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Sendung am 8. Dezember
Kollege Roboter
Die Roboter kommen. Vernetzt sind sie, unermüdlich und schlau. Sie werden die Arbeitswelt umkrempeln. So wie einst die Feldarbeit der Industrie weichen musste und diese später der Dienstleistungsgesellschaft. Das muss nicht schlecht sein.
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Rückblick
Sendung vom 1. Dezember
Der Nordkorea-Konflikt
Das Risiko für einen militärischen Konflikt mit Nordkorea war noch nie so groß. Die Vereinten Nationen haben darauf mit weiteren Wirtschaftssanktionen gegen das Land reagiert.
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© dapa Lupe
Schuldenschnitt wäre schon der dritte für Griechenland
"Der Schuldenschnitt kommt"
Die Misere in Griechenland geht aber weiter
Grexit, Schuldenschnitt oder doch noch ein neues Reformpaket: Die Zukunft Griechenlands steht auf Messers Schneide. makro-Moderatorin Eva Schmidt sprach im Vorfeld der Sendung mit dem Wirtschaftswissenschaftler Matthias Fifka darüber, wie lange die Gläubigerstaaten den Umschuldungswunsch Griechenlands tatsächlich noch ablehnen können.
Der Schuldenschnitt werde auf jeden Fall kommen, meint Prof. Fifka, die Frage sei nur, ob er geordnet erfolge oder unkontrolliert. Aber die gewünschte Verbesserung der Lebensverhältnisse in Griechenland bringe auch diese Lösung nicht. Denn die wirtschaftliche Misere dort gehe viel tiefer.

makro: Herr Prof. Fifka, hätte nicht insbesondere Deutschland eine besondere Verpflichtung, einem Schuldenschnitt für Griechenland zuzustimmen? Auf der Londoner Schuldenkonferenz von 1953 erließ man Deutschland einen Großteil seiner Auslandsschulden. Ohne diesen Schnitt hätte es vermutlich nie das deutsche Wirtschaftswunder gegeben.

Matthias Fifka: Dieser historische Vergleich ist schwierig. Es ist durchaus richtig, dass die 65 Gläubigerstaaten, allen voran die USA, Deutschland damals sehr entgegengekommen sind. Dadurch haben sie sicherlich einen Teil zum Wirtschaftswunder beigetragen. Man darf aber nicht vergessen, dass die deutschen Schulden damals in erster Linie aus Krediten für Reparationszahlungen bestanden, die nach dem Ersten Weltkrieg zu leisten waren. Das heißt natürlich nicht, dass diese Schulden "ehrenhafter" waren. Aber sie waren das Produkt eines singulären historischen Ereignisses und nicht die Konsequenz jahrzehntelanger staatlicher Misswirtschaft und ökonomischer Ineffizienz. Deshalb kam Deutschland nach dem Schuldenschnitt wieder relativ rasch auf die Beine, bei Griechenland werden wir das auch nach einem solchen nicht sehen. Schließlich darf man nicht vergessen, dass es für Griechenland im Jahr 2012 schon zwei de facto Schuldenschnitte gab, die sowohl durch Verzicht auf Forderungen als auch durch Zinssenkungen und längere Laufzeiten erreicht wurden. Schätzungen beziffern die daraus resultierende Schuldenreduktion auf 140 Milliarden Euro.

makro: Der Finanzwissenschaftler Helge Peukert sagte vergangenen Freitag in "makro", dass ein erneuter Schuldenschnitt auf jeden Fall komme – die Frage sei nur noch, ob er geordnet komme oder als Chaosszenario. Teilen Sie seine Prognose?

