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Seit dem 1. Januar 2015 zahlt man auch in Litauen mit dem Euro © reuters Video
Seit dem 1. Januar 2015 zahlt man auch in Litauen mit dem Euro
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Der Euro kommt nach Litauen
EU-Währung im gesamten Baltikum
Zum Jahreswechsel verabschiedete sich Litauen vom Litas und führte als dritter baltischer Staat den Euro ein. Die Regierung setzt auf die Vorteile der EU-Währung, die Bevölkerung fürchtet den "Teuro". Auch für Deutschland ändert sich etwas durch Litauens Euro-Beitritt.
Mit dem Silvesterfeuerwerk verabschiedete sich Litauen nach mehr als 20 Jahren von seiner nationalen Währung und führt als 19. EU-Land den Euro ein. Es ist bereits der zweite Anlauf des größten der drei baltischen Staaten. Ursprünglich wollte das EU- und Nato-Land bereits 2007 den Euro übernehmen, scheiterte aber an einer leicht überhöhten Inflation.

Wachstum trotz vieler Auswanderer
Nach einem harten Sparkurs in der Finanzkrise, in der die Wirtschaft 2009 um fast 15 Prozent einbrach, erfüllte Litauen nun problemlos alle Kriterien. Die Ostseerepublik gehört inzwischen wieder zu den wachstumsstärksten Staaten in Europa, leidet aber unter den Folgen hoher Auswanderung und wird eines der ärmsten Euro-Länder sein.

Für Regierungschef Algirdas Butkevicius ist die Euro-Einführung nicht nur die "Garantie für wirtschaftliche Sicherheit, sondern auch eine Möglichkeit, die größere finanzielle Stabilität in unserem Land fortzuführen". Angesichts des russischen Vorgehens in der Ukraine gilt sie wegen der tieferen EU-Integration für die Ex-Sowjetrepublik zudem als sicherheitsrelevant.

Handelsbeziehungen stärken
Nach einer Analyse der Zentralbank wird sich der Euro positiv auf die Handelsbeziehungen, Investitionen und das Zinsniveau auswirken - ähnlich wie in den baltischen Nachbarstaaten. "Estland und Lettland haben von einem höheren Wirtschaftswachstum profitiert", verweist Finanzminister Rimantas Sadzius auf die Erfahrungen der beiden jungen Euro-Mitglieder, die bisher eine positive Bilanz ziehen.

Der größte Impuls zum Aufschwung in den drei kleinen Volkswirtschaften kam vom Export. Litauen wickelt mehr als 60 Prozent seines Außenhandels mit dem Ostseeraum ab. Deutschland ist dabei der zweitgrößte Handelspartner und ein wichtiger Investor: derzeit sind etwa 1.200 deutsche Firmen vor Ort aktiv, die über eine Milliarde Euro investiert haben. Nach einer Umfrage der Deutsch-Baltischen Handelskammer befürworten mehr als Dreiviertel davon die Euro-Einführung. Auch litauische Unternehmen sind überwiegend dafür.

Angst vor steigenden Preisen
In der Bevölkerung ist weniger Begeisterung über die neue Währung zu spüren. Viele der drei Millionen Litauer fürchten vor allem steigende Preise. Zudem gilt der Litas als Symbol für die 1991 wiedererlangte Unabhängigkeit von der Sowjetunion. Zuletzt aber hat die Zustimmung zur Gemeinschaftswährung zugenommen: In einer Umfrage der Zentralbank im November 2014 begrüßten 53 Prozent der Litauer den Währungswechsel, beim jüngsten Eurobarometer waren 63 Prozent für den Euro.

Die EU-Kommission bescheinigt Litauen, mit den Vorbereitungen auf gutem Weg zu sein. Bereits im Dezember 2014 brachte die Zentralbank 900.000 "Starter-Kits" in Umlauf - je 23 Euromünzen im Wert von 11,59 Euro. Geprägt wurden sie in der staatlichen Münzanstalt - die Geldstücke tragen als Motiv in allen Nominierungen das litauische Staatswappen. Die Banknoten für die Euro-Einführung leiht sich Litauen zunächst von der Deutschen Bundesbank.

Mit dem Währungswechsel in Litauen kommt es auch zu Änderungen beim Stimmrecht im Rat der Europäischen Zentralbank (EZB). Bei geldpolitischen Entscheidungen tritt ein Rotationsprinzip in Kraft. Bundesbank-Chef Jens Weidmann wird deshalb künftig alle fünf Monate im EZB-Rat ohne Stimmrecht sein.

Sendedaten
Freitag, 30. Januar 2015, 21.00 Uhr
Thema der Sendung: Baltikum
Kleines Baltikum ganz groß
Die Finanzkrise 2008 hat die überhitzte Wirtschaft der drei baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen schockgefrostet. Mit Litauen ist nun die letzte der Baltenrepubliken aufgetaut - und zeigt sich quicklebendig. Wie haben die das geschafft?
Baltikum: Reformprogramm
Die Anti-Keynesianer
Die Balten erlebten einen Wirtschaftseinbruch von fast griechischem Ausmaß - Immobilienblase, Aktienboom, Privatverschuldung, das volle Programm. Dann haben sie sich eine Radikalreform verordnet und geschafft, was in Südeuropa nicht gelingt.
Interview mit Reinhard Krumm
Baltikum: Nie wieder allein
"Der Euro hat nach wie vor Anziehungskraft", sagt makro-Gast Reinhard Krumm in einem Vorabinterview. Der fast lautlose Beitritt Litauens zum Euro-Club sei für die Baltenrepublik von überragender politischer Symbolik.
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