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Vorschau
Sendung am 24. März
Terror trifft Tourismus
Bombendrohungen, Anschläge, Attentate - in Ländern wie Tunesien, Ägypten und der Türkei fühlen sich Urlauber nicht mehr sicher. In Spanien, Portugal und Griechenland reibt man sich die Hände.
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Rückblick
Sendung vom 17. März
Mexikos Misere
Nach dem Wahlsieg von Donald Trump fürchtet Mexiko den ökonomischen und sozialen Kollaps. Der neue US-Präsident hat eine Zeitenwende im Umgang mit dem Nachbarland angekündigt.
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© dpa Lupe
Der Donau-Taler ist die Regionalwährung in der Region oberschwäbische Donau. Er soll dort für Umsätze und steigende Wirtschaftskraft sorgen.
Das Wunder von Wörgl
Alternativwährung für den Aufschwung
In den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts kurbelte ein findiger Bürgermeister in Österreich die Wirtschaft in seiner Heimat mit Notgeld an. Ein Modell, dass auch heute noch viele Regionen nachahmen.
Der Platz Wörgls in der Weltgeschichte wäre sicherlich noch kleiner, wenn es nicht Michael Unterguggenberger gegeben hätte. Unterguggenberger war vor vielen Jahrzehnten Bürgermeister von Wörgl. Und zwar ein sehr mutiger Bürgermeister. Und Wörgl, das ist eine Stadt in Tirol mit heute knapp 13.000 Einwohnern. Aber erzählen wir die Geschichte der Reihe nach. Und beginnen im Hier und Jetzt.

© dpa Lupe
Mario Draghi will, dass mehr Geld ausgegeben wird.
Wir schreiben das Jahr 2014, Frankfurt am Main. In den Türmen der Europäischen Zentralbank lenkt Mario Draghi die Geldpolitik der Eurozone. Mit aller Kraft bekämpft er die Stagnation in den Krisenländern. Und so erhebt unter Draghis Führung die EZB als erste große Notenbank der Welt einen sogenannten Negativzins. Das heißt, Banken müssen auf ihre Einlagen auf dem Konto der EZB eine Gebühr zahlen. Draghi will damit den Banken das Geldhorten austreiben. Damit sie das Geld lieber ausgeben und die Konjunktur ankurbeln.

Ein historisches Experiment. Könnte man meinen. Doch die Wirtschaftsgeschichte hat noch mehr Schauplätze als Frankfurt, New York, Tokio oder London. Das gibt es zum Beispiel noch Wörgl in Tirol.

Geld muss an Wert verlieren
Nun schreiben wir das Jahr 1932. In Folge der Weltwirtschaftskrise ist auch die Lage in Wörgl katastrophal. Hohe Schulden, viele Arbeitslose, keine Investitionen. Da wagt Bürgermeister Michael Unterguggenberger einen ungewöhnlichen Schritt. Er gibt eine lokale Währung für Wörgl heraus. Ein Notgeld, das automatisch an Wert verliert, wenn man nicht monatlich eine Marke im Wert von einem Prozent des Nennwertes kauft und aufklebt.

Unterguggenbergers Ideenlieferat war Silvio Gesell, Kaufmann aus der Eifel. Nach Gesells Vorstellungen durfte Geld keine Zinsen einbringen. Im Gegenteil, es musste mit der Zeit an Wert verlieren. Nur so würden die Menschen ihr Geld so schnell wie möglich ausgeben und die Wirtschaft ankurbeln. Mit Silvio Gesell nahm die Idee vom "Schwundgeld" seinen Lauf. Doch der Kaufmann erlebte das "Wunder von Wörgl" leider nicht mehr. Er starb 1930.

Es funktioniert
Die Rechnung des Bürgermeisters ging auf. Bevor die Menschen ihr Geld in den eigenen Händen schrumpfen sahen, gaben sie es lieber aus. Der Kauf- und Investitionsboom in Wörgl ließ die Arbeitslosenzahl sinken, während sie sonst in Österreich weiter stieg. Überall in Europa sprach man plötzlich von Wörgl. Doch bevor das „Wunder von Wörgl“ weitere Städte, Regionen oder gar Länder elektrisieren konnte, setzte die Österreichische Nationalbank ihm ein Ende. Nur sie dürfe Banknoten herausgeben. Knapp anderthalb Jahre nach Beginn des Experiments war das Schwundgeld von Wörgl Vergangenheit.

Michael Unterguggenberger beendete wenig später seine politische Laufbahn. 2007 hat ihm die Stadt ein Denkmal gesetzt. Die Geschichte von Mario Draghi und dem Schwundgeld von Frankfurt geht weiter. Ende offen.

Sendedaten
Freitag, 19. September 2014,
21.00 Uhr

Wiederholung Sonntag 6.15 Uhr
Thema der Sendung
Umverteilung
Irgendwie hat man es ja geahnt: Vermögen wächst schneller als Arbeitslohn. Das war schon immer so. Daher werden Reiche immer reicher. Bis die Ungleichheit zu groß wird. Dann gibt es eine Revolution und es wird neu gemischt.
Link
Regionalgeld
Mehr zur Regionalwährung bei wikipedia.de
Info
Regiogeld wird extra für eine festgelegte Region oder Stadt geschaffen. Regional gültige Wertscheine werden herausgegeben von einer gemeinnützigen Genossenschaft. Gegen denselben Betrag in Euro können sie dort eingetauscht werden. Sie funktionieren genauso wie das "offizielle" Geld. Man bezahlt ganz normal damit seine Einkäufe.Damit das Geld zuverlässig in der Region bleibt, kann es nur beim regional tätigen Gewerbe ausgegeben werden. Und auch die können es nur wieder in der Region ausgeben.