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Vorschau
Sendung am 20. Oktober
Knappe Medikamente
Antibiotika, Impfstoffe oder Krebsmedikamente - Lieferengpässe bei Arzneimitteln sind immer häufiger. Viele Medikamentenhersteller sind von einzelnen Zulieferern abhängig.
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Rückblick
Sendung vom 6. Oktober
Schöne neue Landwirtschaft?
Der Kauf des Gentechnikspezialisten Monsanto ist für die Bayer AG ein zweischneidiges Schwert: schlechte Reputation gegen gute Gewinne. Trotzdem: Der Mega-Deal könnte die Zukunft der Landwirtschaft erheblich verändern.
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Neustart in Dublin - Video ansehen © colourbox Video
In Dublin ist nach den Turbulenzen der letzten Jahre wieder Ruhe eingekehrt. Jedenfalls auf den ersten Blick.
Neustart in Dublin
Irlands Rettungsschirm wird zugeklappt
Mit 85 Milliarden Euro hatten Irlands Geldgeber das hart von einer Bankenkrise getroffene Land in den vergangenen drei Jahren vor der Pleite bewahrt. Jetzt hat Irland das Hilfsprogramm seiner Euro-Partner und des Internationalen Währungsfonds (IWF) verlassen.
Nach einschneidenden Reformen und der Sanierung seines Bankensektors finanziert sich das Land wieder voll über den freien Kapitalmarkt. Die wichtigsten Fakten:

Wie kam es zur Krise?
Vor der Finanz- und Staatsschuldenkrise galt Irland, der "keltische Tiger", als Musterland im Euro-Raum: 2007 lag seine Staatsverschuldung lediglich bei 24,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) und damit weit unterhalb des EU-Zielwerts von 60 Prozent/BIP. Mit einer Wachstumsrate von 5,0 Prozent brummte die Wirtschaft; das Pro-Kopf-Einkommen war das höchste in der Europäischen Union.

Wie sich in der Krise zeigte, war das Wirtschaftswunder auf Sand gebaut. So war das Land stark abhängig von ausländischen Direktinvestitionen, angelockt durch die niedrigsten Steuern auf Unternehmensgewinne in der EU. Globale Konzerne haben deshalb auch heute gerne noch ihre Europa-Zentralen in Irland.

Eine vergleichsweise lockere Finanzregulierung machte den Inselstaat außerdem attraktiv für viele Banken in der EU, die dort sogenannte Zweckgesellschaften gründeten - Rechtshüllen, in die sie Milliardensummen aus ihren Bilanzen auslagerten, darunter verbriefte Immobilienkredite zweifelhafter Güte, die ihnen nach dem Platzen der Immobilienblase in den USA um die Ohren flogen.

Auch in Irland war das Zocken mit Immobilien zum Volkssport geworden. So waren die privaten Haushalte 2007 im Schnitt mit 200 Prozent ihres verfügbaren Bruttoeinkommens verschuldet. In Deutschland lag dieser Quotient nur halb so hoch. Als die US-Subprime-Krise die überdimensionierten irischen Banken traf, ging auch dem Immobilienboom auf der Insel die Luft aus. Um den Zusammenbruch der Institute abzuwenden, pumpte die Regierung Abermilliarden in den Finanzsektor: Die Staatsschuldenquote vervierfachte sich bis 2011 auf rund 104 Prozent des BIP.

Wie sah das Rettungspaket aus?
Am 21. November 2010 zog der damalige Ministerpräsident Brian Cowen die Reißleine und bat die EU und den IWF um Hilfe. Der Staat war finanziell am Ende. Die nach oben geschnellten Zinsen für irische Staatsanleihen machten eine Refinanzierung des enormen Schuldenbergs am freien Kapitalmarkt unmöglich.

