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Vorschau
Sendung am 8. Dezember
Kollege Roboter
Die Roboter kommen. Vernetzt sind sie, unermüdlich und schlau. Sie werden die Arbeitswelt umkrempeln. So wie einst die Feldarbeit der Industrie weichen musste und diese später der Dienstleistungsgesellschaft. Das muss nicht schlecht sein.
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Rückblick
Sendung vom 1. Dezember
Der Nordkorea-Konflikt
Das Risiko für einen militärischen Konflikt mit Nordkorea war noch nie so groß. Die Vereinten Nationen haben darauf mit weiteren Wirtschaftssanktionen gegen das Land reagiert.
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Mario Draghi: Der Magier der Krise © dpa Lupe
EZB-Chef Mario Draghi bewegt heute schon mit Halbsätzen die Welt. Und mit Ankündigungen, die er hoffentlich nie umsetzen muss.
Der Magier der Krise
EZB-Chef Mario Draghi macht Politik wider Willen
EZB-Präsident Mario Draghi ist der Retter des Euro. Dafür tut er Dinge, die einem europäischen Notenbanker Bauchschmerzen bereiten: Er macht Wirtschaftspolitik. Weil die Politik sich drückt.
Die EZB hat sich ihre Rolle in Europas Wirtschaftskrise nicht ausgesucht. Sie ist eher passiert. Die Notenbank erwies sich in einer plötzlichen Krisensituation als die einzig wirklich handlungsfähige Institution Europas. Sie kann schnell handeln und sie versteht etwas von der Sache. So ist der EZB eine Rolle zugewachsen, die niemand geplant hatte.

Die Regierungen der Eurozone betrachten die Macht der EZB zwar durchaus mit Unbehagen, sind andererseits aber auch heilfroh um die geschmeidige Geldpolitik. Sie nimmt Druck aus dem Kessel und kauft den Regierungen Zeit, unpopuläre Reformen umzusetzen.

Die EZB und die Wirtschaftskrise
So steht sie heute vor der Frage, wie die Unternehmen in Südeuropa ausreichend Kredite bekommen, um zu expandieren oder einfach nur ihren normalen Geschäftsbetrieb aufrechtzuerhalten. Dieser Kreditstau ist ein wesentlicher Grund, weshalb es diesen Ländern nicht gelingt, aus der Krise zu kommen. So zumindest die Analyse der Zentralbank.

Aber sie drängt auch zunehmend die Politik zum Handeln. Präsident Draghi lässt keine Gelegenheit verstreichen, um Strukturreformen anzumahnen. Und die sollten nach seinen Vorstellungen möglichst für alle Länder gleichermaßen verbindlich sein: Analog zum "Stabilitätspakt" also ein "Strukturreformenpakt". Insgesamt hat die Zentralbank ziemlich konkrete Vorstellungen, wie es fiskal- und wirtschaftspolitisch laufen sollte. Und erklärt der Politik mittlerweile entsprechend was zu tun sei.

ABS: Frankensteins Monster
Der EZB-Rat hat in den letzten Ratssitzungen nach langer kontroverser Diskussion und gegen den Widerstand der Bundesbank entschieden, den Markt für ABS (Asset backed Securities) zu reanimieren und dabei selbst als Käuferin aufzutreten. ABS, das sind Kreditverbriefungen, in denen Kredite gebündelt und als Paket unter Investoren gehandelt werden können.

Kommt einem bekannt vor? So ist es! ABS waren einer der Hauptgründe für die weltweite Finanzkrise 2008. Diese Kreditpakete hatten sich aufs Übelste verselbständigt. Niemand wusste mehr, was drin war.

Die Zentralbank verspricht sich von diesem Revival die Möglichkeit für die Banken, einen Teil ihrer Altlasten loszuwerden. Immer wenn die Europäische Zentralbank ankündigt, selbst Wertpapiere in großem Stil zu kaufen, werden alle hellhörig. Investoren finden das super, denn die EZB signalisiert, die Papiere seien sicher - und lockt damit andere Interessenten in den Markt.

Die EZB und die Staatsschuldenkrise
Ihren größten Coup landete die Notenbank nämlich im Sommer 2012 mit der Ankündigung, den Euro unter allen Umständen stützen zu wollen: Das legendäre "whatever it takes" von Mario Draghi, der dann präzisierte, dass dies in letzter Konsequenz ein unbegrenztes Ankaufprogramm von Staatsanleihen bedeuten würde.

Zu diesem Zeitpunkt konnten sich mehrere Euro-Länder kaum noch Geld zu erträglichen Konditionen leihen. Im schlimmsten Fall wären sie in die Insolvenz gerutscht. Vereinzelt wurde gegen Länder regelrecht gewettet. Allein die Ankündigung der EZB führte dazu, dass sich die Lage wieder beruhigte.

