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Vorschau
Sendung am 27. Oktober
Umbau der Alpen
Der Klimawandel bedroht den Wintersport. Viele Skigebiete in den Alpen sind nicht mehr schneesicher. Geröll- und Verkehrslawinen sowie die massive Verstädterung zeigen die Schattenseiten des Massentourismus.
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Rückblick
Sendung vom 13. Oktober
Sucht nach Soja
Die Sojabohne hat Wachstumsraten wie kaum eine andere Nutzpflanze der Welt. Sie steckt in Schokolade, Treibstoffen und im Futter für die Tiermast. Doch der weltweite Soja-Boom hat gravierende Folgen für Mensch und Umwelt.
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Gekaufte Schiedsrichter
Ratingagenturen sind gefürchtet und umstritten. Vor allem sind sie unumgänglich. Sie sind die Herren der Bonität. Und entscheiden damit über Wohl und Wehe ganzer Staaten.
Drei große Agenturen beherrschen den Markt. Sie entscheiden, wer kreditwürdig ist und wer nicht. Vor 25 Jahren wurden nur einzelne Länder von Agenturen bewertet, heute bewertet allein Standard & Poor’s 127 Staaten.

Keiner kommt an den Rating Agenturen vorbei. Der unabhängige Finanzexperte Dirk Müller weiß, warum sie so mächtig sind: "Ein amerikanisches Gesetz besagt, dass man sich von einer in den USA zugelassenen Rating Agentur bewerten lassen muss, nur dann hat man Zugriff auf den amerikanischen Kapitalmarkt. Und so muss sich jeder große Emittent von einer in den USA zugelassen Rating Agentur bewerten lassen, sonst hat er keine Chance."

Schatten über G20 - Reden Sie mit!

Die Risiko-Schätzer
Für Versicherungen und Pensionsfonds ist ein Rating gesetzlich vorgeschrieben. Sie dürfen nur dann Geld investieren, wenn die Anlage ein gutes Rating hat. Die Macht der Ratingagenturen ist immens. Sie entscheiden, wer auf dieser Welt Geld bekommt und wer nicht - und zu welchem Preis.

Als privatwirtschaftliche Unternehmen sind Ratingagenturen umsatzorientiert. Eine gefährliche Konstellation, finden selbst liberale Wirtschaftsexperten wie Thomas Straubhaar. Private Ratingagenturen hätten letztlich das Ziel, ihre Gewinne zu maximieren und ihre Aktionäre zufrieden zu stellen. Und da blieben die Interessen der Staaten, die sie bewerten, nur sekundär.

Die Kritik von Straubhaar an den Marktführern der großen Rating Agenturen geht sogar noch weiter: "Wenn man sich die Eigentümerstruktur der privaten Ratingagenturen anschaut, dann graust einem eigentlich deswegen, weil ausgerechnet die Eigentümer selber sehr starke Finanzmarktspieler sind, auch selber spekulieren, selber mit den Urteilen und von den Urteilen ihrer eigenen Rating Agenturen profitieren können." Es bestehe einfach eine riesengroße die Gefahr, dass sich hinter der Bühne die Eigentümer mit ihren Ratingagenturen treffen und etwas auskungeln, was letztlich zum Schaden der Allgemeinheit wird.

Inhärenter Interessenkonflikt
Moodys schweigt zu diesem Vorwurf, Standard & Poor's bezeichnet das als Verschwörungstheorie. Großbanken, Investment- und Hedge-Fonds sind alle vielfältig miteinander verwoben. Auffallend ist, dass Banken, die Wertpapiere an den Markt bringen und dafür ein Rating brauchen, teils auch Eigentümer der Agenturen sind. Ein Nährboden für Interessenskonflikte.

Die europäische Union hat jahrelang nur zugeschaut und auf Selbstregulierung gesetzt. Dass es diese auffällige Verstrickung einer kleinen Finanzelite tatsächlich gegeben hat, bestätigt EU-Kommissar Michel Barnier: "In der Vergangenheit gab es einige Fälle von finanziellen Akteuren, die Anteilseigner von Rating-Agenturen waren, die ihre eigenen Produkte bewertet haben. Es gab schwerwiegende Interessenkonflikte, es gab keine Transparenz und so haben wir mit zahlreichen Regulierungen die Rahmenbedingungen zu all diesen Punkten verbessert."

Sendedaten
makro
"Die Macht des Geldes"

Freitag, 6. September 2013,
21.00 Uhr

Wiederholung Sonntag, 6.15 Uhr
Thema der Sendung
Die Macht des Geldes
Wie viel Einfluss haben Politiker eigentlich noch auf die Wirtschaft ihres Landes? Bestimmen nicht längst die großen Player an den Finanzmärkten mit ihren Entscheidungen den Lauf der Dinge?
Schwerpunkt
Finanzkrise
Keine Hoffnung. Nirgends.
Ratingagenturen sind etwa so beliebt wie die Steuerprüfung. Das liegt an ihrem Job. Bewerten sie zu lasch, wie zum Beispiel in Südeuropa vor dem Ausbruch der Schuldenkrise, hagelt es hinterher Kritik: Die Ratingagenturen hätten Risiken systematisch unterschätzt. Lernen sie aus den Fehlern der Vergangenheit und bewerten heute wesentlich strenger, hagelt es wieder Kritik. Vor allem von jenen, deren Bonität herabgestuft wird. Dann gelten sie als Brandbeschleuniger der Krise. Ratingagenturen sind qua Funktion einfach der perfekter Prügelknabe.

Leid tun, müssen sie einem jedoch nicht. Eine Vielzahl haarsträubender AAA-Bewertungen im Zusammenhang mit Schrottpapieren auf dem amerikanischen Immobilienmarkt werden ihnen noch lange anhängen. Zu Recht!

An der unbefriedigenden Situation wird sich voraussichtlich nichts ändern. Der Grundkonflikt, dass die Agenturen von jenen bezahlt werden, die sie bewerten sollen, bleibt bestehen. Mehr Wettbewerb auf dem Markt wird es auch nicht geben. Der sehr ernsthaft unternommene und schon recht weit gediehene Versuch, in Europa eine Ratingagentur von Weltrang zu etablieren, ist kürzlich gescheitert. Es fehlt an Geld und an zahlungswilligen Kunden.

In China besteht dieses Problem nicht. Dort gibt es seit einigen Jahren eine eigene Ratingagentur. Auffällig ist, dass westliche Staaten, Unternehmen und Finanzprodukte dort oft schlechter wegkommen als bei Standard & Poors's, Moody's und Fitch. Wohingegen chinesische Marktteilnehmer und selbst Finanzierungsvehikel höchst zweifelhafter Provenienz sich über ein prima Rating freuen dürfen. Honit soit qui mal y pense!