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Vorschau
Sendung am 27. Oktober
Umbau der Alpen
Der Klimawandel bedroht den Wintersport. Viele Skigebiete in den Alpen sind nicht mehr schneesicher. Geröll- und Verkehrslawinen sowie die massive Verstädterung zeigen die Schattenseiten des Massentourismus.
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Rückblick
Sendung vom 13. Oktober
Sucht nach Soja
Die Sojabohne hat Wachstumsraten wie kaum eine andere Nutzpflanze der Welt. Sie steckt in Schokolade, Treibstoffen und im Futter für die Tiermast. Doch der weltweite Soja-Boom hat gravierende Folgen für Mensch und Umwelt.
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© reuters Lupe
Immer noch eine Seltenheit: Ausländische Unternehmen, hier der Computerbauer Dell, in Indien.
Hausgemachte Misere
Von allen Schwellenländern, die jüngst ins Wanken geraten sind, hat es Indien am härtesten getroffen. Die Währung fiel auf ein Allzeittief und das Vertrauen in die Reformfähigkeit des Landes ist dahin.
Vor einigen Tagen schickte Indien eine Mars-Rakete ins All. Es ist ein Prestigeprojekt: Rund eine Milliarde Euro investiert das Schwellenland jährlich in die Raumfahrt. Geld, das an anderer Stelle fehlt. Denn Indiens Wirtschaft macht derzeit keine Höhenflüge. Das Wachstum liegt laut IWF dieses Jahr nur noch bei 4 Prozent. Wenig für ein Land, das in den vergangenen Jahren einen rasanten Aufschwung erlebt hat.

Schwellenangst - Reden Sie mit!

Wir fragen die indische Wirtschaftswissenschaftlerin Dhanmanjiri Sathe aus Pune nach den Gründen. Sie ist zurzeit zu Gast an der Universität in Göttingen. "Ein Grund ist, dass weltweit die Nachfrage in allen Industrienationen seit 2008 zurückgegangen ist", sagt sie. "Davon war auch die indische Wirtschaft betroffen. Ein weitere Grund ist, dass die Politik in Indien derzeit nicht die nötigen Maßnahmen ergreift, um das Wachstum anzukurbeln."

Hohe Inflation trifft immer die Ärmsten
Die Misere ist hausgemacht. Das spiegelt sich auch in der Währung wieder. Im Sommer verlor die Rupie dramatisch an Wert, weil Anleger ein Ende der lockeren Geldpolitik in den USA fürchteten. Rohstoff-Importe wie Öl verteuerten sich.

Hinzu kommt die ohnehin hohe Inflation von derzeit rund 10 Prozent. Die Preise für Lebensmittel sind in den vergangenen Jahren sogar noch stärker angestiegen. Darunter leidet in erster Linie die arme Bevölkerung.

"Dieses Brot hier ist unsere Tagesration für zwei Mahlzeiten", klagt Shabina, eine Slumbewohnerin. "Modernes Indien heißt für uns, dass alles immer teurer wird. Essem, dass früher 10 Rupien gekostet hat, kostet heute 100."

Reformschub vor 20 Jahren
Lupe
Selten fließt der Verkehr so glatt wie hier. Schlechte Infrastruktur zählt zu den Haupthindernissen für wirtschaftlichen Fortschritt.
Schon einmal stand Indien vor der Zahlungsunfähigkeit. 1991 schossen wegen des Golfkrieges die Ölpreise in die Höhe. In der Not wurden zahlreiche selbstgewählte Beschränkungen über Bord geworfen. Indien öffnete sich vorsichtig internationalen Unternehmen. Plötzlich erreichte das Land Wachstumszahlen wie in China. Die Mittelschicht wuchs.

Doch von dem Boom haben nur wenige profitiert. Die Armut ist noch immer eines der größten Probleme. In manchen Bundesstaaten ist jedes zweite oder dritte Kind unterernährt, 800 Mio. Menschen sind nach staatlichen Angaben auf Essenszuschüsse angewiesen. Das sind zwei Drittel der Bevölkerung. Es fehlt vor allem an Arbeitsplätzen.

