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Vorschau
Sendung am 27. Oktober
Umbau der Alpen
Der Klimawandel bedroht den Wintersport. Viele Skigebiete in den Alpen sind nicht mehr schneesicher. Geröll- und Verkehrslawinen sowie die massive Verstädterung zeigen die Schattenseiten des Massentourismus.
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Rückblick
Sendung vom 13. Oktober
Sucht nach Soja
Die Sojabohne hat Wachstumsraten wie kaum eine andere Nutzpflanze der Welt. Sie steckt in Schokolade, Treibstoffen und im Futter für die Tiermast. Doch der weltweite Soja-Boom hat gravierende Folgen für Mensch und Umwelt.
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Griechenland hat die Wahl - Video ansehen © reuters Video
Der Himmel über Griechenland verdüstert sich. Droht ein Ausstieg aus dem Euro?
2015 ist nicht 2012
Griechenland: Wie schlimm ist es diesmal?
Das Euro-Krisengespenst ist wieder da und keinen juckt's. Wirklich keinen? Nun, nicht ganz. Der Geruch von Panik jedoch, der im Krisenjahr 2012 über Europa hing, ist nicht auszumachen. Vorerst.
Den Finanzmärkten liegt die Diskussion um einen möglichen Euro-Austritt Griechenlands durchaus quer im Magen. Dennoch: Der Geruch von Panik, der im Krisenjahr 2012 über Europa hing, ist nicht auszumachen.

Das hat einen Grund, denn alle Beteiligten - 2012 noch grün hinter den Ohren - sind heute erfahrene Euro-Krisen-Recken, kampferprobte Untergangsvermeider sozusagen. Anders ausgedrückt: Politik und Märkte hatte viel Zeit, sich mit Europas Wirtschaftskrise zu beschäftigen, vermeintliche von tatsächlichen Problemen zu trennen und alle erdenklichen Szenarien durchzurechnen.

Private Gläubiger sind längst raus
Heute gibt es in Europa klar definierte Vorgehensweisen für den Krisenfall und geklärte Zuständigkeiten, wer unter welchen Auflagen aus welchem Topf Geld bekommt. Oder auch nicht - wohingegen 2012 nichts als Nebel war. Und schließlich gibt es, für die Märkte vermutlich weit wichtiger als alle anderen Krisenmechanismen, die unmissverständliche Ankündigung der EZB, alles zu tun, um ein Auseinanderbrechen der Eurozone zu verhindern.

Private Gläubiger sind nach der "freiwilligen" Umschuldung im Sommer 2012 nur noch geringfügig in Griechenland im Risiko. Sie hatten auf einen Großteil ihrer Forderungen verzichtet und sich den Restbetrag aus Europas Rettungstöpfen garantieren lassen. Das lässt sie mit einer gewissen Coolness auf die Entwicklung blicken.

Die Deutsche Bank, zum Beispiel, ist nach eigenen Angaben nur noch mit rund 300 Mio. Euro in Griechenland engagiert. Das sind Peanuts. Die staatliche Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) hingegen ist mit 15 Mrd. Euro dabei und belegt von allen deutschen Banken mit Abstand den Spitzenplatz.

Die Dummen stehen fest
Damit steht ein Dummer schon mal fest: Der europäische Steuerzahler. Denn der hat in diversen Rettungspaketen und über Garantien zusammen mit dem IWF weit mehr als 200 Mrd. Euro nach Griechenland geschaufelt.

Sollte nun Alexis Tsipras von der Linkspartei Syriza die am Sonntag (15. Januar) anstehenden griechischen Parlamentswahlen gewinnen und seine Ankündigungen wahrmachen - konkret: Einstellung des Schuldendienstes und der Reformpolitik - dann muss man das Geld wohl mehr oder weniger abschreiben.

Das ist übel, aber für den Rest Europas verschmerzbar. Richtig schlimm träfe es die Griechen selbst, denn wenn das Geld nicht mehr aus Europa kommt - woher kommt es dann? Der Schuldenstand liegt bei 320 Mrd. Euro und der durchschnittliche Zinssatz, den das Land gegenwärtig zahlt, liegt nach FAZ-Recherchen bei gerade einmal 2,4%. Billiger kommt Griechenland nicht an Geld. Selbst Deutschland zahlt im Schnitt 2,7%.

Hierbei ist nicht so sehr die Verhandlung eines Schuldenschnitts entscheidend. Griechenland steht so tief in der Kreide, dass es seine Schulden in voller Höhe nie wird zurückzahlen können. Für so viel Realismus sollte man dem ökonomischen Irrlicht Alexis Tsipras tatsächlich dankbar sein. Verheerend wäre vielmehr eine Abkehr von der mühsam erkämpften Reformpolitik.

