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Vorschau
Sendung am 8. Dezember
Kollege Roboter
Die Roboter kommen. Vernetzt sind sie, unermüdlich und schlau. Sie werden die Arbeitswelt umkrempeln. So wie einst die Feldarbeit der Industrie weichen musste und diese später der Dienstleistungsgesellschaft. Das muss nicht schlecht sein.
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Rückblick
Sendung vom 1. Dezember
Der Nordkorea-Konflikt
Das Risiko für einen militärischen Konflikt mit Nordkorea war noch nie so groß. Die Vereinten Nationen haben darauf mit weiteren Wirtschaftssanktionen gegen das Land reagiert.
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Robert Mugabe, mittlerweile über 90 Jahre alt und starker Mann Simbabwes, ruiniert seit 35 Jahren sein Land. © dpa Lupe
Robert Mugabe, mittlerweile über 90 Jahre alt und starker Mann Simbabwes, ruiniert seit 35 Jahren sein Land.
Bad Governance
"Interesse nur an Entwicklungsgeldern"
Die sogenannten "Milleniumsziele" sollten die Menschheit aus der Armut führen. Daraus wurde nichts. makro-Moderatorin Eva Schmidt sprach mit Afrika-Kenner Robert Kappel über die Gründe des Scheiterns.
In New York verabschieden die Staats- und Regierungschefs neue Entwicklungsziele für die kommenden 15 Jahre. Sie schließen an die sogenannten "Milleniumsziele" aus dem Jahr 2000 an, mit denen die Vereinten Nationen Armut und Hunger auf der Welt beseitigen wollten. makro-Moderatorin Eva Schmidt sprach mit Robert Kappel darüber, warum das UN-Entwicklungsprogramm in Afrika bislang seine Wirkung verfehlt hat.

makro: Afrikaner fliehen zu tausenden vor der Armut nach Europa. Gleichzeitig ist aber von "Wachstumsregion" die Rede, sobald es um Afrika geht. Beispielsweise liefern die deutschen Maschinen- und Anlagenbauer heute 65 Prozent mehr Maschinen nach Afrika als noch vor 10 Jahren. Wie passen beide Bilder zusammen?

Robert Kappel: Seit ca. zehn Jahren weisen die meisten afrikanischen Länder positives Wirtschaftswachstum auf. Es beruht aber weitgehend auf der erhöhten Nachfrage Chinas nach Rohstoffen und den gestiegenen Preisen für Öl, Mineralien und landwirtschaftlichen Produkten, weniger hingegen auf einer Binnenmarktdynamik. Das Wachstum hat daher kaum Beschäftigungseffekte, die Zahl der Arbeitslosen und Unterbeschäftigten ist trotz des Booms angestiegen. Hinzu kommt, dass ca 40 Prozent der afrikanischen Länder entweder politisch instabil sind oder durch Diktatoren regiert werden. Vor allem die Länder im Sahelgürtel, aber auch in Ländern wie Burundi, Kongo, Malawi, Somalia und Eritrea haben die Menschen kaum Hoffnung auf eine Zukunft. Aus diesen fragilen Ländern sowie den Regionen, die durch Bürgerkriege gekennzeichnet sind, fliehen die Menschen in den Norden.

makro: Die Milleniumsziele wurden in vielen Ländern der Welt erreicht, nur nicht in weiten Teilen Afrikas. Warum ist der Schwarze Kontinent so abgehängt?

Robert Kappel: Afrika hat einige Fortschritte erzielt. Nach den verlorenen Jahrzehnten der 1980er und 1990er Jahre haben zahlreiche Länder wirtschaftliche und politische Reformen durchgeführt. Allerdings bleibt der Kontinent in fast allen Belangen hinter denen der anderen Weltregionen zurück. Das Hauptziel wurde deutlich verfehlt: Die absolute Zahl der Armen ist weiter gestiegen. Es war absehbar, dass die Millenniumsziele 2015 verfehlt würden - trotz des hohen Mittel- und Experteneinsatzes. Und dort, wo es Erfolge gab, wie bei der Verbesserung des Bildungssystems, hat man die "tieferhängenden Früchte" geerntet, indem man zwar Schulen gebaut und die Einschulungsrate erhöht, gleichzeitig aber die Qualität des Bildungssystems und die Bildungschancen für Mädchen vernachlässigt hat. Das Hauptproblem ist, dass die afrikanischen Staatseliten, die die Entwicklungsziele mit der internationalen Staatengemeinschaft abgeschlossen haben, kaum willens sind, Armut zu beseitigen und Entwicklung herbeizuführen. Sie waren lediglich am Zufluss an Entwicklungshilfegeldern interessiert.

makro: In Afrika trifft Armut auf ein enormes Bevölkerungswachstum. Wird der Kontinent erst vorankommen, wenn es eine sinnvolle Geburtenkontrolle gibt?

