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Vorschau
Sendung am 27. Oktober
Umbau der Alpen
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Rückblick
Sendung vom 13. Oktober
Sucht nach Soja
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Seltener Blick in das Herz eines Reaktors - hier während einer Inspektion des Atomkraftwerks Mühleberg in der Schweiz. © reuters Lupe
Seltener Blick in das Herz eines Reaktors - hier während einer Inspektion des Atomkraftwerks Mühleberg in der Schweiz.
Atomkraft ist zu teuer
Warum die Atomenergie am Ende ist
In Finnland wird ein neues Atomkraftwerk gebaut, in Frankreich, in der Slowakei - und überall laufen die Kosten aus dem Ruder. Nur staatliche Subventionen halten die Projekte am Leben, sagt Atomphysiker Lothar Hahn in einem Vorabinterview.
Kurz vor dem Jahrestag von Fukushima scheint die Atomenergie gefragter zu sein denn je. Während Deutschland aussteigt, wollen andere Länder einsteigen. Das Nachbarland Polen zum Beispiel oder auch die Türkei planen ihre ersten Reaktoren. In Asien entstehen Schätzungen zufolge in den nächsten zwei Jahrzehnten dutzende neuer Atomkraftwerke. Das Wirtschaftsmagazin makro hat in einem Vorabinterview Studiogast Lothar Hahn gefragt, warum er trotzdem nicht an die Zukunft der Atomenergie glaubt.

makro: Viele Länder wollen ihre Atomkraft ausbauen. Warum halten Sie dennoch die Atomkraft für ein Auslaufmodell?

Lothar Hahn: Weltweit werden in 30 Ländern Kernkraftwerke betrieben. Ihre Anzahl ist seit ca. 1990 mit 430 bis 440 nahezu unverändert. Zwar sind derzeit 70 Anlagen in Bau und 170 in Planung - die meisten davon in Asien - aber es werden in den nächsten 15 Jahren auch weit über 100 Anlagen abgeschaltet.

Zudem werden erfahrungsgemäß nicht alle Bauprojekte rechtzeitig abgeschlossen und längst nicht alle Planungen Realität. Folglich wird sich die Zahl der Anlagen weltweit auf absehbare Zeit nicht erhöhen. Vermutlich wird sie sogar zurückgehen, da Atomstrom immer unwirtschaftlicher wird. Ein Kernkraftwerksneubau lohnt sich nur, wenn die finanziellen Risiken dem Staat bzw. der Allgemeinheit aufgebürdet werden.

makro: Aber ist Großbritannien nicht das beste Beispiel dafür, dass die Atomkraft momentan Rückenwind genießt? Großbritannien nimmt zwar als erstes Industrieland Europas Abschied von seinen Kohlekraftwerken, baut aber gleichzeitig auch neue Atom-Anlagen.

Lothar Hahn: Großbritannien ist das beste Beispiel für das, was ich eben erklärt habe. Großbritannien hat schon viele seiner alten AKWs stillgelegt und wird die restlichen 14 Anlagen der ersten Generation bis 2023 abschalten. Auf der anderen Seite steht die Planung von zwei Anlagen, wobei abzuwarten bleibt, wann und zu welchen Kosten diese fertig sein werden. Von Ausbau kann also keine Rede sein. Im Übrigen kommt der Neubau nur zustande, weil die Regierung dem Betreiber 35 Jahre lang einen garantierten Stromabnahmepreis zugesagt hat. (siehe Infokasten "Hinkley Point: Der letze Dinosaurier")

makro: Wenn Sie davon ausgehen, dass es keine Renaissance der Atomenergie gibt in Europa: Warum empfiehlt dann die EU-Kommission offiziell den massiven Ausbau?

Lothar Hahn: In Europa gibt es zur Zeit drei AKW-Baustellen, wobei es in der Slowakei immer wieder zu Stillständen gekommen ist. In Finnland und in Frankreich sind Kosten und Bauzeiten bereits dramatisch überschritten worden. Die Position der EU-Kommission ist politisch höchst umstritten. Beispielsweise klagt Österreich gegen die Entscheidung, Großbritannien die milliardenschwere Subventionierung ihrer AKW-Neubauten zu gestatten.

makro: Durch die politischen Spannungen fühlen sich ohnehin viele Länder in Europa in ihrer Energiesicherheit bedroht. Würde sich die Situation ohne Atomenergie nicht noch erheblich verschlimmern?

Lothar Hahn: Die Stromversorgung in Europa ist durch die politischen Spannungen mit Russland nicht gefährdet. Militärische Konflikte allerdings bedrohen die Sicherheit der Kernkraftwerke in Krisenregionen. Wer seine Energiesicherheit erhöhen will, der muss auf weniger zentrale Strukturen und auf mehr dezentrale Techniken setzen, so wie es mit der Energiewende in Deutschland beabsichtigt ist.

makro: Wann, glauben sie, wird denn der letzte Atommeiler auf dieser Welt abgeschaltet?

Lothar Hahn: Mit einer einzelnen Jahreszahl lässt sich diese Frage nicht beantworten, dazu sind die Verhältnisse in den einzelnen Ländern zu unterschiedlich. Generell bin ich der Meinung, dass die Bedeutung überall sinken wird, selbst in dem Land mit dem zahlenmäßig ehrgeizigsten Ausbauprogramm, nämlich China. In China wächst nämlich die Kohlestromerzeugung deutlich schneller als der Atomenergieausbau. Außerdem ist China das Land mit den höchsten Investitionen in erneuerbare Energien.

In stark kernenergieabhängigen Ländern wie Frankreich wird es darum gehen, wie schnell man sich von dieser Abhängigkeit befreien kann, was dort durchaus Jahrzehnte dauern kann. In Ausstiegsländern wie Deutschland oder Belgien ist der Zeitpunkt bereits definiert und im Gesetz festgeschrieben. Alles entscheidend ist aber sicher, wie der Ausbau der Erneuerbaren samt zugehöriger Infrastruktur vorankommt und wie sich Energiemärkte und Energiepreise entwickeln.

Das Interview führte Eva Schmidt.

Sendedaten
Freitag, 27. Februar 2015, 21.00 Uhr
Wiederholung Sonntag 6.15 Uhr
Thema der Sendung
Comeback der Kernkraft
Vier Jahre nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima hat die Atomenergie wieder an Strahlkraft gewonnen. Denn während Deutschland aussteigt, steigen andere Länder ein. Vor allem in Asien.
Info
LupeLothar Hahn
Lothar Hahn war von 2002 bis 2010 Geschäftsführer der "Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit" und hat gemeinsam mit Joachim Radkau das Buch "Aufstieg und Fall der deutschen Atomwirtschaft" geschrieben.
Hinkley Point
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