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Vorschau
Sendung am 27. Oktober
Umbau der Alpen
Der Klimawandel bedroht den Wintersport. Viele Skigebiete in den Alpen sind nicht mehr schneesicher. Geröll- und Verkehrslawinen sowie die massive Verstädterung zeigen die Schattenseiten des Massentourismus.
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Rückblick
Sendung vom 13. Oktober
Sucht nach Soja
Die Sojabohne hat Wachstumsraten wie kaum eine andere Nutzpflanze der Welt. Sie steckt in Schokolade, Treibstoffen und im Futter für die Tiermast. Doch der weltweite Soja-Boom hat gravierende Folgen für Mensch und Umwelt.
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© reuters Lupe
Es sieht finster aus. Gut zehn Jahre nach der letzten Staatspleite steht Argentinien wieder am Abgrund.
Schon wieder pleite
Argentinien vor dem Aus
Nach einem aktuellen Urteil des Obersten Gerichtshofes der USA muss Argentinien zwei US-Hedgefonds bis Ende Juli 1,5 Milliarden Dollar zahlen. Damit ist das Land praktisch wieder pleite.
Die argentinische Präsidentin Cristina Fernandez de Kirchner hat in einer nationalen Fernsehansprache direkt auf das Urteil reagiert, um die internationalen Finanzmärkte zu beruhigen. "Ich kann als Präsidentin das Land nicht einer solchen Erpressung unterwerfen", sagte Kirchner. Ihre Regierung werde nicht an die Hedgefonds zahlen, die sie als "Aasgeier-Fonds" titulierte.

© reuters Lupe
Staatspräsidentin Christina Fernandez de Kirchner betont in einer Fernsehansprache, sie werde sich nicht erpressen lassen.
Die Präsidentin befürchtet eine Klagewelle, denn auch andere private Gläubiger, zum Beispiel die Masse der Privatanleger, die einem weitgehenden Schuldenverzicht zugestimmt hatten, könnten jetzt große Summen von dem südamerikanischen Land einfordern. Auf Argentinien kämen dann eine weit größere Summe an Zahlungsverpflichtungen zu. Damit wären die Devisenreserven des Landes aufgebraucht.

Das berüchtigte 1%
Zur Erinnerung: Argentinien verfügt über einige Erfahrung mit der eigenen Pleite. Insgesamt sieben Mal ging dem südamerikanischen Land seit 1800 das Geld aus. Über 30 Jahre verbrachte man mit Insolvenzen und Umschuldungen.

Zuletzt war es 2001 soweit. Die Schulden hatten sich auf fast 100 Milliarden Dollar angehäuft. Fast alle Gläubiger, 92,4%, darunter auch viele deutsche Privatanleger, verzichteten bei zwei Umschuldungen 2005 und 2010 auf 70% ihres Geldes, um nicht völlig leer auszugehen. Die restlichen 7,6% der Gläubiger akzeptierten den Schuldenschnitt nicht.

Unter ihnen verweigerten vor allem die beiden US-Hedgefonds NML Capital und Aurelius Management, die argentinische Staatsanleihen zu einem Spottpreis gekauft hatten, die Umschuldung. Sie halten rund 1% der betroffenen Anleihen.

Düstere Aussichten: Früher arbeiteten 1500 Männer und Frauen bei dem Traditionsunternehmen IMPA. 2001 begann der Niedergang. Heute gehört die Firma den verbliebenen 60 Mitarbeitern. © Markus BöhnischLupe
Einst stellte IMPA Flugzeugteile her, heute muss man sich mit der Fertigung von Zahnpastatuben über Wasser halten. © Markus BöhnischLupe
Kaum eine Baustelle kommt ohne den Hinweis aus, wem dieses Vorhaben zu verdanken sei: Der Staatspräsidentin. © Markus BöhnischLupe

Peso geht weiter in die Knie
Bleibt Argentiniens Präsidentin stur, dann droht schon Ende Juni der Zahlungsausfall. Denn laut Richterspruch darf Argentinien erst dann seine restlichen Anleihen bedienen, wenn die beiden US-Hedgefonds ihre 1,5 Milliarden Dollar bekommen haben. Am Monatsende müsste Argentinien eigentlich Anleiheschulden in Höhe von 900 Millionen Dollar zurückzahlen.

