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Vorschau
Sendung am 27. Oktober
Umbau der Alpen
Der Klimawandel bedroht den Wintersport. Viele Skigebiete in den Alpen sind nicht mehr schneesicher. Geröll- und Verkehrslawinen sowie die massive Verstädterung zeigen die Schattenseiten des Massentourismus.
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Rückblick
Sendung vom 13. Oktober
Sucht nach Soja
Die Sojabohne hat Wachstumsraten wie kaum eine andere Nutzpflanze der Welt. Sie steckt in Schokolade, Treibstoffen und im Futter für die Tiermast. Doch der weltweite Soja-Boom hat gravierende Folgen für Mensch und Umwelt.
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Schweizerische Nationalbank © reuters Lupe
Ob die Entscheidung, die hinter den trutzigen Mauern der Schweizerischen Nationalbank gefallen ist, gut war, wird sich zeigen. Auf jeden Fall war sie mutig.
Die Schweiz kapituliert
Notenbank löst Franken-Bindung zum Euro
Die Schweizerische Nationalbank hat die künstliche Schwächung des Franken gegenüber dem Euro aufgegeben. Dafür kassiert sie Prügel, die Wirtschaft jault, die Börse bricht ein. Dabei wollte man einfach nur nicht untergehen.
"In den See, in den See, mit Gewichten an den Füßen in den See!" - Im Präsidium der Schweizerischen Nationalbank (SNB) kursierte vielleicht einmal ein Exemplar von "Asterix bei den Schweizern". Schon dort verteidigten tapfere Helvetier ihre Eigenständigkeit gegen die Übermacht aus Rom. Am Ende mit Erfolg. Zumindest entkam man einer Reihe von Peinigungen, deren perfideste Variante mit Gewichten an den Füßen im See endete.

Die Sorge vor diesem so schrecklich endgültigen Schicksal mag Thomas Jordan und seine Mitstreiter aus dem Präsidium der Schweizerischen Nationalbank bewogen haben, die Euro-Gewichte von den Franken-Füßen zu entfernen.

Das Manöver kam gänzlich überraschend. Es war nichts durchgesickert. Nie hätte es sonst so heftige Verwerfungen am Devisenmarkt und der Schweizer Börse gegeben.

Seit Spätsommer 2011 - die Eurokrise erreichte gerade wieder einen Höhepunkt und große Mengen Geldes strömten auf der Suche nach einem sicheren Hafen in die kleine Schweiz - versuchte die SNB diesem Run auf den Franken und der damit einhergehenden dramatischen Aufwertung mit einer Kopplung an den Euro Einhalt zu gebieten.

Festgenagelt bei 1,20 CHF
Diese Bindung sah einen Mindestkurs von 1,20 Franken (CHF) je Euro vor, der die heimische Währung künstlich verbilligen sollte. Faktisch sollte damit der Preis eines Franken nicht über etwa 0,83 Euro steigern. Gedacht war dies als Schutzschirm für die von Exporten abhängige Schweizer Wirtschaft. Je höher der Frankenkurs liegt, umso teurer und damit schwerer zu verkaufen werden ihre Produkte.

Und jetzt ist der Franken wieder richtig teuer. Auf die große Eurozone hat das zunächst keine nennenswerten Auswirkungen, auf die kleine Schweiz aber sehr wohl. Die spannende Frage ist nun: War die Entscheidung für die Schweiz gut oder schlecht?

Das Urteil der Schweizer Börse ist eindeutig. Der Leitindex SMI verlor heute weitere 4%, nachdem das wichtigste Aktienbarometer in Zürich bereits am Vortag einen historischen Kurseinbruch von zeitweise fast 14% verzeichnet hatte. Die Börse denkt aber zunächst erst mal kurzfristig.

Wie sieht es mit der Realwirtschaft aus?
Nach ersten Prognosen kann die spektakuläre Freigabe des Frankenkurses zum Fluch für die Schweizer Wirtschaft werden. Die Großbank UBS traut der Alpenrepublik 2015 in einer Analyse vom Freitag nur noch ein mageres Wirtschaftswachstum von 0,5% zu - eine drastische Korrektur nach optimistischen 1,8% zuvor.

