nichts.

Sendedaten
Freitag, 25. September 2015,
21.00 Uhr
Wiederholung Sonntag, 6.15 Uhr
Thema der Sendung
Afrika - Wege aus der Armutsfalle
Halbierung der extremen Armut und des Hungers lautete das wohl wichtigste Milleniumsziel, das die Vereinten Nationen im Jahr 2000 verabschiedeten. Doch viele Länder Afrikas haben es verfehlt.
Studie
Die United Nations Conference on Trade and Development (UNCTAD) ist eine Einrichtung der Vereinten Nationen und beschäftigt sich in ihrem jährlich erscheinenden "World Investment Report" mit ausländischen Direktinvestitionen. Es wird untersucht, wer wieviel investiert und wo. Der aktuelle "World Investment Report 2015" bezieht sich auf das Jahr 2014.
Inflows vs. Outflows
© UNCTADLupeDie Zuflüsse an ausländischen Direktinvestitionen in Afrika sind seit 2008 relativ stabil, nur 2010 gab es als Spätfolge der Finanzkrise eine merkliche Delle. Es fällt aber auch auf: Gestiegen sind sie nicht. 2014 lagen sie bei 54 Mrd. USD. Nur innerhalb der Regionen findet eine Verschiebung statt. Die FDI-Zuflüsse in den muslimischen Norden Afrikas lassen tendenziell nach, die Zuflüsse nach Zentralafrika nehmen eher zu.

Bei den FDI-Abflüssen, also Investitionen afrikanischer Unternehmen jenseits ihrer Landesgrenzen, ergibt sich ein komplett anderes Bild. Erstens liegen sie mit 13 Mrd. USD deutlich unter den Zuflüssen. Zweitens dominiert hier das südliche Afrika, vor allem Südafrika und Angola. Das bedeutet im Prinzip, dass die afrikanische Unternehmenslandschaft (mit Ausnahme Südafrikas) noch stark unterentwickelt ist und sich die unternehmerische Tätigkeit fast ausschließlich auf das eigene Land konzentriert.
Dienstleistungssektor
© UNCTADLupeInsgesamt bekommt der Dienstleistungssektor mit 48% den Löwenanteil aller FDIs ab. In den Primärsektor (vor allem Minen) gehen 31%, in die Produktion 21%. Betrachtet man den Dienstleistungssektor genauer, so fließt das meiste Geld in die unterentwickelte afrikanische Finanzbranche. Die kumulierte Gesamtsumme der Investitionen beträgt mittlerweile 91 Mrd. USD, was 56% des Gesamtbetrags ausmacht. Mit einigem Abstand folgen Transport und Telekommunikation. Erfreulich ist der Vergleich zu 2001.