Wenige Tage später stand das über drei Jahre laufende Hilfspaket mit einem Gesamtvolumen von 85 Milliarden Euro. Davon kamen 22,5 Milliarden Euro aus dem EU-Notfall-Fonds EFSM, 17,7 Milliarden Euro aus dem ersten Euro-Rettungsschirm EFSF und 22,5 Milliarden Euro vom IWF. Zudem stellten die Nicht-Euro-Länder Großbritannien (3,8 Milliarden Euro), Schweden (0,6 Milliarden Euro) und Dänemark (0,4 Milliarden Euro) bilaterale Hilfen bereit. Irland steuerte 17,4 Milliarden Euro bei, vor allem über den nationalen Pensionsfonds NPRF.

Was hat Irland selbst getan?
Im Gegenzug für die Milliardenhilfen musste Irland tiefgreifende Reformen zusagen, die vierteljährlich überprüft wurden. Die Regierung hat beispielsweise den Kündigungsschutz gelockert. Das Rentenalter steigt im kommenden Jahr auf 66 Jahre und soll 2028 bei 68 Jahren liegen. Durch Lohnkürzungen wurde die internationale Wettbewerbsfähigkeit verbessert: Dem deutschen WSI-Institut zufolge sinken die Reallöhne 2013 bereits das vierte Jahr in Folge.

Der Staat spart allein 2013 3,5 Milliarden Euro ein - wovon zwei Drittel durch Ausgabensenkungen zusammenkommen. Der Rotstift wurde beispielsweise beim Kindergeld, bei der Arbeitslosenhilfe und dem Wohnungsgeld angesetzt. Gleichzeitig wurden Steuern erhöht - 2012 etwa die Mehrwertsteuer von 21 auf 23 Prozent. Im Ergebnis soll das Staatsdefizit von 2011 bis 2014 um 15 Milliarden Euro gedrückt werden.

Wie sind die Aussichten für den Schuldenabbau?
Von allen Krisenstaaten steht Irland noch am besten da. 2013 soll die Wirtschaft das dritte Jahr in Folge wachsen, wenn auch nur um magere 0,3 Prozent. Das Tempo dürfte sich 2014 auf 1,7 Prozent und 2015 sogar auf 2,5 Prozent beschleunigen, sagt die EU-Kommission voraus. Sowohl Konsum als auch Exporte sollen immer besser in Schwung kommen. Bis 2015 soll die Arbeitslosenquote auf 11,7 Prozent fallen, nachdem sie 2012 noch bei 14,7 Prozent lag.

Auch beim Defizit- und Schuldenabbau kommt das Land voran. Die Neuverschuldung soll übernächstes Jahr nur noch bei drei Prozent der Wirtschaftsleistung liegen, nach 7,4 Prozent in diesem Jahr. Der Schuldenstand dürfte bis dahin von aktuell 124,4 auf 119,1 Prozent sinken.

Sendedaten
Freitag, 14. Januar 2014, 21.00 Uhr
Wiederholung Sonntag 6.15 Uhr
Irland: Reden Sie mit!
Den Krisenstaaten der Eurozone geht es offenbar besser, auch Irland. Ist Dublin nun Vorbild für andere Wackelkandidaten der Eurozone? Oder ist die entspannte Lage an den Märkten nur trügerische Ruhe? Diskutieren Sie mit - direkt nach der Sendung ist auch Studiogast Prof. Aloys Prinz mit von der Partie!
Thema der Sendung: Irland
Irlands Auferstehung?
Irland hat als erster Krisenstaat den Rettungsschirm verlassen und finanziert sich wieder am Kapitalmarkt. Die Rosskur scheint sich auszuzahlen. Doch vergessen wir nicht: Die Iren werden noch viele Jahre bluten. Wegen eines großen Fehlers.
Irland vs. Island
Der Kardinalfehler
Irland hat im entscheidenden Moment der Finanzkrise alles falsch gemacht. Das kleine Island hingegen alles richtig: Es gab kein Bail-out für die Banken.
Schwerpunkt
Finanzkrise
Das Platzen der amerikanischen Immobilienblase brachte ein gewaltiges Kredit-Kartenhaus zum Einsturz. Die folgende Pleite der Investmentbank Lehman Brothers führte das Weltfinanzsystem an den Rand des Kollaps. Bis heute zahlen wir an den Folgen.
Schwerpunkt
Europa