Die UBS rechnet damit, dass die Schweizer Warenexporte allein in die Eurozone um etwa 5 Mrd. Euro einbrechen. Die Schweizer Wirtschaft selbst hatte die SNB-Entscheidung "nicht nachvollziehbar" genannt. Es bestehe die Gefahr, dass der Franken derart stark bleibe, dass sich die Exportindustrie und der Tourismus (für Schweizurlauber ohnehin eine kostspielige Angelegenheit) nicht schnell genug an die neuen Währungsverhältnisse anpassen könnten. Zudem werde es für die Eidgenossen attraktiver denn je, jenseits der Schweizer Grenzen einzukaufen, statt im eigenen Land.

"Made in Switzerland" steht für Qualität, Präzision und Zuverlässigkeit. Doch jetzt wird das Gütesiegel zum Handicap. Uhren- und Luxusgüterhersteller wie Swatch produzieren in der Schweiz und punkten in Ländern wie China mit dem Schweizer Charakter ihrer Produkte. Trotz hoher Löhne daheim hat das bisher funktioniert. Wenn jetzt ein in Asien verdienter Dollar deutlich weniger einbringt als bisher, kann das Geschäftsmodell Risse bekommen.

Alles Mist also?
Kann man so nicht sagen. Die SNB hat sich natürlich auch etwas bei ihrer Entscheidung gedacht. Ihr Blick mag dem heimischen Immobilienmarkt gegolten haben, der sich aufgrund des künstlich niedrigen Frankenkurses gefährlich in Richtung Blase entwickelt hat. Wo das enden kann, haben wir 2008 in den USA erfahren müssen. Oder in Spanien.

Außerdem ist die Schweiz traditionell ein Hartwährungsland, ähnlich wie Deutschland vor der Einführung des Euro. Über Jahrzehnte entwickelte sich die Wirtschaft solide. Die feste Währung hat dem Wohlstand der Eidgenossen nicht geschadet. Vielmehr hat die Schweiz zu Premiumpreisen stets Premiumprodukte hervorgebracht.

Die Schweizer haben der These, dass eine schwache Währung gut für die Wirtschaft sei, nie viel abgewinnen können. Das mag damit zusammenhängen, dass klassische Weichwährungsländer wie Spanien, Italien, Portugal oder Griechenland, die vor Einführung des Euro regelmäßig abgewertet haben, den Beweis der ökonomischen Überlegenheit bis heute nicht erbringen konnten.

Es hat noch nie funktioniert
Als weiteren Grund für die Entscheidung der SNB darf man das Unbehagen über eine stetige Ausweitung der Geldmenge und ein ebensolches Anhäufen von Euro-Devisenreserven vermuten. Dazu muss man wissen, wie eine Fixierung des Wechselkurses funktioniert: Die SNB kauft am Markt Euro und bezahlt mit Schweizer Franken. Tatsächlich ist es etwas komplizierter, aber unterm Strich läuft es darauf hinaus. Wenn die Franken zur Neige gehen, müssen immer neue gedruckt werden. Zuende gedacht sitzt die SNB irgendwann auf einem riesigen Haufen schwächelnder Euro. Das wollte man dann doch nicht.

Schlussendlich mussten die Schweizer Notenbanker wohl einsehen, dass ein durch Marktintervention erzwungener Wechselkurs, der den wirtschaftlichen Realitäten zuwider läuft, nicht zu halten ist. Die Russen versuchen, ihren Rubel zu stützen. Es funktioniert nicht. In Nigeria klammert sich die Notenbank gerade an die Dollarbindung. Es lässt bloß die Devisenreserven dahinschmelzen. 1992 versuchte die Bank of England auf Biegen und Brechen, das Pfund zu einem zu hohen Kurs im europäischen Wechselkursmechanismus zu halten. Es funktionierte nicht. Es hat noch nie funktioniert.