Die Magie des Wortes
© Halvers Kapitalmarkt Monitor Lupe
Die Renditeaufschläge für Staatsanleihen der Eurozone fallen auch 2014 weiter, wie diese Grafik aus Halvers Kapitalmarkt Monitor zeigt.
Das Staatsanleihen-Kaufprogramm, kurz OMT genannt, beschäftigt heute das Bundesverfassungsgericht und den Europäischen Gerichtshof. Denn der Kauf von Staatsanleihen durch die Zentralbank könnte als Finanzierung von Staaten durch die Zentralbank gewertet werden. Das ist der EZB verboten. Nichtsdestotrotz hatte Draghis Ankündigung einen durchschlagenden Effekt, die Risikoaufschläge sind kontinuierlich gesunken. Und das, obwohl es bei der reinen Ankündigung blieb.

Gewiss haben auch die großzügigen Angebote der EZB an die Banken den Staaten geholfen: Es wird zwar heute bemängelt, dass die Finanzinstitute seinerzeit die großen Langzeitkredite vor allem dafür verwendet hätten, renditeträchtige Anleihen der südeuropäischen Länder zu kaufen anstatt sie an die Wirtschaft weiterzureichen. Zum damaligen Zeitpunkt (2012) waren die Problemstaaten darüber aber heilfroh.

Als Mitglied der Troika hat die EZB außerdem seit Jahren Einfluss - und Einblick, was die Haushaltungen der "Programmländer" (Länder, die Geld bekommen haben und dafür bestimmte Spar- und Liberalisierungsmaßnahmen durchführen müssen) angeht.

Die EZB ist der wichtigste Player
Die Europäische Zentralbank ist zum entscheidenden Player geworden. Sie mischt zunehmend in Wirtschaftsfragen mit - weit außerhalb ihres eigentlichen Reviers, der Geldwertstabilität.

Viele der Maßnahmen haben allerdings auch Nebenwirkungen. Die Geldmenge, die offensichtlich nicht ausreichend in der Realwirtschaft ankommt, fließt in andere Kanäle ab und bildet hier und da Blasen (Immobilienpreise, Aktien- und Anleihemärkte). Wegen der niedrigen Zinsen werfen Sparguthaben und Lebensversicherungen kaum noch Rendite ab.

Mit der großen Menge an Liquidität könnte die EZB zudem die Entstehung von "Zombi-Banken" begünstigen, wie wir sie aus Japan kennen, - Banken, die eigentlich zahlungsunfähig sind, durch das viele Geld aber künstlich am Leben gehalten werden.

Wirtschaftsdokumentation
© dpaDie neue Macht am Main
Mit dem Einzug in ihre neue Zentrale erweitert die EZB ihre Aufgaben. Sie übernimmt die Aufsicht über Europas Banken. Und betreibt immer direkter Wirtschaftspolitik. Man könnte sagen: Die EZB wird amerikanisch.
Euro in USD
© xe.comEs war der 26. Juli 2012, als EZB-Chef Mario Draghi auf einem Londoner Podium eher beiläufig erwähnte, die EZB werde alles tun, um den Euro zu retten. Zu jener Zeit war die europäische Währung seit über einem Jahr im Tiefflug und notierte nur noch einen Hauch über 1,20 USD. Die Märkte hatten das Vertrauen in den Fortbestand der Währung verloren. Es liefen Wetten auf sein Auseinanderbrechen.

Wäre der Euro weiter gefallen, unter das Tief von Juni 2010 (1,19 USD), dann hätte sich der Absturz weiter beschleunigt. So ticken die Märkte. Es war also höchste Zeit, ein Zeichen zu setzten - und zu hoffen, dass es funktioniert. Draghi, der von Märkten eine Menge versteht, hat genau den richtigen Zeitpunkt für die Trendwende gewählt.

Bis Anfang Mai 2014 ist der Euro auf 1,40 USD gestiegen. Das ist dem EZB-Chef mit Blick auf Europas Krisenländer zu stark. Seither redet er den Euro schwach. Und die Währung folgt seinen Worten.
Banken-Stresstest
EZB schafft Klarheit
Es war eine schwierige Geburt. Ein Jahr lang quälten sich die Aufseher durch die Bilanzen. Das Ergebnis: 25 von 130 europäischen Banken sind durchgefallen. Das ist gut zu wissen. Bleibt die Frage, warum erst jetzt - sechs Jahre nach der Finanzkrise?
Banken ohne Regeln?
Die Blutsauger des Kapitalismus
Seit der Finanzkrise gibt es jede Menge neuer Regulierung, um den Banken das Zocken zu verleiden. Einerseits. Andererseits drängt sich der Verdacht auf, dass sich das Geschäftsmodell des too big to fail fest etabliert hat.
Investmentbanker
© ARSENAL Filmverleih GmbHVideoMaster of the Universe
Er war einer der mächtigsten Investmentbanker Deutschlands - Rainer Voss. Ein Insider packt aus.
Hintergrund
© apDie Zombie-Banken
Wer sich fragt, warum der Aufschwung in Amerika an Fahrt gewinnt, während Europa noch halb im Koma liegt, der findet die Antwort im Gruselkabinett der Finanzgeschichte: Die Zombies sind los.