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Sendung am 8. Dezember
Kollege Roboter
Die Roboter kommen. Vernetzt sind sie, unermüdlich und schlau. Sie werden die Arbeitswelt umkrempeln. So wie einst die Feldarbeit der Industrie weichen musste und diese später der Dienstleistungsgesellschaft. Das muss nicht schlecht sein.
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Rückblick
Sendung vom 1. Dezember
Der Nordkorea-Konflikt
Das Risiko für einen militärischen Konflikt mit Nordkorea war noch nie so groß. Die Vereinten Nationen haben darauf mit weiteren Wirtschaftssanktionen gegen das Land reagiert.
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EZB-Präsident Maria Draghi übernimmt am 4. November 2014 eine neue Aufgabe: Die Aufsicht über Europas Banken. Vorher galt es klar Schiff zu machen. © dpa Lupe
EZB-Präsident Maria Draghi übernimmt am 4. November 2014 eine neue Aufgabe: Die Aufsicht über Europas Banken. Vorher galt es klar Schiff zu machen.
EZB schafft Klarheit
So stabil sind Europas Banken
Es war eine schwierige Geburt. Ein Jahr lang quälten sich die Aufseher durch die Bilanzen. Das Ergebnis: 25 von 130 europäischen Banken sind durchgefallen. Das ist gut zu wissen. Bleibt die Frage, warum erst jetzt - sechs Jahre nach der Finanzkrise?
Über ein Jahr lang hat die EZB mit ihrem "Comprehensive Assessment", zu deutsch "Umfassende Überprüfung" den größten Banken in Europa auf den Füßen gestanden. Tausende von Bankenaufsehern und Wirtschaftsprüfern versuchten sich einen Überblick über den Zustand der Finanzinstitute zu verschaffen.

Zwar hat es auch in der Vergangenheit schon Stresstests bei europäischen Banken gegeben, die waren aber das Papier nicht wert, auf dem sie standen. Niemand hat den Ergebnissen getraut. Diesmal ist es anders. Die EZB hat nämlich nicht einfach die Bilanzen und die Risikoeinschätzung der Banken übernommen, sondern selbst die Kreditbücher geprüft. Das soll das Vertrauen in den europäischen Finanzsektor wiederherstellen.

25 Institute haben die Latte gerissen
Jetzt sind die Ergebnisse da: 25 der ca. 130 überprüften Banken haben die Anforderungen nicht erfüllt. Stichtag der erhobenen Daten war der 31.12.2013. Das Kapitalloch beträgt laut EZB 25 Milliarden Euro. Durchgeführt wurden eine Risiko- und Bilanzprüfung und ein Stresstest. Dabei ging es z.B. um die Frage, auf wie vielen faulen Krediten die Banken sitzen, vor allem aber darum, ob die untersuchten Banken ausreichend Eigenkapital besitzen.

8% müssen es im Normalfall mindestens sein, 5,5% unter Krisenbedingungen. Welche Krisen das sein würden, definierten die Vorgaben des Stresstests. Ein Einbruch des Wirtschaftswachstums oder sinkende Immobilienpreise spielten hier z.B. eine Rolle.

An dem Stresstest war auch die European Banking Authority (EBA) mit Sitz in London beteiligt, da sich das Mandat der EZB nur auf die Eurozone beschränkt, systemrelevante Banken z.B. in London aber ebenfalls dem Stresstest unterzogen werden sollten.

In diesen Ländern gibt es Problembanken:
Land geprüft bestanden am 31.12.2013 durchgefallen,
aber jetzt ok
durchgefallen
Italien 15 6 5 4
Griechenland 4 1 1 2
Zypern 3   2 1
Slowenien 3 1   2
Belgien 5 3 1 1
Irland 3 2   1
Österreich 6 5   1
Portugal 3 2   1
Deutschland 24 23 1  
Frankreich 11 10 1  
Spanien 15 14 1  
EBA 

Vorauseilender Gehorsam
Ungefähr die Hälfte der Banken, die den Test nicht bestanden haben, hatten es wohl schon geahnt und in diesem Jahr (also nach dem Stichtag) die Eigenkapitalquote vorsorglich erhöht. Sie sind damit mehr oder weniger aus dem Schneider. Dazu gehört auch die einzige deutsche Bank, die nicht bestanden hat, die Münchener Hypothekenbank. Insgesamt beziffert die EZB den Fehlbetrag zum heutigen Tage noch auf rund 10 Mrd. Euro.

Besonders hart getroffen hat der Test die italienischen Banken. Neun von ihnen sind durchgefallen, darunter die mutmaßlich älteste Bank Europas, Monte dei Paschi di Siena, außerdem u.a. Banken in Griechenland, Zypern, Slowenien, Belgien, Spanien, Irland, Portugal, Österreich und Frankreich.

Die Kreditinstitute müssen jetzt innerhalb von zwei Wochen einen Plan vorlegen, wie sie die geforderte Eigenkapitalquote erreichen wollen. Dann bleiben ihnen sechs bzw. neun Monate Zeit, das Ziel zu erreichen. Gelingt das nicht, könnten zunächst noch einmal die Länder einspringen müssen - oder die Banken müssten abgewickelt werden.

EZB schafft Transparenz
Die Europäische Zentralbank war zufrieden mit Durchführung und Ergebnis des "Comprehensive Assessment", der Umfassenden Überprüfung. Ihrem Hauptziel, das verlorene Vertrauen in die europäische Bankenlandschaft wiederherzustellen, dürfte sie einen großen Schritt näher gekommen sein.