Erfolge der Reformpolitik sind da
Denn die zeigt erste Erfolge: Der Primärhaushalt, also der Haushalt ohne Schuldendienst, ist erstmals seit zig Jahren ausgeglichen, ebenso die außenwirtschaftliche Bilanz. Das dritte Quartal 2014 markiert mit einem zarten Wachstum von 0,7% das Ende der sechsjährigen Rezession. Die Arbeitslosigkeit, obwohl immer noch extrem hoch, ist erstmals seit Jahren rückläufig. Es konnten sogar erstmals wieder eigene Anleihen am Markt platziert werden.

Die Auswirkungen dieser makroökonomischen Fortschritte auf die Lebenswirklichkeit der meisten Griechen sind freilich noch sehr bescheiden, was den allgemeinen Frust erklärt und die Popularität von Syrizas Anti-Reformpolitik. Erwähnte Fortschritte, von den Griechen teuer bezahlt, um nicht zu sagen: erlitten, wären bei einem Syriza-Wahlsieg wohl dahin. Niemand investiert in einem Land, in dem Stillstand garantiert ist.

Ansteckungsgefahr?
Die Konsequenzen einer Abkehr von der bisherigen wirtschaftspolitischen Linie auf Griechenland selbst wären also ziemlich klar. Aber was bedeutet es für den Rest Europas? Wie steht es um die viel gefürchtete Ansteckungsgefahr der anderen Euro-Krisenländer? Hier hilft ein Blick auf die Renditen der Staatsanleihen. Und die geben fürs erste Entwarnung.

10-jährige italienische Staatsanleihen rentieren mit 1,83%, etwas höher als die 1,74% am 02.01.2015. Das war aber auch ein Rekordtief. Spanische Bonds stehen bei 1,6%, nach einem Rekordtief von 1,5% ebenfalls am letzten Freitag. In Portugal und Irland sieht es ähnlich aus. Das Problem ist also ein griechisches.

Drei Szenarien
Best Case: In Griechenland gibt es einen geordneten Schuldenschnitt. Die Reformpolitik wird fortgeführt. Das Land bleibt im Euro.

Worst Case: Griechenland kann sich mit seinen Gläubigern nicht einigen, stellt die Zahlungen ein, beendet seinen Reformkurs und fliegt aus dem Euro. Da kein Geldgeber mehr da ist, werden die Probleme mit der Notenpresse "gelöst".

Wahrscheinlichstes Szenario: Durchwursteln. Senkung der Zinsen, Streckung der Laufzeiten, Schuldendienst ad infinitum.

Insgesamt ist die Verhandlungsposition Griechenlands eher schlecht. Bereits Ende Februar braucht das Land eine Anschlussfinanzierung für ein auslaufendes EU-Programm.

Wirtschaftsdokumentation
VideoEZB: Die neue Macht am Main
Mit dem Einzug in ihre neue Zentrale erweitert die EZB ihre Aufgaben. Sie übernimmt die Aufsicht über Europas Banken. Und betreibt immer direkter Wirtschaftspolitik. Man könnte sagen: Die EZB wird amerikanisch.
Griechenland
© colourbox.deVideoDie Europäische Lösung
Von griechischen Banken bekommen einheimische Unternehmen kaum noch Kapital. Deswegen unterstützt nun die Europäische Investitionsbank die Unternehmen mit Krediten.
Renditen auf Staatsanleihen
© Halvers Kapitalmarkt MonitorLupeÜber das gesamte Jahr 2014 sind die Renditen, also die Risikoprämie, auf 10-Jährige Staatsanleihen der Euro-Krisenländer gefallen. Das bedeutet, die Märkte fassen Vertrauen und geben sich mit niedrigen Zinsen zufrieden. Am 2. Januar 2015 markierten sie sogar ein Allzeittief. In Griechenland sieht die Sache anders aus. Seit dem Sommer 2014 ziehen die Renditen wieder an. Das verheißt nichts Gutes.
Renditen auf Staatsanleihen
© Halvers Kapitalmarkt MonitorLupe2000 bis 2014
In der langfristigen Betrachtung sieht man sehr schön den Gleichlauf der Risikoprämien bis zur Finanzkrise 2008, d.h., die Märkte machten überhaupt keinen Unterschied zwischen guten und schlechten Schuldnern.

Plötzlich jedoch trennte sich die Spreu vom Weizen, die Renditen der Krisenländer liefen aus dem Ruder - in Griechenland (nicht auf der Grafik) noch viel stärker als in Spanien und Italien. Seit der Ankündigung der EZB im Sommer 2012, zur Not Staatsanleihen der Krisenländer zu kaufen, nähern sich die Renditen dieser Staaten denen der soliden Länder wieder an.

Die insgesamt fallende Tendenz ist für die verschuldeten Staaten finanzpolitisch sehr erfreulich, bedeutet ökonomisch aber schlichtweg, dass die Wirtschaft nicht läuft.
Schwerpunkt
Finanzkrise
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