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Vorschau
Sendung am 20. Oktober
Knappe Medikamente
Antibiotika, Impfstoffe oder Krebsmedikamente - Lieferengpässe bei Arzneimitteln sind immer häufiger. Viele Medikamentenhersteller sind von einzelnen Zulieferern abhängig.
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Rückblick
Sendung vom 6. Oktober
Schöne neue Landwirtschaft?
Der Kauf des Gentechnikspezialisten Monsanto ist für die Bayer AG ein zweischneidiges Schwert: schlechte Reputation gegen gute Gewinne. Trotzdem: Der Mega-Deal könnte die Zukunft der Landwirtschaft erheblich verändern.
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"Indonesien - Reifeprüfung für ein Riesenland" [>> Dokumentation ansehen] © reuters Video
"Indonesien - Reifeprüfung für ein Riesenland" [>> Dokumentation ansehen]
Der neue Präsident
Joko Widodo will Indonesien reformieren
Joko Widodo, Typ netter Nachbar, ist der neue Präsident Indonesiens. Er ist das erste Staatsoberhaupt, das nicht der privilegierten Schicht oder dem Militär entstammt.
Erst im Juli wurde Indonesiens neuer Präsident gewählt. Doch schon jetzt wird er als ganz neuer Politikertypus gefeiert. Joko Widodo, genannt "Jokowi" entstammt als erster Spitzenpolitiker Indonesiens weder der Oberschicht noch schaffte er seinen Aufstieg durch die Ränge des Militärs. Stattdessen pflegt er sein Image als volksnaher Macher und Saubermann. Und er könnte Indonesien so von Grund auf reformieren.

Dabei ist Joko Widodo kein Theoretiker oder Visionär, sondern einer, der pragmatisch Dinge anpackt. Der ehemalige Möbelhändler hat sich selbst nach oben gearbeitet. Seine Karriere startete er als Bürgermeister der Stadt Solo. Seine politischen Sporen verdiente er sich als Gouverneur der Zehn-Millionen-Metropole Jakarta.

Gefürchteter Bürokratenschreck
In den kurzen zwei Jahren seiner Amtszeit als Gouverneur verschreckte er so manchen Bürokraten. Legendär sind seine unangekündigten Besuche in den Amtsstuben, bei denen er auch nicht davor zurückschreckte, bestimmte Beamte öffentlich für ihr Fehlverhalten zu kritisieren.

Auch in den Slums der Metropole war er regelmäßig zu Gast und ließ sich von den Bewohnern ihre Ängste und Nöte berichten. Kein Wunder also, dass die Ärmeren in ihm einen Hoffnungsträger sehen.

Tatsächlich ließ "Jokowi" seinen Worten auch Taten folgen. So hob er die Mindestlöhne an und setzte eine kostenlose medizinische Versorgung für Bedürftige durch. Der Senkrechtstarter strebt eine eher sozial-protektionistische Wirtschaftspolitik an, um für mehr Ausgleich zwischen arm und reich zu sorgen.

"Jokowi" im Kreise seiner Anhänger. © apLupe
Japans Außenminister Kishida bei einem Treffen mit dem känftigen indonesischen Präsidenten Widodo. © reutersLupe
Die Sicherheitsvorkehrungen bei der Wahl waren gewaltig. © dpaLupe

Macher-Image
Das hat Indonesien auch bitter nötig: Unlängst konstatierte die Weltbank, dass die soziale Ungleichheit in dem Land stark zugenommen habe. Allerdings ist fraglich, ob Joko Widodo seinen Stil auch als Staatsoberhaupt von einem Land mit 250 Millionen Einwohnern weiterführen kann.

Denn der Neue im Amt muss nicht nur die Ärmeren unterstützen, sondern auch die Wirtschaft reformieren. Ehrgeizige Ziele hat "Jokowi" bereits angekündigt: Wachstumsraten von mehr als 7% versprach er seinen Anhängern vor der Wahl.