Matthias Fifka: Ja, das ist eine absolut zutreffende Entscheidung. Es wird entweder einen vereinbarten und damit geordneten Schuldenschnitt geben oder einen, der früher oder später unweigerlich und ungeplant eintritt, weil Griechenland auch auf lange Sicht nicht in der Lage sein wird, die Kredite zu bedienen. Im Falle eines Grexits wird das noch schwieriger, weil eine neue griechische Währung gegenüber dem Euro deutlich an Wert verlieren würde. Dadurch werden die Kredite, die auf Euro lauten, noch teurer.

makro: Ist die griechische Forderung nach einem Schuldenschnitt nicht vielleicht sogar berechtigt vor dem Hintergrund, dass 50 Prozent der Jugendlichen in Südeuropa keine Arbeit haben? Kommt nicht irgendwann der Punkt, an dem man sich der Zukunft zuwenden muss?

Matthias Fifka: Ein Schuldenschnitt wird in Griechenland nur bedingt zu einer Belebung am Arbeitsmarkt führen, wenn überhaupt. Denn die wirtschaftliche Misere liegt in Unternehmen begründet, die international kaum konkurrenzfähig sind, mit Ausnahme touristischer Angebote. Das ist auch Löhnen und Gehältern geschuldet, die zu hoch sind, um wettbewerbsfähig zu sein. Allein im Jahr nach der Euro-Einführung stiegen Löhne und Gehälter in Griechenland um ca. 12 Prozent. Diese Mehrkosten müssen erst einmal erwirtschaftet werden. Ausländische Unternehmen wiederum scheuen Investitionen in Griechenland auch wegen aufgeblähter und langsamer bürokratischer Prozesse und einem maroden Rechtssystem.

makro: In Spanien, einem weiteren Krisenland der EU, steigen sogar die staatlichen Schuldenstände trotz Sparpolitik. Was soll denn da überhaupt noch helfen?

Matthias Fifka: Die Staatsverschuldung in Spanien ist seit 2010 in der Tat erheblich angestiegen, allerdings hat sich deren Wachstum verlangsamt. Zudem ist entscheidend, dass dort die Wirtschaft wieder wächst, mit 1,4 Prozent im Jahr 2014. In Griechenland hingegen sind die Schulden explodiert, und das Wirtschaftswachstum ist – mit einer kleinen Ausnahme im Jahr 2014 – gleichzeitig eingebrochen, teils um über sieben Prozent in einzelnen Jahren. Das ist eine fatale Kombination. Deshalb wird man zum einen die Schulden reduzieren müssen, aber noch wichtiger sind politische und wirtschaftliche Reformen. Ein Schuldenschnitt allein generiert dort noch kein Wirtschaftswachstum.

makro: Noch immer besteht Hoffnung auf den dritten Weg: Die Geldgeber und Griechenland einigen sich auf Reformen gegen vorsichtige Schuldenerleichterung. Wie teuer wird denn dieser Weg?

Matthias Fifka: Der IWF schätzt den Finanzbedarf Griechenlands bis 2018 auf 52 Milliarden Euro. Das ist angesichts der Schuldenlast eine realistische Prognose und vermutlich der Umfang, den ein drittes Rettungspaket haben würde. Allerdings darf man dabei nicht vergessen, dass der Großteil dieses Betrags dazu verwendet werden würde, um bestehende Schulden abzubezahlen. Im Wirtschaftskreislauf kommt von diesen Hilfsgeldern kaum etwas an.

Info
Prof. Dr. Matthias Fifka
Matthias Fifka ist Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Universität Erlangen-Nürnberg. Schwerpunkte seiner wissenschaftlichen Arbeit sind Unternehmensethik, Korruptionsforschung und Corporate Social Responsibility. Matthias Fifka ist u.a. Visiting Professor an der University of Dallas und der Shanghai Jiao Tong University.
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VideoInterview zum Thema Schuldenschnitt?
Während Ökonom Helge Peukert für einen klaren Schuldenschnitt ist, spricht sich Finanzwissenschaftler Aloys Prinz dafür aus, erst die anderen Probleme Griechenlands in Angriff zu nehmen.
Video: Kulturzeit
© reutersVideoPiketty-Kritik an Merkel
Gespräch mit Daniel Tyradellis
Thomas Piketty hat Kanzlerin Angela Merkel dazu aufgerufen, einem Schuldenschnitt für Griechenland zuzustimmen, um eine Existenzkrise der EU zu verhindern.