Offensichtlich hat der bislang ausführlichste Bankencheck für mehr Transparenz gesorgt. Die Prüfer fanden z.B. 136 Mrd. Euro zusätzliche ausfallgefährdete Kredite, fachsprech: non-performing loans (NPL), in den Bilanzen. Damit addieren sich die NPLs auf eine Gesamtsumme von 879 Mrd. Euro.

Die Überprüfung war aber aus Sicht der EZB nicht nur eine nach Außen wirkende vertrauensbildende Maßnahme. Mehr Durchblick kommt der europäischen Notenbank vielmehr selbst sehr zu pass, denn am 4. November 2014 übernimmt sie die Einheitliche Europäische Bankenaufsicht (SSM) und ist damit verantwortlich für die Bankenaufsicht in Euroland. Da will man schließlich wissen, womit man es zu tun bekommt.

Was vom jüngsten Stresstest zu halten ist und ob sich die EZB mit der Bankenaufsicht und Markteingriffen nicht viel zu viele neue Aufgaben aufhalst, zeigt makro am kommenden Freitag in der Wirtschaftsdokumentation "Die neue Macht am Main".

In diesen Ländern haben alle geprüften Banken den Test bestanden:
Niederlande 6
Polen 6
Dänemark 4
Großbritannien 4
Schweden 4
Luxemburg 2
Finnland 1
Lettland 1
Malta 1
Norwegen 1
Ungarn 1
EBA 

Sendedaten
makro-Wirtschaftsdokumentation
"Die neue Macht am Main"
31. Oktober 2014, 21.00 Uhr
Wirtschaftsdokumentation
© dpaDie neuen Macht am Main
Mit dem Einzug in ihre neue Zentrale erweitert die EZB ihre Aufgaben. Sie übernimmt die Aufsicht über Europas Banken. Und betreibt immer direkter Wirtschaftspolitik. Man könnte sagen: Die EZB wird amerikanisch.
Von wegen sicher!
VideoInterview mit Martin Hellwig
Der renommierte Bankenexperte Prof. Martin Hellwig sagt, bei realistischer Bewertung seien die meisten Banken insolvent. Sie sollten mehr mit eigenem Geld arbeiten und weniger mit geliehenem. Der europäischen Bankenaufsicht durch die EZB kann er trotzdem einiges abgewinnen.
Banken ohne Regeln?
Die Blutsauger des Kapitalismus
Seit der Finanzkrise gibt es jede Menge neuer Regulierung, um den Banken das Zocken zu verleiden. Einerseits. Andererseits drängt sich der Verdacht auf, dass sich das Geschäftsmodell des too big to fail fest etabliert hat. (28.02.2014)
Kritik am Stresstest
Wie bei jedem Bankenstresstest seit der Finanzkrise 2008 gibt es auch dieses Mal jede Menge Kritik. Je nach Interessenlage sagen die einen, die Kriterien seien zu lasch - die anderen sagen, sie seien zu hart.

Fakt ist jedoch, dass sich Europas Banken noch nie einer so umfassenden Überprüfung unterwerfen mussten. EZB, Aufseher und die Finanzprofis der Unternehmensberatung Oliver Wyman haben sich über ein Jahr lang durch die Bilanzen gegraben und dabei viele Leichen entdeckt, die die Banken bisher unter Verschluss gehalten hatten. Das ganze war eine sehr ernsthafte Übung.

Einen Vorwurf wird aber auch dieser Stresstest - wie schon seine Vorgänger - nicht los: Dass die Kriterien für die abschließende Bewertung stets so definiert sind, dass, um glaubwürdig zu sein, eine gewisse Zahl von Banken durchfällt - aber doch nicht so viele, dass der gesamte europäische Bankensektor in zu schlechtem Licht erschiene.
Mario Draghi
Der Magier der Krise
EZB-Präsident Mario Draghi ist der Retter des Euro. Dafür tut er Dinge, die einem europäischen Notenbanker Bauchschmerzen bereiten: Er macht Wirtschaftspolitik. Weil die Politik sich gerne drückt.
Amerika ist schneller
Auch in den USA gab es nach der Finanzkrise Bankenstresstests - aber bereits 2009. Das Ergebnis war, dass etliche Institute gezwungen wurden, sich mehr Eigenkapital zu beschaffen. Das haben sie nicht gerne getan, aber die amerikanische Notenbank (Fed) als maßgebliche Aufsichtsbehörde hat da nicht mit sich diskutieren lassen.

Das Vertrauen in den amerikanischen Finanzsektor ist seither größer als in den europäischen, wo eine ernsthafte Überprüfung immer wieder aufgeschoben wurde und erst jetzt, sechs Jahre nach der Finanzkrise endlich abgeschlossen ist.

Von dem entschiedenen Eingreifen der Fed profitiert die amerikanische Wirtschaft bis zum heutigen Tag: Sie wächst - u.a. weil die US-Banken ihre eigentliche Aufgabe, die Wirtschaft mit Krediten zu versorgen, erfüllen. In Europa hingegen krankt es daran bis heute. Besonders in den Krisenstaaten.
Hintergrund
© apDie Zombie-Banken
Wer sich fragt, warum der Aufschwung in Amerika an Fahrt gewinnt, während Europa noch halb im Koma liegt, der findet die Antwort im Gruselkabinett der Finanzgeschichte: Die Zombies sind los.