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Vorschau
Sendung am 27. Oktober
Umbau der Alpen
Der Klimawandel bedroht den Wintersport. Viele Skigebiete in den Alpen sind nicht mehr schneesicher. Geröll- und Verkehrslawinen sowie die massive Verstädterung zeigen die Schattenseiten des Massentourismus.
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Rückblick
Sendung vom 13. Oktober
Sucht nach Soja
Die Sojabohne hat Wachstumsraten wie kaum eine andere Nutzpflanze der Welt. Sie steckt in Schokolade, Treibstoffen und im Futter für die Tiermast. Doch der weltweite Soja-Boom hat gravierende Folgen für Mensch und Umwelt.
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Euro ohne Griechenland? Europas Spar- und Rettungspolitik steht vor einer harten Probe - und muss sich dem Votum der Wähler stellen. © dpa Lupe
Euro ohne Griechenland? Europas Spar- und Rettungspolitik steht vor einer harten Probe - und muss sich dem Votum der Wähler stellen.
"Nicht alternativlos"
Euro-Rettungspolitik im Superwahljahr
Wenn es der Politik nicht gelinge, Europas Wähler vom Nutzen der Strukturreformen und solider Finanzen zu überzeugen, sei der Euro wohl nicht zu halten, sagt Prof. Clemens Fuest in einem Vorabinterview.
Zunächst war es eine Bankenkrise. Dann eine Staatsschuldenkrise. Und jetzt eine politische Krise? 2015 ist ein wichtiges Wahljahr für viele Länder in der Europäischen Union. Und ähnlich wie in Griechenland genießen europafeindliche Protestparteien großen Zulauf. "makro"-Moderatorin Eva Schmidt hat mit dem ZEW-Präsidenten Prof. Clemens Fuest darüber gesprochen, welche Ansteckungsgefahr von Griechenland ausgeht.

makro: Herr Prof. Fuest, dramatische Jugendarbeitslosigkeit, hohe Schulden, maues Wachstum: Haben Populisten in den Krisenländern leichtes Spiel, um auf der Protestwelle gegen die EU-Sparpolitik zu surfen?

Clemens Fuest: Leider ja. Viele Menschen verbinden ökonomische Probleme wie Arbeitslosigkeit und leere öffentliche Kassen mit der Politik der Europäischen Union. Populisten, die so tun, als wäre die Wirtschaftskrise durch einen Austritt aus dem Euro oder der EU zu überwinden, finden deshalb Gehör. In Wahrheit sind die Probleme in erster Linie hausgemacht: Viele nationale Regierungen in Europa haben es nach der Einführung des Euro versäumt, Staatsschulden abzubauen und die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft zu erhöhen.

makro: Nicht nur in Griechenland, auch in Frankreich, Spanien oder Italien erstarken die europafeindlichen Parteien. Am 7. Mai stehen nun Parlamentswahlen in Großbritannien an, dort rechnet sich die Protestpartei Ukip gute Chancen aus. Hat sich die Euro-Rettung von einem ökonomischen zu einem politischen Pulverfass entwickelt?

Clemens Fuest: Der Erfolg von UKIP hat nur teilweise mit dem Euro zu tun. Großbritannien ist ja nicht Mitglied der Eurozone. UKIP polemisiert gegen Zuwanderung und angeblich übermäßige Regulierung durch Brüssel. Die Eurokrise wird von vielen Menschen in Großbritannien als Beleg dafür gesehen, dass die Verlagerung politischer Kompetenzen nach Brüssel zu Fehlentwicklungen führen kann. Mit Podemos in Spanien, dem Front National in Frankreich und der "Fünf Sterne"-Bewegung von Beppe Grillo in Italien sind in Euroländern weitere Protestparteien auf dem Vormarsch. Von einer Regierungsmehrheit sind sie alle aber glücklicherweise weit entfernt. Griechenland ist bislang eine Ausnahme.

makro: Wie will man denn künftig noch Strukturreformen zur Rettung des Euro durchsetzen, falls solche extremen Parteien weiter an Einfluss gewinnen?

Clemens Fuest: Viele verantwortungsvolle Politiker in Europa werben dafür, dass Strukturreformen und solide Staatsfinanzen der richtige Weg sind. Wenn sie die Mehrheit der Wähler davon nicht überzeugen können, ist diese Politik beendet und der Euro wohl nicht zu halten. Bislang haben die Menschen in den Krisenstaaten aber trotz aller Probleme den Weg der Reformen mehrheitlich unterstützt. Das Beispiel Griechenland zeigt, dass das Wählen extremer Parteien Krisen massiv verschärft.

makro: "Alternativlos" ist zu einem geflügelten Wort geworden. Für wie alternativlos halten Sie die bisherige Euro-Rettungspolitik?

Clemens Fuest: Die Euro-Rettungspolitik ist sicher nicht alternativlos, in Griechenland zum Beispiel hätte man viel eher private Gläubiger des Staates zur Kasse bitten müssen, statt die Steuerzahler anderer Staaten zu belasten. Trotzdem hätte es weit schlimmer kommen können. Irland ist ein Beispiel für Erfolge der Rettungspolitik.

makro: Es gibt aus Krisenländern wie Spanien und Italien positive Signale. Haben wir in Sachen Euro-Rettung vielleicht schon das Schlimmste hinter uns?

Clemens Fuest: Kurzfristig wird die Wirtschaft der Krisenstaaten in Europa durch den niedrigen Eurokurs und den fallenden Ölpreis entlastet. Wenn die Politik in Europa die Atempause für Reformen nutzt, könnte es sein, dass wir das Schlimmste hinter uns haben. Wenn nicht, wird die Krise sich wieder verschärfen.

Europa: Reden Sie mit!
© reutersDie europafeindlichen Parteien gewinnen an Einfluss. Hat sich die Euro-Rettung von einem ökonomischen zu einem politischen Pulverfass entwickelt? Diskutieren Sie mit!
Info
© dpaProf. Dr. Clemens Fuest
Fuest promovierte bereits 1994 zum Thema "Eine Fiskalverfassung für die Europäische Union" und beschäftigt sich bis heute mit Steuerpolitik und Staatsfinanzen. Von 2008 bis 2013 lehrte er an der Universität Oxford. Seit 2013 ist Fuest Präsident und wissenschaftlicher Direktor des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) Mannheim. Zu seinen aktuellen Forschungsthemen zählt die Schuldenkrise im Euroraum.
Sendungstip
Europa im Umbruch
In vielen Ländern Europas stehen in den nächsten Monaten Wahlen an. Die unpopuläre Sparpolitik hat bisher noch jede Regierung aus dem Amt gefegt. Der Linksruck in Athen könnte erst der Anfang sein.
Schwerpunkt
© apEuropa
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