Freitag 21.00 Uhr
Kalender
Oktober 2017
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
25
26
27
28
29
30
01
02
03
04
05
06
07
08
09
10
11
1213
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
31
01
02
03
04
05
Vorschau
Sendung am 27. Oktober
Umbau der Alpen
Der Klimawandel bedroht den Wintersport. Viele Skigebiete in den Alpen sind nicht mehr schneesicher. Geröll- und Verkehrslawinen sowie die massive Verstädterung zeigen die Schattenseiten des Massentourismus.
Navigationselement
Rückblick
Sendung vom 13. Oktober
Sucht nach Soja
Die Sojabohne hat Wachstumsraten wie kaum eine andere Nutzpflanze der Welt. Sie steckt in Schokolade, Treibstoffen und im Futter für die Tiermast. Doch der weltweite Soja-Boom hat gravierende Folgen für Mensch und Umwelt.
Navigationselement
© dpa Lupe
Fracking-Bohrturm im US-amerikanischen Pennsylvania.
Zauberformel Fracking
Erdgas hat den Energiemarkt in Nordamerika revolutioniert. Gaskraftwerke ersetzen Kohlekraftwerke. Sie sind einfach billiger. Doch Fracking ist umstritten, weshalb die Förderung um Europa bisher einen Bogen macht.
Bislang schien sicher, dass die Erneuerbaren Energien das Ölzeitalter ablösen. Doch jetzt kommt eine zweite Energiewende - ohne Windparks und Solardächer. Tief in der Erde steckt der Hoffnungsträger. Schiefergas könnte Europas Energieversorgung für Jahrzehnte sichern und zugleich die Vorherrschaft der Russen und Saudis auf dem Energiemarkt beenden. Auch in Deutschland wird fieberhaft gesucht.

Unter hohem Druck werden Gesteinsschichten in rund 5.000 Meter Tiefe aufgesprengt und das entweichende Gas gefördert. "Fracking" versetzt die Welt in einen Gas-Rausch: Sichere Energie für die Industrienationen, jubeln die Befürworter. Gegner sehen unabsehbare Gefahren: Erdbeben und verseuchtes Trinkwasser. Denn um das Gas gewinnen zu können, muss ein hochgiftiger Chemiecocktail in den Boden gepumpt werden.

Fracking: Boom oder Blase? - Reden Sie mit!

Die Vereinigten Staaten könnten dank der vermeintlichen Zauberformel schon in kurzer Zeit zum größten Energieproduzenten der Welt aufsteigen: Zwischen Atlantik und Pazifik wird der amerikanische Boden deshalb in gigantischem Stil durchlöchert. Es ist so viel Gas auf dem Markt, dass die USA bereits vom Importeur zum Exporteur geworden sind.

Auch China sieht im Fracking-Verfahren Chancen, seinen chronischen Energieengpass ohne teure Importe zu lösen. Eine spannende Energierevolution hat begonnen. Verlierer sind Russland und der persische Golf. Die geopolitischen Karten auf dem Energiemarkt werden neu gemischt.

USA: Der neue Boom
© ap
Das Überangebot an Erdgas hat in den USA die Preise purzeln lassen. So tief, dass viele Gasförderer den Boom nicht überleben werden. Andere Branchen betrachten die niedrigen Energiepreise als gigantisches Konjunkturprogramm.
weiter ...

New York: Im Widerstand
New York: Im Widerstand © ap
Die New Yorker haben Angst um ihr Trinkwasser. Sie fürchten eine Verseuchung durch Fracking-Chemikalien. Befürworter erhoffen sich dagegen die Ankurbelung der Wirtschaft durch die neue Gasfördermethode.
weiter ...

Interview mit Werner Zittel
Video
Unser Studiogast, Energieexperte Dr. Werner Zittel von der Ludwig-Bölkow-Stiftung, hält die Erwartungen an Fracking für übertrieben. Die Resourcen würden so vor allem schneller ausgebeutet.
weiter ...

makroskop: Die Energierevolution
© imago stock&people Video
Durch den Fortschritt der Fördertechnologien - Horizontalbohrungen und Fracking - werden die Karten auf dem Gasmarkt neu gemischt. Erdgasverflüssigung lässt erstmals einen Weltmarkt für Gas entstehen.
weiter ...

Russland: Der Verlierer
© dpa
Niedrige Gaspreise in Nordamerika drücken langsam auch die Preise in Europa. Brachendinosaurier Gazprom kann sich Nachverhandlungen nicht mehr gänzlich verweigern, macht ansonsten aber weiter wie bisher.
weiter ...

