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Vorschau
Sendung am 20. Oktober
Knappe Medikamente
Antibiotika, Impfstoffe oder Krebsmedikamente - Lieferengpässe bei Arzneimitteln sind immer häufiger. Viele Medikamentenhersteller sind von einzelnen Zulieferern abhängig.
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Rückblick
Sendung vom 6. Oktober
Schöne neue Landwirtschaft?
Der Kauf des Gentechnikspezialisten Monsanto ist für die Bayer AG ein zweischneidiges Schwert: schlechte Reputation gegen gute Gewinne. Trotzdem: Der Mega-Deal könnte die Zukunft der Landwirtschaft erheblich verändern.
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Lupe
Die indische Pharmabranche hat bei Generika bereits Weltruf erlangt. Allerdings werden immer wieder ahnungslose Patienten für Medikamentenversuche missbraucht.
Die Pharma-Sklaven
Medikamententests an Ahnungslosen
In einem Krankenhaus der indischen Stadt Indore sollen Patienten für Medizinversuche von westlichen Pharma-Firmen rekrutiert worden sein. Ohne nennenswerte Aufklärung.
Wir treffen uns mit Dhananjay Shrivastav. Er hat seit Jahren ein chronisches Lungenleiden. "Ich war am staatlichen Krankenhaus in Behandlung. Dort war ein Arzt, der rief mich dann zu Hause an und sagte, ich soll in seine Privatklinik kommen. Er sagte mir, er würde mir dort die allerbeste Behandlung geben. Und er sagte mir, er habe Medizin, die mich komplett heilen könne", erzählt der Inder.

2009 bekam er von diesem Arzt schließlich Medikamente von der deutschen Firma Boehringer Ingelheim - kostenlos. Auf der Packung steht: "Clinical Trial", klinischer Versuch. Doch er kann nur Hindi lesen und schreiben, Englisch kann er nur ein paar Brocken. Er sagt, er habe alle Unterlagen von damals verwahrt, aber nirgends stehe etwas von einem Versuch. Von einem Arzneimitteltest habe er nichts gewusst.

Boehringer Ingelheim hingegen schreibt uns, sie hätten von ihm eine gültige unterschriebene Einverständniserklärung und der Arzt sei verpflichtet, aufzuklären. "Als wir beim Arzt ankamen sollte ich Papiere unterschreiben", erzählt Dhananjay Shrivastav. "Das waren unzählige Unterschriften auf zehn Seiten. Aber sie haben mir nicht gesagt, warum ich unterschreiben soll. Sie sagten: Wir geben Ihnen diese Medizin. Das sind bloß Formalitäten."

Wo sind die Rezepte? - Reden Sie mit!

Kein Einzelfall
Wir wollen weitere Patienten finden. Dabei hilft uns eine interne Untersuchungsliste der indischen Behörden, die uns zugespielt wurde. Auf ihr sind 81 Namen von Patienten, die an Medizinversuchen mitgemacht haben. Viele angeblich, ohne davon zu wissen. Im Gewirr der Armenviertel und Hinterhöfe versuchen wir, die Menschen auf der Liste ausfindig zu machen.

Wir treffen Nummer 24 von der Liste: Ein Versuch von Novartis, ein Medikament gegen Herzversagen. Wusste er von dem Versuch? Nein, sagt er uns. Nummer 22: Ein Versuch der Firma Eli Lilly für das Herzmittel Prasugrel. Ihr Mann starb. Sie sagt, er wusste definitiv nichts von einem Versuch. Überall hören wir schwere Anschuldigungen.

Die Pharmakonzerne behaupten, dass alle Patienten in die Versuche eingewilligt hätten, und dass die Todesfälle nichts mit den Versuchen zu tun hätten. Dies sei durch eine unabhängige Kommission festgestellt worden. Boehringer Ingelheim verweist darüber hinaus auf die Genehmigung des Versuches durch eine lokale Ethik-Kommission in Indore und schickt uns sogar ein entsprechendes Dokument.

EMA prüft nur sporadisch
Wir wollen mit dem zuständigen indischen Arzt reden, der damals den Boehringer-Versuch an dem lungenkranken Shrivastav durchgeführt hat. Unter einem Vorwand vereinbaren wir einen Termin und filmen mit versteckter Kamera. Als wir uns als Journalisten zu erkennen geben, droht der Arzt mit der Polizei und wirft uns schließlich hinaus.

Nach europäischem Recht gilt: Wenn ein Medikament in Europa zugelassen werden soll, muss sichergestellt sein, dass alle ethischen Standards eingehalten werden. Gewährleisten soll dies die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) in London. Wir treffen Dr. Fergus Sweeny, den Leiter der Prüf-Abteilung. In Indien fänden derzeit drei Inspektionen pro Jahr statt, sagt er. Doch wer und was wird von der EMA überhaupt kontrolliert? "Es ist nicht der Sinn von Inspektionen, jeden Versuch aktiv zu begleiten. Das wird von den Unternehmen, den leitenden Ärzten und den Behörden in Zusammenarbeit mit deren Vertretern vor Ort gemacht", erzählt Dr. Fergus Sweeny.

Mit Patienten spricht die EMA dabei nicht: Menschen wie Dhananjay Shrivastav werden mit ihren Sorgen und Beschwerden allein gelassen.

Sendedaten
makro
"Bittere Pillen für die Pharmaindustrie"

Freitag, 24. Mai 2013, 21.00 Uhr
Wiederholung Sonntag, 6.15 Uhr
Thema der Sendung: Pharmaindustrie
Bittere Pillen
Die Zeiten, in denen Pharmafirmen goldene Eier legten, sind vorbei. Denn viele Patente laufen aus. Die Entwicklung neuer Medikamente dauert Jahre, ist extrem teuer und am Ende meist vergeblich. Gut, dass es die Schwellenländer gibt.
Schwerpunkt
Pharma & Gesundheit