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Vorschau
Sendung am 20. Oktober
Knappe Medikamente
Antibiotika, Impfstoffe oder Krebsmedikamente - Lieferengpässe bei Arzneimitteln sind immer häufiger. Viele Medikamentenhersteller sind von einzelnen Zulieferern abhängig.
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Rückblick
Sendung vom 6. Oktober
Schöne neue Landwirtschaft?
Der Kauf des Gentechnikspezialisten Monsanto ist für die Bayer AG ein zweischneidiges Schwert: schlechte Reputation gegen gute Gewinne. Trotzdem: Der Mega-Deal könnte die Zukunft der Landwirtschaft erheblich verändern.
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Personalisierte Medizin - Bericht ansehen Video
Eine personalisierte Therapie soll die individuellen Heilungschancen in der Krebstherapie verbessern.
Personalisierte Medizin
Die Pharmaindustrie setzte lange auf Arzneimittel gegen Volkskrankheiten. Doch genug von massenkompatiblen Medikamenten: Die Konzerne orientieren sich um. Der Trend geht zu personalisierter Medizin.
Wolf Dieter Ludwig ist Vorsitzender der Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft. Und er arbeitet seit dreißig Jahren in der Krebsmedizin, behandelt Tumorpatienten. Die wissenschaftliche Erforschung der Tumoren ist in dieser Zeit beträchtlich vorangekommen, sagt er. Allerdings:

"Leider ist es uns nicht gelungen, diese Erkenntnisse so in wirklich bessere medikamentöse Therapien umzusetzen, wie wir uns das vor einigen Jahren vorgestellt haben. Der vor 40 Jahren von Richard Nixon erklärte Krieg gegen den Krebs ist weit davon entfernt, gewonnen zu sein."

Jetzt kündigen Pharmakonzerne eine neue Strategie an. Die personalisierte Medizin gegen Krebs. Alle großen Hersteller werben damit. Der Pharmariese Roche spricht dabei auch ganz offen übers Geld. In einem Internetvideo heißt es: "Das Gesundheitswesen verändert sich ständig. Patienten, Ärzte und Kostenträger verlangen sichere, effektivere Behandlungen. Investoren suchen robuste und nachhaltige Geschäftsmodelle."

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Personalisierte Medizin als neue Geschäftsstrategie
Man darf sich nichts vormachen: Für börsennotierten Pharmakonzerne ist Gewinnmaximierung das oberste Ziel. Jede Chance, den Kurswert des Unternehmens zu steigern, wird genutzt. Personalisierte Medizin bietet da gute Chancen. In dem Video heißt es weiter: "Diese Entwicklung hat uns in eine konkrete Richtung geführt - zur personalisierten Medizin. Sie ist Kernelement der Geschäftsstrategie von Roche."

"Die pharmazeutischen Hersteller orientieren sich gerade neu. Das heißt, die Hersteller verlassen das Gebiet der Blockbuster - also Arzneimittel gegen Volkskrankheiten - deren Patente bereits abgelaufen sind oder in Kürze ablaufen, und sie orientieren sich hin in Richtung der sogenannten Orphan Drugs - der Arzneimittel für seltene Krankheiten. Dort haben sie erhebliche Vergünstigungen im Rahmen der Zulassung und sind mit ihren Patenten länger am Markt vertreten", sagt Wolf Dieter Ludwig.

Das gilt hier auch für die personalisierte Medizin. Teure Zulassungsprozeduren für eine neue Chemotherapie lassen sich dabei umgehen. Und zwar so: Normalerweise muss ein neues Krebsmedikament gegen die Standardtherapie antreten. Mit einer großen Zahl von Probanden, in aufwendigen Studien. Die neue Therapie muss mindestens ebenso gut wirken wie die Standardtherapie - möglichst besser. Diesen Nutzen nachzuweisen ist teuer. Mit der personalisierten Medizin können sich die Hersteller diesen Aufwand sparen und damit viel Geld, weil der Krebs in viele verschiedene seltene Krebskrankheiten zerlegt wird. Medikamente für diese seltenen Krankheiten müssen laut Gesetzgeber nicht so streng geprüft werden.

Die bessere Chemotherapie?
"Diese Regelung für die Entwicklung von Arzneimitteln gegen seltene Krankheiten ist zunächst eine sehr sinnvolle Regelung, weil wir bessere Medikamente bei wirklich seltenen Krankheiten dringend benötigen", sagt Wolf Dieter Ludwig. "Allerdings ist diese Regelung von den pharmazeutischen Herstellern gerade für die Entwicklung von Krebsmedikamenten missbraucht worden, so dass sie ihren eigentlichen Zweck nicht mehr erfüllt".

Außerdem will die personalisierte Medizin das Image der Chemotherapie aufpolieren. Die Zellgifte haben schwere Nebenwirkungen und bringen bei vielen Krebsarten im Schnitt nur Wochen oder wenige Monate mehr Lebenszeit. Bisher gleicht die Therapie zudem oft einem Glücksspiel. Es gibt Mittel, die wirken nur bei einem Zehntel der Kranken. Die weitaus meisten Patienten spüren nur die Nachteile. Die Hersteller versprechen, die Erfolgsrate zu verbessern. Noch vor der Behandlung soll der Krebs genauer charakterisiert, eben personalisiert und dann mit dem geeigneten Mittel bekämpft werden.

Enttäuschte Erwartung
Tatsächlich können Proben aus einer Biopsie des Tumorgewebes per Gentest analysiert werden. Findet sich im Tumor ein bestimmtes Gen, ein so genannter Biomarker, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass er auf eine bestimmte Chemotherapie reagiert. Soweit die Theorie. Doch die Praxis zeigt: Selbst wenn die Vorhersage stimmt hat das für den Patienten nicht automatisch einen Nutzen.

"Es wird uns gelingen, möglicherweise anhand der Biomarker einzelne Untergruppen zu identifizieren", meint der Mediziner Wolf. "Damit werden wir aber nicht die Tumorerkrankung endgültig besiegen, sodass letztlich das Versprechen, dass eine biomarkerbasierte Medizin einen großen Fortschritt bringt, derzeit nicht realisiert wurde".

Trotzdem geht das Geschäftsmodell Hoffnung scheinbar auf. Die Hersteller dürfen teure Medikamente verkaufen, deren Nutzen im Moment noch nicht sicher ist.

Sendedaten
makro
"Bittere Pillen für die Pharmaindustrie"

Freitag, 24. Mai 2013, 21.00 Uhr
Wiederholung Sonntag, 6.15 Uhr
Thema der Sendung: Pharmaindustrie
Bittere Pillen
Die Zeiten, in denen Pharmafirmen goldene Eier legten, sind vorbei. Denn viele Patente laufen aus. Die Entwicklung neuer Medikamente dauert Jahre, ist extrem teuer und am Ende meist vergeblich. Gut, dass es die Schwellenländer gibt.
Schwerpunkt
Pharma & Gesundheit