Die Börse in Buenos Aires brach nach dem Gerichtsurteil zeitweise um elf Prozentpunkte ein und der argentinische Peso ging gegenüber dem US-Dollar weiter in die Knie.

Urteil mit Tragweite für Staatspleiten weltweit
© Markus Böhnisch Lupe
Wer kann, versucht sein Heil im Export - so wie der Winzer Manuel Ferrer. Das wiederum gefällt der Regierung Kirchner nicht. Sie hat für viele Branchen Exporthindernisse errichten erlassen.
Das oberste US-Gericht schafft mit seinem Urteil einen negativen Präzedenzfall für zukünftige Umschuldungen. Das Weiße Haus, die französische Regierung und auch die Weltbank hatten den Obersten Gerichtshof in den USA eindringlich davor gewarnt, den beiden US-Hedgefonds Recht zu geben und die Richter direkt aufgefordert, zugunsten Argentiniens zu entscheiden. Denn Politiker und Ökonomen befürchteten weitreichende Folgen für künftige Staatspleiten.

Nun ist der schlimmste Fall eingetreten und Gläubiger sehen sich durch das Gerichtsurteil bestärkt, an freiwilligen Umschuldungen von zahlungsunfähigen Staaten zukünftig nicht mehr teilzunehmen. Warum sich mit einem Bruchteil der Schulden abfinden, wenn bei einer Klage die Aussicht auf volle Rückzahlung besteht. Damit wird die globale Finanzarchitektur in unserer überschuldeten Welt noch brüchiger als sie eh schon ist.

Wirtschaftsdokumentation
VideoQué pasa, Argentina?
2001 ging Argentinien nach langer Misswirtschaft Pleite. Später wuchs die Wirtschaft wieder - offiziell mit acht Prozent. Tatsächlich stimmen die Zahlen vorne und hinten nicht.
Cry for me, Argentina
Eine Präsidentin ruiniert ihr Land
Flächenmäßig ist Argentinien das achtgrößte Land der Erde, aber wirtschaftlich liegt es auf den hinteren Plätzen. Die Wirtschaft ist durch Bürokratie und staatliche Willkür gelähmt.
Interview
© Markus Böhnisch"Vertrauen zurückgewinnen"
Markus Böhnisch, der für makro die Dokumentation "Que pasa, Argentina?" gedreht hat, war kürzlich erneut vor Ort. Wir haben ihn gefragt, für wir gefährlich er die jüngste Entwicklung hält und wie die Argentinier damit klarkommen.
"Geier" Paul Singer
© apLupeGeschäftsmodell Staatspleite
Das Geschäftsmodell des US-Milliardärs Paul Singer beschreibt der britische Guardian so: Nach dem Aufkauf billiger Staatsschulden werde einfach der Schuldner verklagt, die gesamte ausstehende Summe zu zahlen.

Im Falle von Argentinien bezeichnen Kritiker Singers Hedgefonds "NML Capital" auch als "Geierfonds". Für Argentiniens Präsidentin Cristina Fernandez de Kirchner ist Paul Singer sogar ein "Aasgeier". "NML Capital" hatte argentinische Anleihen für einen Bruchteil des Nennwertes gekauft und jetzt vor dem Obersten Gerichtshof der USA die geforderte Rückzahlung von 100% plus Zinsen erstritten.

In Peru gelang Paul Singer mit diesem Geschäftsmodell ebenfalls ein Milliardengewinn. 1996 hatte Singer Schuldentitel von zwei in Not geratenen peruanischen Banken erworben. Vier Jahre später musste die Regierung in Lima Singer 58 Milliarden Dollar überweisen, ein Vielfaches des damaligen Kaufpreises. Auch gegenüber der Republik Kongo war der US-Milliardär auf diese Weise erfolgreich. Sein Investmentimperium "Elliot" managt aktuell 16 Milliarden Dollar an Beteiligungen.
Chart: Argentinischer Peso
© xeDer argentinische Peso (ARS) hat über die letzten 12 Monate gegenüber dem US-Dollar rund ein Drittel an Wert verloren. Jeder, der kann, flieht in eine andere Währung.