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Vorschau
Sendung am 8. Dezember
Kollege Roboter
Die Roboter kommen. Vernetzt sind sie, unermüdlich und schlau. Sie werden die Arbeitswelt umkrempeln. So wie einst die Feldarbeit der Industrie weichen musste und diese später der Dienstleistungsgesellschaft. Das muss nicht schlecht sein.
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Rückblick
Sendung vom 1. Dezember
Der Nordkorea-Konflikt
Das Risiko für einen militärischen Konflikt mit Nordkorea war noch nie so groß. Die Vereinten Nationen haben darauf mit weiteren Wirtschaftssanktionen gegen das Land reagiert.
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© colourbox14-520179 Lupe
Es ist bei den Banken, wie bei "Des Kaisers neue Kleider": Viele sehen, was schiefläuft, aber keiner sagt etwas.
"Des Bankers neue Kleider"
Pflichtlektüre für den interessierten Laien
In ihrem Buch "Des Bankers neue Kleider" erklären Anat Admati und Martin Hellwig, warum eine ordentliche Eigenkapitaldecke bei Banken der beste Schutz gegen Finanzkrisen ist.
Jeder, der eine Immobilie erwerben oder bauen will, muss über ca. 20 % an Eigenkapital verfügen, sonst bekommt er von der Bank keinen Kredit. Ähnlich geht es den Banken selbst. Sie arbeiten sowohl mit eigenem als auch geliehenem Geld. Müssten sie so bilanzieren, wie jedes andere Unternehmen auch, hätten sie einen Eigenkapitalanteil von 2 bis 3 %. Ein Riesenunterschied zu einem Häuslebauer. Auch im Falle der Zahlungsunfähigkeit - dann werden die Banken nämlich vom Staat gerettet.

Eine Bank kann sich also viel höher verschulden als ein Unternehmen oder ein Privatmann. Und genau diese hohe Fremdkapitalquote von bis zu 98 % war ein wesentlicher Brandbeschleuniger in der Krise von 2007 bis 2009. Das geben die Banken sogar selbst zu. Dennoch kämpft die Bankenlobby aggressiv gegen jegliche Verschärfung der Eigenkapitalanforderungen. Denn die kostet Rendite.

Eigenkapital heißt das Zauberwort
© dpa Lupe
Wie viele andere Banken auch, hatte die Royal Bank of Scotland zu wenig Eigenkapital, als es in der Finanzkrise ernst wurde, und musste vom Staat gerettet werden. Hier rächt sich der hochspekulative Hebel von 1:40 oder gar 1:50 (siehe rechte Spalte).
Die beiden Wissenschaftler Anat Admati und Martin Hellwig sind sich sicher, dass eine zu schwache Regulierung von Banken zur nächsten Krise führt. In ihrem Buch "Des Bankers neue Kleider" setzen sie sich für ambitionierte Reformen ein. Eine ihrer Forderungen lautet, dass sich Banken sehr viel mehr als heute, nämlich zu 20-30 %, durch Eigenkapital finanzieren sollen.

Banken mit hohem Eigenkapital sind stabiler und werden in einer Finanzkrise nicht so leicht angesteckt wie ein Rechenbeispiel zeigt: Eine Großbank mit 10 Milliarden € Eigenkapital kann Verluste von 7 Milliarden € tragen. Hätte die gleiche Bank nur 7 Milliarden € Eigenkapital wäre sie dagegen bereits pleite.

Die zentrale Forderung von Hellwig und Admati nach einer höheren Eigenkapitalquote wurde im Koalitionsvertrag leider nicht berücksichtigt. CDU und SPD halten fest an der Umsetzung des Basel-III-Abkommens. Das legt die strikte Untergrenze für Eigenkapital bei lediglich 3 % fest. 97 % ihres Geschäfts dürfen Banken also weiterhin durch Schulden finanzieren.

Die Autoren
Anat Admati ist Professorin für Finanzwirtschaft (Kapitalmärkte, Unternehmensfinanzierung) an der Stanford University. Außerdem arbeitet sie in einem Komitee des Einlagensicherungsfonds der USA.

Martin Hellwig studierte VWL und promovierte am Massachusetts Institute of Technology (MIT). Hellwig war an den Universitäten Stanford, Princeton, Harvard und Mannheim tätig. Er ist heute Direktor am Max-Planck-Institut zur Erforschung von Gemeinschaftsgütern.

Sendedaten
Freitag, 28. Februar 2014, 21.00 Uhr
Buch
Lupe"Des Bankers neue Kleider"
von Anat Admati und Martin Hellwig
FinanzBuch Verlag 2013
ISBN 978-3-89879-825-9
Thema der Sendung: Banken
Banken ohne Regeln?
Seit der Finanzkrise gibt es jede Menge neuer Regulierung, um den Banken das Zocken zu verleiden. Einerseits. Andererseits drängt sich der Verdacht auf, dass sich das Geschäftsmodell des too big to fail fest etabliert hat.
Der Trick mit dem Hebel
Immer wieder heißt es, Banken hätten zu wenig Eigenkapital. Warum hinterlegen sie nicht einfach mehr davon? Weil sie es nicht wollen. Für Banken ist es nämlich von Vorteil, mit möglichst wenig eigenem Geld (Eigenkapital) unterwegs zu sein. Viel praktischer ist es, mit dem Geld anderer Leute zu spekulieren (Fremdkapital).

Angenommen eine Bank hat 10 Mrd. Eigenkapital und leiht sich zusätzlich 90 Mrd. Fremdkapital (Einlagen von Sparern, Kredite bei anderen Banken, Ausgabe von Anleihen etc.) dann ergibt sich eine Vermögensmasse (Fachsprech: Bilanzsumme) von 100 Mrd. Das Verhältnis von Eigenkapital zu Gesamtkapital bezeichnet man als Hebel. Er liegt in unserem Beispiel bei 1:10.

Mit besagten 100 Mrd. versucht die Bank nun Geld zu verdienen. Sie vergibt Kredite und kassiert dafür Zinsen, sie kauft Staatsanleihen, Unternehmensanleihen, Aktien und was die Finanzmärkte sonst so hergeben - ganz besonders gerne Derivate. Angenommen es ergibt sich eine Rendite von 5% auf das eingesetzte Kapital, also 5% x 100 Mrd. = 5 Mrd, dann ist das natürlich viel besser als nur mit den 10 Mrd. Eigenkapital zu agieren, denn das ergäbe nur 5% x 10 Mrd. = 0,5 Mrd.

Deswegen versuchen Banken, mit einem möglichst hohen Hebel zu operieren, also: wenig Eigenkapital, viel Fremdkapital.