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Vorschau
Sendung am 20. Oktober
Knappe Medikamente
Antibiotika, Impfstoffe oder Krebsmedikamente - Lieferengpässe bei Arzneimitteln sind immer häufiger. Viele Medikamentenhersteller sind von einzelnen Zulieferern abhängig.
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Rückblick
Sendung vom 6. Oktober
Schöne neue Landwirtschaft?
Der Kauf des Gentechnikspezialisten Monsanto ist für die Bayer AG ein zweischneidiges Schwert: schlechte Reputation gegen gute Gewinne. Trotzdem: Der Mega-Deal könnte die Zukunft der Landwirtschaft erheblich verändern.
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© ap Lupe
Blaues Gold in Flaschen
Dort, wo Trinkwasserversorgung überhaupt nicht funktioniert, ist der Preis für Wasser am höchsten. Nestlé hat die Marke Pure Life im Angebot, sauberes Wasser in Flaschen, - und steht genau damit in der Kritik.
Der Schweizer Konzern Nestle ist eines der profitabelsten Unternehmen der Welt. 67 Mrd. Euro Umsatz, 320.000 Angestellte weltweit. Das Unternehmen dominiert den globalen Handel mit abgepacktem Trinkwasser. Auch Konzernchef Peter Brabeck-Letmathe betont oft und gerne, wie sehr ihm das Wohl der Menschheit am Herzen liegt. Geschäfte machen will er aber auch.

Eine wichtige Marke von Nestlé ist Pure Life. Es besteht aus gereinigtem Grundwasser - und wird mit einem künstlichen Mix aus Mineralien angereichert. Vor zehn Jahren gab es das Wasser noch gar nicht. Heute ist Pure Life das meistverkaufte Flaschenwasser der Welt - mit zweistelligen Zuwachsraten. Pure Life wird in 27 Ländern auf fünf Kontinenten hergestellt.

Marode Infrastruktur
Testmarkt für Nestle ist Pakistan. Bevor Nestlé sein Pure Life einführte, gab es in Pakistan kaum Wasser aus der Flasche. Heute boomt die Branche - und Nestlé dominiert den Markt, den die Firma selbst geschaffen hat.

"Normales Trinkwasser wurde verdrängt und umgewandelt in eine Ware", erzählt Ahmad Rafay Alam, Rechtsanwalt am Lahore High Court. "Nestlé tauchte auf, begann Pure Life anzubieten. Plötzlich erschien Coca Cola. Pepsi kam dazu. Dann eine ganze Anzahl privater, lokaler Anbieter. Alle produzieren sauberes Wasser, weil die uralte Infrastruktur der öffentlichen Versorgung versagt."

Das marode Wassersystem ist mehr als 30 Jahre alt. Die Rohre brechen, Trink- und Abwasser vermischen sich. Wer sich kein Flaschenwasser leisten kann, wird krank.

Wasser abgegraben
In Sheikhupura steht die erste Nestlé-Fabrik Pakistans. Direkt daneben liegt das Dorf Bhati Dilwan. Mit Nestlé kamen zwar ein paar zusätzliche Arbeitsplätze, aber auch das größte Problem im Dorf: Es gibt kein sauberes Trinkwasser mehr.

Nestlé hat einen tiefen, eigenen Brunnen gebaut. "Jetzt ist unser Wasser sehr dreckig", sagt Umar Hayat, ehemaliger Gemeinderat in Bhati Dilwan. "Der Wasserspiegel ist enorm gesunken. Früher lag er bei etwa 30 Meter, jetzt ist er auf 90 bis 120 Meter Tiefe gesunken. Wir sind sehr beunruhigt."

Die alten Brunnen in Bhati Dilwan reichen nicht mehr tief genug. Viele sind bereits ausgetrocknet. Die pakistanischen Gesetze zum Grundwasser sind unklar. Die Dorfbewohner können sich gegen den übermächtigen Konzern nicht wehren. Sie haben dem Konzern eine Petition übergeben: Sie möchten auch vom Wasser unter ihrem Dorf trinken. Nestlé hat die Bitte abgewiesen.

Konzernchef Brabeck weist alle Verantwortung für das Vorgehen seines Konzerns weit von sich: In der der Dritten Welt sei heute wahrscheinlich mehr wie 96 Prozent der Trinkwasserversorgung in den Händen des Staates. "Und das funktioniert nicht", sagt er. Das habe nichts mit Privatisierung zu tun.

Nestlé in der Kritik
Die kanadische Verbraucherschützerin Maude Barlow kritisiert, wie der Konzern sich das Versagen von Staaten zunutze macht. "Es gibt keine einfachen, kurzfristigen Lösungen", sagt Barlow. Auf jeden Fall liege die Antwort nicht in einer korrupten Regierung in Verbindung mit einer übernationalen, profitorientierten Firma. "Das ist die tödlichste aller Kombinationen."

Nestle kann in Pakistan Wasser zur Ware machen, weil der Staat die Versorgung seiner Bürger nicht sicherstellt. Doch Wasser ist nicht nur Ware, sondern Lebensmittel im wahrsten Sinne des Wortes. überlebenswichtig. Profit und Moral sind in diesem Fall untrennbar.

Sendedaten
makro
"Milliardenmarkt Wasser"

Freitag, 10. Mai 2013, 21.00 Uhr
Wiederholung Sonntag, 6.25 Uhr
Thema der Sendung: Wasser
Milliardenmarkt Wasser
Wasser ist ein kostbares Gut - und vielerorts zu teuer. In Deutschland ist genügend da. In manchen Entwicklungsländern hingegen gibt es sauberes Wasser nur noch in Flaschen. Wasser wird zur strategischen Waffe.
Schwerpunkt
Wasser
Wasser: Umkämpfte Ressource
Reden Sie mit!
Ein Glas zur Hand nehmen, den Wasserhahn aufdrehen, Durst löschen. In Deutschland eine absolute Selbstverständlichkeit. Für viele Menschen auf der Welt aber ein unermesslicher Luxus.