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Vorschau
Sendung am 27. Oktober
Umbau der Alpen
Der Klimawandel bedroht den Wintersport. Viele Skigebiete in den Alpen sind nicht mehr schneesicher. Geröll- und Verkehrslawinen sowie die massive Verstädterung zeigen die Schattenseiten des Massentourismus.
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Rückblick
Sendung vom 13. Oktober
Sucht nach Soja
Die Sojabohne hat Wachstumsraten wie kaum eine andere Nutzpflanze der Welt. Sie steckt in Schokolade, Treibstoffen und im Futter für die Tiermast. Doch der weltweite Soja-Boom hat gravierende Folgen für Mensch und Umwelt.
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Russland: Der Verlierer © dpa Lupe

Der Verlierer
Gazprom - Monopolist in Not
Niedrige Gaspreise in Nordamerika drücken langsam auch die Preise in Europa. Brachendinosaurier Gazprom kann sich Nachverhandlungen nicht mehr gänzlich verweigern, macht ansonsten aber weiter wie bisher.
Sprechstunde beim russischen Präsidenten. In der 5-stündigen Call-in-Show gestern durften ausgesuchte Bürger vorsortierte Fragen von staatstragender Bedeutung stellen. Die Frage nach dem Gasmarkt ist so eine. Herr Präsident, will der Journalist Michail Leontjew wissen, hat Gazprom, hat Russland die Schiefergasrevolution verschlafen?

Fracking: Boom oder Blase? - Reden Sie mit!

"Schwer zu sagen", meint Wladimir Putin und behauptet: "Noch sind die Förderkosten von Schiefergas um ein Vielfaches, ich betone, ein Vielfaches höher, als das Gas, das auf traditionelle Weise abgebaut wird." Und außerdem sei die Förderung von Schiefergas mit riesigen Umweltschäden verbunden. "Dort, wo Schiefergas abgebaut wird, kommt bei den Leuten nur noch schwarze Brühe aus dem Wasserhahn."

Die Parole lautet: Wir sind die Größten
Wir sind die Nummer 1 in der Welt beim Gasexport, heißt es stolz in der Gazprom-Reklame zum 20jährigen Bestehen des Superkonzerns. Aber wie lange noch? Der operative Gewinn von Gazprom ist im letzten Jahr um 25% geschrumpft. Der Gasmarkt ist in Bewegung, doch Gazprom-Chef Alexej Miller glaubt nicht an eine grundlegende Veränderung.

"Amerika ist für uns keine Konkurrenz", sagt Miller. "Wir beurteilen das Schiefergas äußerst skeptisch, ich sehe da kein Risiko für uns. Amerika ist und bleibt ein Gasimporteur", behauptet er. "Und überhaupt gibt es die Meinung, daß dieses ganze Schiefergas eine große Blase ist, die bald platzt."

Das also ist die offizielle, die staatlich vorgegebene Devise, doch in den unteren Etagen des Gazprom-Glaspalastes, bei Analysten und Experten hat das Nachdenken über die Folgen des amerikanischen Schiefergas-Booms längst begonnen.

Die Wirklichkeit: Gazprom steht unter Druck
© ap Lupe
Der Gas-Boom in Nordamerika schafft mehr Angebot. Das spürt jetzt auch Gazprom.
"Auf dem Spotmarkt in Europa werden immer mehr Geschäfte abgeschlossen, die sich am aktuellen Gaspreis orientieren, wie er zum Beispiel am amerikanischen Henry Hub gehandelt wird", beobachtet Michail Krutichin von RusEnergy Consulting. "Das drückt auch die festgelegten Preise von Gazprom. Viele Gazprom-Kunden fordern bereits, dass ihre Verträge nachverhandelt werden müssen." Gazprom müsse jetzt schon Milliarden an seine Kunden zurückzahlen, die sich wegen übermäßig hoher Gaspreise beschweren.

Tatsächlich musste Gazprom allein seinem deutschen Kunden EON Ruhrgas einen Preisnachlass von über einer Milliarde Euro gewähren. Doch der Staatskonzern ist träge - und tut sich schwer, die jahrzehntelang gewachsenen Beziehungen mit Europa zu verändern. Neue Strategien entwickeln? Fehlanzeige.

Stattdessen baut Gazprom weiter Pipelines, teure Pipelines wie die fertiggestellte Röhre North Stream nach Deutschland und - noch im Bau - South Stream nach Italien. Milliardenschwere Investitionen, die sich schon bald nicht mehr lohnen könnten, weil die Gaspreise sich nach unten bewegen.

Gazprom bekommt Konkurrenz
"Früher waren die Pipelines auch politische Instrumente, sagt Nikolaj Iwanow vom Institut für Energie und Technologie. "Jetzt verlieren sie diese Bedeutung, denn es gibt Alternativen: Kohle, Schiefergas, Flüssiggas."

Alternativen heißt: Gazproms Macht schwindet. Und damit auch der Status Russlands als Super-Rohstoff-Imperium. Einnahmen aus dem Öl- und Gasgeschäft machen rund die Hälfte des russischen Staatshaushalts aus. Wladimir Putins Selbstbewusstsein gründet sich unter anderem auf diesen Rohstoff-Reichtum. Mit dem Exporterlös finanziert er Löhne und Renten, richtet olympische Spiele aus und subventioniert schwächelnde Industriezweige. Kurz: Er sichert die eigene Macht.

"Das Portemonnaie der russischen Regierung"
"Gazprom ist faktisch das Portemonnaie der russischen Regierung", sagt Michail Krutichin von RusEnergy Consulting. "Gazproms Geld rettet sie. Wie lange das noch so weitergeht, ist schwer zu sagen. Wenn wir uns die Marktkapitalisierung von Gazprom anschauen, sehen wir, dass sie rückläufig ist." Gazproms Marktwert sinkt. Das hindere den Konzern aber nicht, weiter in sinnlose Projekte zu investieren.

Bei der Fragestunde gestern in Moskau kann sich Wladimir Putin dann auch einen kleinen Seitenhieb auf Gazprom nicht verkneifen. Verschlafen habe man zwar nichts, aber die Entwicklung in Amerika müsse Russland mit größter Aufmerksamkeit verfolgen.

Sendedaten
makro
"Gas: Zauberformel Fracking"

Freitag, 26. April 2013, 21.00 Uhr
Thema der Sendung: Gas
Zauberformel Fracking
Erdgas hat den Energiemarkt in Nordamerika revolutioniert. Gaskraftwerke ersetzen Kohlekraftwerke. Sie sind einfach billiger. Doch Fracking ist umstritten, weshalb die Förderung um Europa bisher einen Bogen macht.
Schwerpunkt
Öl & Gas
Kaum ein Thema ist von derart tiefgreifender Bedeutung wie die Versorgung mit Energie. Öl ist das Blut der Weltwirtschaft. Die entscheidende Frage dabei: Wer hat die meisten Reserven. Die großen westlichen Ölkonzerne verfügen übrigens nur über rund zehn Prozent.
Schwerpunkt
Russland