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Sendung am 8. Dezember
Kollege Roboter
Die Roboter kommen. Vernetzt sind sie, unermüdlich und schlau. Sie werden die Arbeitswelt umkrempeln. So wie einst die Feldarbeit der Industrie weichen musste und diese später der Dienstleistungsgesellschaft. Das muss nicht schlecht sein.
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Rückblick
Sendung vom 1. Dezember
Der Nordkorea-Konflikt
Das Risiko für einen militärischen Konflikt mit Nordkorea war noch nie so groß. Die Vereinten Nationen haben darauf mit weiteren Wirtschaftssanktionen gegen das Land reagiert.
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Islands schrägster Politiker
Óttarr Proppé
Filmautorin Katrin Sandmann war bei den Isländern und hat sie als ganz bodenständige, aber manchmal auch schräge Menschen kennen gelernt. Einen Oppsositionspolitiker etwa, der ansonsten in einer Heavy-Metal Band spielt und Sätze sagt, wie: "Wir wissen, dass wir uns verändern müssen. Nur wissen wir noch nicht so genau, wie wir das anstellen sollen."
"Wir wollen Politik menschlicher, einfühlsamer machen." Ich traue meinen Ohren nicht, glaube, zu träumen. Steht da wirklich ein Politiker vor meinem Mikrofon, der von Menschlichkeit in der Politik spricht? Und es kommt noch besser. "Wenn wir auf brennende Fragen keine Antworten haben, dann wollen wir es zugeben und sagen: wir wissen es nicht. Aber wir werden versuchen es herauszufinden." Meine Stimme hat er. Naja, hätte er. Óttarr Proppé ist leider ein isländischer Politiker und damit für mich nicht wählbar.

Der Mann, der diese, für seine Zunft doch recht außergewöhnlichen Dinge, sagt, trägt einen vollen Oberlippenbart und das dünne, blonde Haar schulterlang. Über die Frisur könnte man diskutieren, wenn man denn wollte. Aber ansonsten ist modisch nichts, aber auch rein gar nichts an dem isländischen Oppositionspolitiker auszusetzen. Ganz im Gegenteil: Proppé kombiniert gekonnt den weinroten Rollkragenpullover zum gelben Hahnentritt-Tweed-Anzug, dreiteilig versteht sich. Ein ganz klein bisschen "risqué" vielleicht, aber eine Abwechslung vom grauen Einheits-Outfit seiner Kollegen.

Der Mann ist eine Legende
Proppé ist Mitglied der Partei "Strahlende Zukunft". Zugegeben, das hört sich etwas nach Nordkorea an, ist aber nicht so gemeint. Ausserdem ist er stellvertretender Parlamentssprecher. Und egal mit wem ich in Island gesprochen habe, wann immer ich erwähnte, dass ich Óttarr Proppé getroffen habe, sagten alle: "Wow, der Mann ist eine Legende."

Lupe
Bei seiner Band "HAM" schlägt Proppé auch gerne mal härtere Töne an.
Zu einer solchen ist er allein durch seine Persönlichkeit geworden. Proppé ist Mitglied DER Heavy Metal Band Islands, "HAM". Mit dieser tritt er auch als Parlamentarier noch regelmäßig auf und daran hat niemand in Island etwas auszusetzen. Anfang 2014 trat er auch kurz in die Band ein, die Island zum Eurovision Song Contest schickte. Die Boulevard-Presse war begeistert und kürte ihn umstandslos zu "Europas schrägstem Politiker".

Davon hat Island seit dem Finanzcrash vor sechs Jahren bekanntlich einige. Wie zum Beispiel den international bekannten, ehemaligen Bürgermeister von Reykjavik, Jón Gnarr. Er war Komiker, bevor er Bürgermeister von Reykjavik wurde und seine "Beste Partei" hatte Wahlkampf mit dem Versprechen kostenloser Handtücher in öffentlichen Badeanstalten gemacht. Die "Beste Partei" bestand im Wesentlichen aus ehemaligen Punks. Kein Einziger hatte je in einem politischen Gremium gesessen. Ihr Slogan zur Bewältigung des Crashs hiess: "Mehr Punk, weniger Hölle!" Und Proppé war einer von ihnen.

Und doch bleibt Óttarr Proppé ein besonderer Politiker, einer, den es so wahrscheinlich nur in Island geben kann. Das merkt man daran, das er Sätze sagt wie: „Wir wissen, dass wir uns verändern müssen. Nur wissen wir noch nicht so genau, wie wir das anstellen sollen.“ Ich traue ihm zu, genau das herauszufinden.

Wirtschaftsdokumentation
Island - Insel mit Eigensinn
Mehr zur Autorin
© Michael Khano Kobalt ProductionsFilmautorin Katrin Sandmann erlebt viel bei ihrer Arbeit. In Island hat sie zum Beispiel ihren ersten Fisch gefangen. Seit 15 Jahren berichtet die Journalistin von verschiedenen Krisenschauplätzen der Welt. Für makro war sie nicht nur in Island sondern auch im Libanon, in Pakistan, Saudi-Arabien und Somalia.
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