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Vorschau
Sendung am 27. Oktober
Umbau der Alpen
Der Klimawandel bedroht den Wintersport. Viele Skigebiete in den Alpen sind nicht mehr schneesicher. Geröll- und Verkehrslawinen sowie die massive Verstädterung zeigen die Schattenseiten des Massentourismus.
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Rückblick
Sendung vom 13. Oktober
Sucht nach Soja
Die Sojabohne hat Wachstumsraten wie kaum eine andere Nutzpflanze der Welt. Sie steckt in Schokolade, Treibstoffen und im Futter für die Tiermast. Doch der weltweite Soja-Boom hat gravierende Folgen für Mensch und Umwelt.
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Bericht ansehen © reuters Lupe
Diese Ölplattform im Maracaibosee hat deutlichen Investitionsbedarf. So geht es der gesamten Ölindustrie des Landes.
Ausgeblutet
Venezuelas Ölreserven gehören zu den größten weltweit. Der staatliche Ölkonzern ist die Melkkuh des Landes. Mit seinen Einnahmen werden alle Wohltaten bezahlt. Für Investitionen fehlt das Geld. Die Förderung sinkt.
Maracaibo ist eine Hafenstadt im Norden Venezuelas mit zwei Millionen Einwohnern. Sie ist das Zentrum der Ölindustrie. Juan La Corte hat durch Hugo Chavez alles verloren, was er sich in 40 Jahren aufgebaut hat. 200 Beschäftigte hatte er, seine Firma war Zulieferer für die Ölindustrie. Das Aus kam im Mai 2009.

Venezuela: Reden Sie mit!

Chavez ließ 74 Unternehmen auf einen Schlag besetzen. Sie alle seien von strategischer Bedeutung für den Staat. Juan La Cortes Firma war zu diesem Zeitpunkt 10 Millionen US-Dollar wert. Doch seitdem liegt das Firmengelände brach. Es arbeitet niemand mehr. Die Maschinen rosten vor sich hin.

"Das ist das Absurde an der Sache", klagt der Ex-Unternehmer La Corte. "Dieser Stillstand. Und das man uns nicht ausbezahlt hat." Besonders ärgert er sich darüber, daß die Geräte nicht eingesetzt werden. "Das war wieder einer dieser Einfälle von Chavez. Er handelt willkürlich aus einer Laune heraus."

Öl-Konzern verstaatlicht
Ein Beispiel dafür, in welchem Zustand Venezuelas Schlüsselindustrie ist, ist der staatliche Öl-Konzern Petroleos de Venezuela SA (PDVSA). Präsident Chavez hat PDVSA vor einigen Jahren verstaatlicht. Ausländische Unternehmen hat er aus dem Land geworfen oder verpflichtet, die Mehrheit an PDVSA abzugeben. Mehr als 95 Prozent der Exporte des Landes hängen am schwarzen Gold.

Die Belegschaft ist von einst 32.000 auf 150.000 aufgebläht. Und das, nachdem zunächst 18.000 Nicht-Chavez-Anhänger rausgeschmissen wurden.

Dario Vielma ist Ingenieur und für 290 kleine Bohrinseln zuständig. "Ich fühle als ob es mir gehört, als ob diese Industrie mein Eigentum ist ", freut sich Dario Vielma. "Das ist etwas, was uns beigebracht wurde in der neuen Revolution - dieses Gefühl der Teilhaberschaft. Dass wir alle an der Revolution arbeiten." Ihm tue es manchmal richtig weh, wenn ein Bohrloch stillsteht und er nichts dagegen tun könne.

Die Produktion fällt seit Jahren
Doch Fakt ist: PDVSA hat seit Jahren nicht mehr investiert, da die meisten Einnahmen in die Sozialprogramme fließen. Die Anlagen sind veraltet. Neue Ölfelder müssten erschlossen werden. Wichtiges Knowhow aus dem Ausland fehlt. Die Folge: Die Produktion ist gesunken. Die Förderung liegt derzeit zwischen 2,4 und 2,8 Millionen Barrel am Tag. 1998, vor Chavez' Machtübernahme, waren es noch 3,5 Millionen Barrel. Dass die Einnahmen dennoch sprudeln liegt vor allem am hohen Ölpreis.

Wie marode die Ölanlagen inzwischen sind, wurde im August vergangenen Jahres deutlich. Eine Raffinerie ging nach einer Explosion in Brand auf. 41 Arbeiter verloren ihr Leben. Ohnehin gibt es viel zu wenige Raffinerien. Das ölreiche Land muss Benzin importieren.

Joint Ventures unter schwierigen Bedingungen
Immerhin hat Venezuela im vergangenen Jahr ein Energieabkommen mit Russland abgeschlossen. In einem Joint Venture der PDVSA mit den russischen Ölfirmen Rosneft und Lukoil wird seit September gefördert (allerdings viel, viel weniger als geplant, siehe rechts "So läuft’s nicht"). Trotzdem wollen Lukoil und Rosneft weitere 10 Milliarden Dollar investieren, um einen Fuß in der Tür zu behalten. Die Investitionen werden auch dringend benötigt.

Ein neuer Präsident müsste dringend den Ölmarkt für ausländische Investoren öffnen und Rechtssicherheit bieten. Doch das halten Experten für die nächsten Jahre für eher unwahrscheinlich.

Sendedaten
makro
"Wandel in Venezuela?"

Freitag, 15. März 2013, 21.00 Uhr
Wiederholung Sonntag, 6.15 Uhr
Thema der Sendung: Venezuela
Wandel in Venezuela?
Der venezolanische Staatspräsident Hugo Chavez hat den Kampf gegen den Krebs verloren. Auch die Wirtschaft des Landes liegt darnieder. makro wagt einen Blick hinter die Kulissen des Erdöl-Sozialismus.
Schwerpunkt
Öl & Gas
Kaum ein Thema ist von derart tiefgreifender Bedeutung wie die Versorgung mit Energie. Öl ist das Blut der Weltwirtschaft. