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Vorschau
Sendung am 27. Oktober
Umbau der Alpen
Der Klimawandel bedroht den Wintersport. Viele Skigebiete in den Alpen sind nicht mehr schneesicher. Geröll- und Verkehrslawinen sowie die massive Verstädterung zeigen die Schattenseiten des Massentourismus.
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Rückblick
Sendung vom 13. Oktober
Sucht nach Soja
Die Sojabohne hat Wachstumsraten wie kaum eine andere Nutzpflanze der Welt. Sie steckt in Schokolade, Treibstoffen und im Futter für die Tiermast. Doch der weltweite Soja-Boom hat gravierende Folgen für Mensch und Umwelt.
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Die Entwicklung eines Wirkstoffes gegen Ebola hat sich bisher nicht gelohnt. Jetzt ist die Pharmabranche wach geworden. © dpa Lupe
Die Entwicklung eines Wirkstoffes gegen Ebola hat sich bisher nicht gelohnt. Jetzt ist die Pharmabranche wach geworden.
Das Geschäft mit der Seuche
Pharmaindustrie sucht Wirkstoff gegen Ebola
Der Ebola-Erreger war für die Pharmabranche so etwas wie das rothaarige Stiefkind. Die Entwicklung eines Wirkstoffs lohnte sich nicht. Bis heute. Jetzt will jeder der erste sein. Es winkt das große Geld.
Für lange Zeit war die Erforschung von Ebola kein sehr lukrativer Markt. Obwohl das Virus zu den gefährlichsten uns bekannten Krankheitserregern gehört, war sein Auftreten bislang selten und betraf vor allem arme Regionen Afrikas. Dies und die generell sehr kostenintensive Entwicklung von Wirkstoffen machte dessen Erforschung unattraktiv. Der Ebola-Erreger ist für die Pharmabranche so etwas wie das rothaarige Stiefkind.

Das hat sich dramatisch geändert. In den vergangenen Wochen ist ein regelrechter Konkurrenzkampf zwischen den Biotechfirmen entbrannt. Zwar gibt es noch immer kein lizensiertes und am Menschen erprobtes Mittel, doch seit die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Anfang August den weltweiten Gesundheitsnotstand ausgerufen hat und den Einsatz experimenteller Mittel als "ethisch vertretbar" erklärt hat, wittern viele Pharmaunternehmen ein profitables Geschäft.

Somit könnten Medikamente und Impfstoffe schon nach der Testphase I im Eilverfahren durchgewunken werden und in westafrikanischen Ebola-Gebieten zum Einsatz kommen. Auch wenn dies zahlreiche Unwägbarkeiten bezüglich Sicherheit und Wirksamkeit der Mittel bedeutet.

Das Rennen ist eröffnet
Im Rampenlicht stehen derzeit jedoch weniger die internationalen Pharmariesen, als vielmehr kleine, von der US Regierung mit Forschungsgeldern unterstützte Biotechfirmen, die schon länger an Ebola-Medikamenten forschen. So zum Beispiel das kanadische Pharmaunternehmen Tekmira, das mit seinem Mittel TKM-Ebola in der ersten Testphase steckt und seit August grünes Licht von der US Gesundheitsbehörde FDA zur Behandlung erkrankter Patienten erhalten hat.

Ermöglicht wurde die Erforschung eines Ebola Medikament überhaupt erst durch die Unterstützung des US Verteidigungsministeriums, mit die in Vancouver ansässige Firma 2010 einen 140 Millionen Dollar schweren Vertrag abgeschlossen hat. Analysten zufolge könnte Tekmira bei Erfolg des Medikaments bis 2017 alleine mit TKM-Ebola einen Umsatz von 100 Millionen Dollar machen. Ganz schön stattlich für ein Unternehmen, dass bis dato operativ rote Zahlen schreibt.

90 Millionen Dollar von US-Regierung
© reuters Lupe
Die kanadische Biotechfirma Tekmira hat genau wie die US-Konkurrenz von Mapp Pharmaceuticals ein Ebola-Medikament in der Pipeline.
Und auch das kalifornische Start-Up Mapp Pharmaceuticals ist ein vielversprechender Kandidat. Mit 90 Millionen Dollar hat die US-Regierung die Entwicklung des Medikaments ZMapp unterstützt, mit dem auch schon zwei infizierte Amerikaner behandelt wurden. Jedoch sind die Vorräte an ZMapp knapp und bis für Nachschub gesorgt ist, könnten Monate vergehen.

Mit der Unterstützung der Ebola-Forschung versucht die US-Regierung nicht nur die Situation in Westafrika zu bändigen. Hierbei handelt es sich auch um eine sicherheitspolitische Maßnahme, um sich gegen mögliche Terrorangriffe mit Biowaffen zu wappnen - als solche ist das Ebola-Virus in den USA nämlich eingestuft.