Erreichen will er das binnen zwei Jahren. Laut Weltbank muss er dafür dringend nötige Reformen durchführen und "harte politische Entscheidungen" treffen. Gerade an der Entscheidungsfreude hatte es seinem Vorgänger Susilo Bambang Yudhoyono, der im Oktober 2014 abtritt, zuletzt gemangelt.

Jokonomics
Doch "Jokowi" scheint seinem Macher-Image auch nach der Wahl treu zu bleiben: In einem Zeitungsinterview setzte er sich bereits erste Ziele: Indonesien habe Defizite bei der Infrastruktur, der verarbeitenden Industrie und es müsse mehr in "Humankapital" investieren, sagte Widodo dem "Jakarta Globe".

Zuvor hatte das zukünftige Staatsoberhaupt bereits angekündigt, die Subventionen für den Benzinpreis zu verringern, da diese den Staatshaushalt extrem belasten. Außerdem will er gegen die Korruption vorgehen und das Bildungssystem reformieren.

Auch in der Wirtschaftsstruktur stehen Reformen an: Noch ist das Land zu sehr auf den Export von Rohstoffen wie Palmöl ausgelegt. Die nachlassende Nachfrage aus China und anderen Ländern hatte das Wachstum Indonesiens zuletzt gebremst.

© reutersLupe
© dpaLupe
© reutersLupe

Mehr Produktion im eigenen Land
Widodo will nun die Fertigungstiefe erhöhen und mehr Industrieprodukte im eigenen Land fertigen. Damit soll auch das hohe Leistungsbilanzdefizit abgebaut werden. Dabei könnte Indonesien von der hohen Zahl an Arbeitskräften sowie den vielen Konsumenten profitieren. Mehr als 43% der Einwohner sind unter 24 Jahre alt. Die aber müssen besser ausgebildet werden.

Kein Zweifel: Der angehende neue Präsident hat einige Mammutaufgaben zu lösen. Nun muss Widodo zeigen, was sich hinter seinen "Jokonomics" wirklich verbirgt. Er muss sich dabei auf fähige Technokraten verlassen und das von Korruption zerfressene System von Grund auf reformieren. Das aber braucht Zeit.

Auch wenn der Macher "Jokowi" nun diese Herausforderung annimmt, wird es wohl noch Jahre dauern, bis Indonesien sein Wirtschaftspotential voll ausschöpfen kann.

Wirtschaftsdokumentation
© reutersIndonesien - Reifeprüfung für ein Riesenland
Indonesiens Wirtschaft glänzt seit Jahren mit Wachstumsraten von rund 6% und ist damit der heimliche Star Asiens. Doch es gibt auch Gegenwind. Wird Indonesien seine Prüfung meistern?
Indonesien: Hintergrund
© apSchuss vor den Bug
Schaut man sich die Schwellenländer an, stellt man rasch fest, dass sich zwar überall das Wachstum verlangsamt, man sie aber keinesfalls alle in einen Topf schmeißen darf. Nehmen wir zum Beispiel Indonesien.
Wirtschaftleistung pro Kopf
© IWFLupeIndonesiens Wirtschaftsleistung pro Kopf (orangene Linie) ist zwischen 1980 und heute gewaltig gestiegen: laut Internationalem Währungsfonds (IWF) von gut 735 Dollar auf 5200 Dollar. Zum Vergleich: Schwellenländer insgesamt (rot) und das deutlich ärmere Indien (blau). Für Indonesien gab es einen schweren Rückschlag: die Asienkrise 1997/98.
Wirtschaftswachstum
© IWFLupeDie jährlichen Wachstumsraten können sich sehen lassen. Nur die Asienkrise hat einen fürchterlichen Einbruch gebracht (1998: -13,1%). Als Konsequenz hat Indonesien seine Finanzen sturmfest gemacht. Die globale Finanzkrise 2008/09 führte nur zu einer kleinen Wachstumsdelle mit immer noch respektablen +4,6%.
Wirtschaftsdokumentationen
© reutersWeitere Wirtschaftsdokumentationen der Redaktion makro finden Sie hier.
Schwerpunkt
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