Innovation statt Manipulation
Auf Sicht der nächsten paar Jahre wird die Entscheidung der SNB der Schweizer Wirtschaft einige Zumutungen in puncto Produktivität und Innovation abverlangen. Langfristig gab es wohl keine Alternative.

Nach Außen sendet die Schweiz in zweifacher Hinsicht ein Signal. Nach Europa und nach Japan. Für den Euro bedeutet die Entscheidung ein Vertrauensentzug. Das wird die Gemeinschaftswährung schwächen. Japan versucht seit 20 Jahren seine Währung zu schwächen, um seine Probleme zu exportieren, statt sie zu lösen. Bisher hat es nicht funktioniert.

Wirtschaftsdokumentation
EZB - Die neue Macht am Main
Mit dem Einzug in ihre neue Zentrale erweitert die EZB ihre Aufgaben. Sie übernimmt die Aufsicht über Europas Banken. Und betreibt immer direkter Wirtschaftspolitik. Man könnte sagen: Die EZB wird amerikanisch.
Euro in Franken
© vwdLupeKursverlauf 2 Jahre
Seit September 2011 war der Schweizer Franken (CHF) an den Euro gekoppelt. Ein Euro kostete mindestens 1,20 CHF. Betrachtet man den Verlauf des Wechselkurses über die letzten 2 Jahre, liegt der Kurs praktisch wie ein Brett.

Im Jahr 2013, als der Euro im Verhältnis zu anderen Währungen relativ stark war, konnte er sich auch gegenüber dem Franken noch leicht nach oben absetzten. Er kostete dann bis zu 1,25 CHF.

Ganz am rechten Rand des Charts sieht man dann plötzlich etwas, was fast nach einem Grafikfehler aussieht. Ist es aber nicht. Es markiert den Einbruch des Euro gegenüber dem Franken am 15.01.2015, dem Tag als die Euro-Franken-Bindung fiel.
Euro in Franken
© vwdLupeTag der Entscheidung
Auf dem Intraday-Chart erkennt man, wie gegen 10:30 Uhr, unmittelbar nach Bekanntgabe der Entscheidung durch die Notenbank, der Kurs des Euro gegenüber dem Franken einbrach. Zwischenzeitlich musste man nur noch 86 Rappen für einen Euro zahlen. Das entspricht einem Kursgewinn des Franken gegenüber dem Euro von 41%. Für den Devisenmarkt ist das ein irre hoher Sprung.

Im weiteren Handelsverlauf pendelte sich der Euro bei etwas über einem Franken ein. Die beiden Währungen notieren jetzt also etwa auf Parität. Unterm Strich bleibt für den Franken eine Wertsteigerung von 20%. Gegenüber anderen Währungen wie Dollar, Yen oder Pfund, legte der Franken ebenfalls abrupt um etwa ein Fünftel zu.
Euro in Franken
© xe.comKursverlauf 10 Jahre
In der langfristigen Betrachtung über 10 Jahre, wird die Funktion des Franken als Fluchtwährung deutlich. Musste man 2008 noch rund 1,60 CHF für einen Euro bezahlen, bekommt man ihn jetzt schon für rund 1 CHF. Leute, die ihr Geld in Franken getauscht haben, haben jedenfalls etwas richtig gemacht.

Des einen Freud ist hier des anderen Leid. Man kann das Stöhnen der Schweizerischen Exportwirtschaft gut verstehen. Sie kämpft gegen eine gut 50%ige Aufwertung der eigenen Währung.
Mario Draghi
Der Magier der Krise
EZB-Präsident Mario Draghi ist der Retter des Euro. Dafür tut er Dinge, die einem europäischen Notenbanker Bauchschmerzen bereiten: Er macht Wirtschaftspolitik. Weil die Politik sich drückt.
Börse Zürich
Der Swiss Market Index (SMI) ist so etwas wie der DAX der Schweiz. Es geht ihm nicht gut. 15% Verlust in zwei Tagen. (Bloomberg.com)
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