Die Spreu trennt sich vom Weizen
Auf den Erfolg eines Gegenmittels hoffen auch zahlreichen Anleger, die in diesen Tagen aufmerksam das Geschehen an der Börse verfolgen. Zwei Dinge sind entscheidend: Erstens ein beschleunigtes Zulassungsverfahren bei anhaltend schlimmer Lage in Afrika. Zweitens winkt dem Unternehmen, das als erstes ein wirksames Medikament auf den Markt bringt, der Jackpot.

Der Kurs von Tekmira hat sich seit Anfang 2014 gut verdreifacht. Auch andere Aktien aus der Pharmabranche können bei hoher medialer Aufmerksamkeit des Themas profitieren, geben aber Gewinne auch schnell wieder ab. Besonders wenn sie kein eigenes Ebola-Medikament in der Pipeline haben oder es sich noch in einem sehr frühen Entwicklungsstadium befindet. Oder schlicht, weil der Bezug zum Ebola-Thema an den Haaren herbeigezogen ist.

Impfstoffe auf der Zielgeraden
© reuters Lupe
Die Wurzel des Übels: das Ebola-Virus.
Das Biotechunternehmen NewLink Genetics aus Iowa, das an einem Ebola-Impfstoff forscht, aber gerade einmal die erste von drei Zulassungsphasen erreicht hat, konnte Anfang des Jahres, als erste Ebola-Fälle in Westafrika ausbrachen, seinen Kurs von 20 Dollar auf 50 Dollar steigern. Heute notiert die Aktie wieder etwa auf dem Niveau vom Jahresanfang. Dennoch: Die Forschung läuft in enger Abstimmung mit der WHO auf Hochtouren. Bis November sollen erste Ergebnisse hinsichtlich Verträglichkeit und Wirksamkeit vorliegen.

Der britische Pharmariese GlaxoSmithKline hat seit Jahresbeginn sogar gut 10% verloren. Ein Ebola-Medikament hätte im großen Produktportfolio des Konzerns keinen nennenswerten Einfluss auf die Zahlen. Glaxos Ebola-Impfstoff war beim Ausbruch der Seuche noch im Tierversuchsstadium. Die Arbeiten liefen auf kleiner Flamme. Heute hat der Konzern 20 Mitarbeiter aus anderen Projekten abgezogen, u.a. aus der Malariaforschung. Das Ebola-Projekt genießt jetzt höchste Priorität. Ziel sind 10.000 bis 15.000 Impfdosen bis Januar 2015. Man ist etwa soweit wie die Konkurrenz von NewLink Genetics, verfügt aber über ein Vielfaches an finanzieller Feuerkraft.

Erster Ebola-Fall in den USA
Aufwind haben die Kurse noch einmal vor ein paar Tagen bekommen, nachdem der erste Ebola-Fall in den USA bekannt wurde. Und auch die Dramatisierung der Situation in Afrika durch die Medien trägt dazu bei, dass die Kurse in die Höhe schnellen. Sollte sich die Ebola Epidemie in Afrika, und möglicherweise auch in USA oder Europa, weiter ausbreiten und die Produktion der Medikamente und Impfstoffe tatsächlich anlaufen, könnten damit hohe Gewinne erzielt werden.

Inwieweit die Pharmaunternehmen an der Ebola-Krise verdienen werden, wird sich im weiteren Verlauf zeigen. Die Verfehlungen der lange vernachlässigten kommerziellen Ebola-Forschung sind jedenfalls exemplarisch für den stiefmütterlichen Umgang der Pharmabranche mit "nicht-profitablen" Krankheiten.

Ziel der WHO ist es nun, diese Verfehlung so schnell wie möglich zu beheben und bis 2015 eine ausreichende Anzahl an sicheren und wirksamen Impfstoffen nach Westafrika zu liefern um weitflächige Impfungen durchzuführen. Eine ambitionierte Aufgabe - bedenkt man, dass dieser Prozess normalerweise Jahre in Anspruch nimmt.

Ebola: Afrika
Der afrikanische Patient
Verwaiste Felder, geschlossene Läden, evakuiertes Personal, ganze Landstriche unter Quarantäne – das Ebola-Virus in Westafrika infiziert ganze Volkswirtschaften. Besonders fortgeschritten ist das Siechtum dort, wo alles begann.
Afrika im Ebola-Fieber
© apUnter Verdacht
Die Zusammenhänge in unserer globalisierten Welt sind oft verworren, mitunter aber auch überraschend direkt. So kommt es, dass wegen des Ebola-Ausbruchs in Liberia ein Kellner in Kenia seinen Job verliert.
nano spezial
Ebola
Zehntausende Menschen sind von Ebola bedroht, die Krankheit wurde monatelang unterschätzt. Dabei ist sie beherrschbar, sagen Wissenschaftler. Mediziner forschen an Impfstoffen.
Chronologie
Ebola breitet sich aus
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Ebola
Impfstoffe im Test
Im Kampf gegen Ebola könnte nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bis Ende 2014 ein Impfstoff zur Verfügung stehen.
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