Allgemeine Erstarrung
"Unsere Einstellungs- und Kündigungsgesetze sind sehr starr", sagt die Wirtschaftswissenschaftlerin Dhanmanjiri Sathe. "Arbeitgeber haben keinen Anreiz neue Leute einzustellen. Dadurch entwickelt sich viel zu wenig arbeitsintensive Industrie."

Auch in die marode Infrastruktur muss dringend investiert werden. Es fehlt an Straßen, Brücken und einer verlässlichen Stromversorgung. Endlose Staus lähmen die Wirtschaft. Doch der Regierung ist es in den vergangenen Jahren nicht gelungen wichtige Reformen umzusetzen. Mächtige Interessengruppen und Korruption haben Veränderungen erfolgreich verhindert.

Die Wahlen im Frühjahr könnten die Wende bringen. Wenn eine neue tatkräftige Regierung die Mehrheit bekommt. Dann könnte Indien auch wieder zu den anderen Schwellenländern aufschließen.

Sendedaten
makro
"Zeitenwende in den Schwellenländern?"

Freitag, 29. November 2013,
21.00 Uhr
Wiederholung Sonntag, 6.15 Uhr
Thema der Sendung: Schwellenländer
Zeitenwende in den Schwellenländern?
Die Geschichte vom Aufstieg der Schwellenländer war bislang eine lupenreine Erfolgsstory. Sie begann mit dem Boom in den BRICS-Staaten. Heute ist der Lack ab. Jedenfalls ein bisschen.
Wirtschaftsdokumentation
Hungriges Indien
Schon heute haben 300 Millionen Inder nicht genug zu essen. Dabei gibt es genügend Lebensmittel. Ein großer Teil verrottet bereits auf den Feldern oder auf dem Weg zu den Märkten.
Was Indien quält
Nehmen wir die Luftfahrt, ein Beispiel von vielen, wie protektionistische Regulierungswut in Indien wirtschaftliche Entwicklung torpediert: Die Zahl der Flugpassagiere hat sich den letzten 7 Jahren verdoppelt und es wird erwartet, dass sie sich bis zum Jahr 2020 noch einmal verdreifachen wird. Ausgezeichnete Voraussetzungen, um dringend benötigtes Kapital zum Ausbau der Kapazitäten anzulocken.

Theoretisch. Praktisch gab es aber ein Gesetz, dass ausländischen Airlines den Zutritt zum Markt verbot, um die eigenen, staatlich protegierten Luftfahrtgesellschaften vor Konkurrenz zu schützen. Die Konkurrenz drohte ganz konkret mit Singapore Airlines, die bereits im Jahr 1994 zusammen mit der indischen Tata Group ein Joint Venture gründen wollten, um am Wachstum auf dem Subkontinent teilzuhaben.

Dem stand besagtes Gesetz entgegen. 1998 gab man das Vorhaben auf. 2000 gab es einen neuen Anlauf, der aber bald ebenfalls scheiterte. Erst 2012 hat das indische Parlament das Gesetz soweit geändert, dass ausländische Airlines jetzt bis 49% an heimischen Luftfahrtunternehmen halten dürfen. Genau das ist jetzt geschehen. Tata hält 51% und Singapore Airlines 49% am neu gegründeten Joint Venture. Das hätte man auch vor 20 Jahren schon haben können.
Indische Rupie
© BloombergFall von Schwindsucht
Die Indische Rupie verliert schon seit vielen Jahren an Wert. Das ist auch der Grund, weshalb die Leute dort soviel Gold kaufen. Im Mai diesen Jahres, als US-Notenbankpräsident Ben Bernake ein Auslaufen der ultralockeren Geldpolitik in Aussicht stellte, rauschte die Rupie eine weitere Stufe in den Keller.