© Markus Böhnisch Lupe
Marktfrau in Dakar - dieses Bild ist immer noch typisch für die afrikanische Wirtschaft.
Robert Kappel: Das extrem hohe Bevölkerungswachstum macht alle erzielten Fortschritte zunichte. Eine hohe Kinderzahl gilt immer noch als Versicherung für die Zukunft. Es gibt zwei generelle Fehler, die in den letzten Jahrzehnten begangen wurden: Zum einen die Vernachlässigung des Bildungssystems für große Teile Afrikas, vor allem auch für die Mädchen. So gehen beispielsweise gerade 25 Prozent der Mädchen im muslimischen Norden Nigerias in eine Schule. Zum anderen stehen Geburtenkontrolle und Familienplanung bislang überhaupt nicht auf der Agenda der Regierungen. Im Gegenteil - viele Staaten sprechen stolz von ihren wachsenden Bevölkerungen und der Jugend, die die Zukunft Afrikas sein soll. Dies ist ein absoluter Trugschluss. Leider tragen zu der Ausgrenzung dieses Themas auch die Kirchen bei.

makro: Mit dem Bevölkerungswachstum geht eine hohe Jugendarbeitslosigkeit einher. Wie können junge Menschen in Afrika eine berufliche Perspektive gewinnen?

Robert Kappel: Setzt sich das hohe Bevölkerungswachstum fort, werden noch mehr junge Menschen in Afrika keine Jobs finden, weil die Ökonomien lediglich landwirtschaftlich orientiert sind und/oder auf der Rohstoffproduktion beruhen, dabei aber keine nennenswerte Arbeitsplätze schaffen. Zahlreiche Konzepte sind bekannt, harren aber der Umsetzung: Förderung der beruflichen Bildung in Verbindung mit der Entwicklung der kleinen und mittleren Unternehmen, die Unterstützung des Aufbaus von industriellen Clusters durch steuerliche Anreize und Finanzierungssysteme für den Mittelstand. Zugleich sollte die Integration von lokalen Produzenten in die in globalen oder regionalen Wertschöpfungsketten in Angriff genommen werden, denn es kommt vor allem darauf an, dass die wirtschaftlichen und politischen Eliten in Afrika endlich einen Modernisierungsschub herbeiführen.

makro: Welchen Sinn macht es, neue Entwicklungsziele zu verabschieden, wenn die alten in Afrika nicht erreicht wurden?

Robert Kappel: Die neuen Entwicklungsziele betonen die Verantwortung der entwickelten und der nicht so entwickelten Welt für den gesamten Globus. Es werden 17 große Ziele mit 169 Einzelmaßnahmen formuliert, und es sollen weitere Milliarden in die Bekämpfung von Armut und für eine nachhaltige Welt fließen. Für Afrika stehen allerdings andere Aufgaben auf der Tagesordnung: Arbeitsplätze für jährlich 20 Millionen Jugendliche schaffen, die Qualität von Schulen und der Gesundheitssysteme verbessern und die Infrastruktur ausbauen. Neue Ziele schaffen neue Erwartungen, die sich in den meisten afrikanischen Ländern nicht erfüllen lassen. Afrika bedarf nicht höherer Entwicklungshilfe und neuer Agenden, sondern verantwortlicher Eliten, die Vertrauen schaffen und durch die oben genannten Maßnahmen den Wohlstand heben und damit auch die Armut mindern.

Info
© Werner BartschProf. Dr. Robert Kappel
Der Entwicklungsökonom Prof. Robert Kappel beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit Wirtschaft und Politik afrikanischer Staaten. Er war unter anderem Präsident des Hamburger Leibniz-Institut für Globale und Regionale Studien (GIGA) und Professor an den Universitäten Hamburg und Leipzig.
Thema der Sendung
© reutersAfrika - Wege aus der Armutsfalle
In New York verabschieden die Staats- und Regierungschefs aus 193 Ländern das neue UN-Entwicklungsprogramm für die nächsten 15 Jahre. Hauptziel: Die Armut und den Hunger in der Welt beseitigen. Ob es diesmal funktioniert?
Bevölkerung
© African Economic OutlookIn dieser Grafik sind die Flächen der afrikanischen Staaten gemäß ihrer Bevölkerungszahl gewichtet. Das Bevölkerungsreichste Land ist Nigeria mit rund 180 Mio. Einwohnern, gefolgt von Äthiopien und Ägypten mit jeweils etwa 90 Mio. Einwohnern.
Wirtschaftsleistung
© African Economic OutlookBetrachtet man die Wirtschaftsleistung gemessen am durchschnittlichen BIP (2009-2013) fällt auf: In der Mitte sieht es mager aus. Südafrikas Wirtschaft hingegen ist dominant. Ergänzend sollte man hinzufügen, dass die Wirtschaftskraft Nigerias im hier betrachteten Zeitraum unterschätzt wurde. Eine Neuberechnung 2014 hat ergeben, dass Nigeria heute die größte Volkswirtschaft des schwarzen Kontinents ist.
Info
© IMFLupeSeit Anfang der 2000er-Jahre geht es mit der Wirtschaftsleistung Afrikas (BIP, nominal) rasant bergauf. Aber Vorsicht: Das Bevölkerungswachstum frisst einen Teil des Fortschritts für den Einzelnen wieder auf. Zudem lebt Afrika immer noch sehr einseitig vom Rohstoffexport. Die hohen Preise seit 2000 ließen die Kassen klingeln. Heute liegen die Rohstoffmärkte wieder am Boden und es muss sich zeigen, wieweit andere Wirtschaftszweige (Konsum, Dienstleistung) diesen Einbruch abfedern können.
Schwerpunkt
Afrika