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Vorschau
Sendung am 27. Oktober
Umbau der Alpen
Der Klimawandel bedroht den Wintersport. Viele Skigebiete in den Alpen sind nicht mehr schneesicher. Geröll- und Verkehrslawinen sowie die massive Verstädterung zeigen die Schattenseiten des Massentourismus.
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Rückblick
Sendung vom 13. Oktober
Sucht nach Soja
Die Sojabohne hat Wachstumsraten wie kaum eine andere Nutzpflanze der Welt. Sie steckt in Schokolade, Treibstoffen und im Futter für die Tiermast. Doch der weltweite Soja-Boom hat gravierende Folgen für Mensch und Umwelt.
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© reuters Lupe
Der WM-Auftakt gegen Kroatien ist aus brasilianischer Sicht schon mal gelungen. Das ist gut für die Stimmung. Und die ist wichtig für die Wirtschaft.
Brasilien braucht einen Kick
Die Copa und die Wirtschaft
Die 20. Fußball-Weltmeisterschaft wird eine der teuersten der Geschichte. Brasilien hofft, dass sich die Copa auch wirtschaftlich bezahlt macht. Doch Ökonomen haben da so ihre Zweifel.
Brasiliens Wirtschaft ist derzeit nicht wirklich in WM-Stimmung. Anders als der glatte 3:1-Sieg im Eröffnungsspiel weisen die Statistiken fürs erste Quartal nur magere 0,2% Wachstum aus. Die Regierung gibt angesichts des vor sich hindümpelnden Wachstums ein eher hilfloses Bild ab. Sie hofft vor allem auf den Effekt der Copa. Allerdings dürften von der Weltmeisterschaft nur Teile der Wirtschaft, allen voran Hotellerie, Gastronomie und Airlines profitieren.

An eine durchschlagende Änderung des eher kühlen Wirtschaftsklimas im Sonnenland Brasilien glauben nach einer Umfrage der Zentralbank auch heimische Analysten nicht. Sie korrigierten ihre Prognose für das BIP-Wachstum 2014 erneut nach unten: von 1,63% auf 1,50%. Die Analysten der amerikanischen Großbank JPMorgan kürzten ihre Prognose von 1,4% auf 1,3%. Sinkendes Konsumentenvertrauen bremse Ausgaben und private Investitionen, heißt es.

Regierung verbreitet Optimismus
Die Regierung in Brasilia ist von Amtswegen optimistisch. Im WM- und Wahljahr 2014 hält sie an ihrer Prognose von 2,3% fest. Dies begründet sie auch mit den Investitionen in Infrastruktur und die damit verbundenen neu geschaffenen Jobs. Als die Kosten jedoch aus dem Ruder liefen und den Brasilianern bewusst wurde, wofür wieviel Geld ausgegeben wird, gingen sie auf die Barrikaden.

Sportminister Aldo Rebelo setzt hingegen unbeirrt auf den Langzeiteffekt des Fußballspektakels. Noch bis 2019 werde allein aufgrund der WM mit einem jährlichen Zuwachs von 0,4% der Wirtschaftsleistung gerechnet, sagte der Spitzenpolitiker. Insgesamt würden 3,6 Millionen Arbeitsplätze geschaffen.

Das Experten-Urteil ist vernichtend
Doch nach Einschätzung von Experten dürfte die WM für die Gesamtwirtschaft eher ein Tropfen auf den heißen Stein sein. Schließlich machten die WM-Ausgaben nur 0,7 Prozent von Brasiliens Gesamtinvestitionen von 2010 bis 2014 aus, heißt es bei der Ratingagentur Moody's.

Noch deutlicher wird das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Trotz gegenteiliger Beteuerungen von Sportfunktionären und Politikern brächten sportliche Mega-Events den Ausrichterländern keine positiven wirtschaftlichen Impulse, heißt es dort. "Die Durchführung eines relativ teuren Sportspektakels wie der Fußball-WM ist für ein Schwellenland angesichts erheblicher infrastruktureller Rückstände ein volkswirtschaftlicher Luxus."

Brasiliens Wintermärchen?
Trotz allen professoralen Genörgels gibt es ein starkes gemeinsames Element zwischen der Copa und der Wirtschaft: die Psychologie. In dem Moment, wo das Spektakel angepfiffen wird, werden die Brasilianer, die den Fußball quasi mit der Muttermilch aufsaugen, den Modus wechseln. Auch jene 61%, die vor ein paar Wochen noch die WM im eigenen Land für eine schlechte Sache hielten. Da der Brasilianer als solcher nicht nur Fan ist, sondern auch Verbraucher, hat die wirtschaftliche Trendwende eine Chance.

Man erinnere sich nur an die Wochen vor der WM 2006 in Deutschland. Die Stimmung war miserabel, das Land noch von Schröders Agenda geplagt, das Lamento über die Kosten laut, die eigene Mannschaft eine Ansammlung von Nobodys. Selbst das Wetter war scheußlich. Und alle Kommentatoren waren sich einig, dass Deutschland für ausländische Fans wegen rechter Schägerhorden viel zu gefährlich sei, besonders die neuen Bundesländer stellten ein unzumutbares Risiko dar. Heute hat sich die WM 2006 als Sommermärchen in das kollektive Gedächtnis der Deutschen eingebrannt. Und für ausländische Fans als die beste WM aller Zeiten.

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