Deutschland: Im Land der Fracking-Angst
© dpa
Auch in Deutschland gibt es Schiefergas, das per Fracking gefördert werden könnte. Das Problem sind die Chemikalien und die Gefahr für das Grundwasser. Wie gefährlich Fracking wirklich ist, weiß man nicht. Es gibt zu wenig Daten.
weiter ...

Sendedaten
makro
"Gas: Zauberformel Fracking"

Freitag, 26. April 2013, 21.00 Uhr
Moderation
Eva Schmidt
Studiogast
Dr. Werner Zittel
Werner Zittel ist Physiker und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Fragen der Energieversorgung. Dies umfasst Fragen wie Peak Oil, konventionelle und unkonventionelle Fördermethoden von Erdgas und erneuerbare Energien. Seit 2011 ist Zittel Vorstand der Ludwig-Bölkow Stiftung.
Marcellus-Gasfeld
LupeDie Marcellus-Formation birgt riesige Gasvorkommen. Erst durch neue Fördertechnologien wie Horizontalbohrungen und Fracking ist diese Struktur wirtschaftlich nutzbar. Schätzungen, wie groß die Vorkommen sind und vor allem wieviel Gas praktisch förderbar ist, gehen weit auseinander.

Im Jahr 2002 vermutete das United States Geological Survey ein förderbares Vorkommen von 1,9 TCF (trillion cubic feet). 2009 schätzte das United States Department of Energy 262 TCF förderbares Gas. Diese Zahl berücksichtigt den Fortschritt der Fördertechnologien. Prof. Gary Lash von der State University of New York schätzt die gesamte Gasmenge auf 490 TCF, von denen er aber nur 10%, also 49 TCF, mit heutiger Technologie für förderbar hält. Prof. Terry Engelder, Pennsylvania State University, rechnet sogar mit 4359 TCF, von denen er 30%, also 1307 TCF, für förderbar hält.

Wieviel Gas dort wirklich ist, weiß also niemand so genau. Klar ist allerdings, dass neu Fördertechnologien die nutzbaren Vorkommen vervielfacht haben. Das ist der Grund für den Gasboom in den USA (und Kanada).
Öl vs. Gas
© finanztreff.deUm die Preise von Öl und Gas zu vergleichen, landet man schnell bei der Bezeichnung Barrel of Oil Equivalent (BOE). Sie vergleicht die Energiemenge in einem Barrel Öl (159 Liter = 0,159 m3), nämlich 5,8 Millionen BTU (British Thermal Units), mit der gleichen Energiemenge in Form von Erdgas: 5800 Kubikfuß (ca. 164 m3). D.h. für die gleiche Energiemenge braucht man bei Gas gut das 1000-fache des Volumens von Öl.

Daraus erklärt sich der große strategische Nachteil von Gas als Energieträger: Man kann es kaum lagern und transportieren. Außer man verflüssigt es zu LNG (liquid natural gas). Dazu muss man das Gas auf -160°C abkühlen. Die Technik gilt mittlerweile als ausgereift, erfordert aber wiederum eine Menge Energie. Diese Nachteile von Gas gegenüber Öl rechtfertigen einen niedrigeren Preis.

Der Referenzpreis für Gas in Nordamerika ist Henry Hub Natural Gas. Der liegt heute bei 4,11 USD pro Millionen BTU, das entspricht 4,11 x 5,8 = 24 USD pro BOE, also für die Energiemenge eines Barrels Öl. Ein Barrel Öl der Marke West Texas Intermediate (WTI) kostet heute 93 USD, also fast das vierfache. Mit anderen Worten: Dank Horizontalbohrungen und Fracking ist Gas in Nordamerika heute gegenüber Öl (und Kohle) spottbillig - viel billiger als die oben skizzierten Nachteile von Gas rechtfertigen würden. In Europa liegen die Preise bei ca. 10 USD pro Millionen BTU. In Japan, wo Erdgas per LNG-Tanker importiert werden muss, bei 13-18 USD.

So kommt es, dass Erdgas, der mit Abstand CO2-günstigste fossile Energieträger, ausgerechnet in Nordamerika eine Renaissance erlebt. Klassische Dreckschleudern wie Kohlekraftwerke können hier nicht konkurrieren. Erdgasautos gewinnen an Attraktivität.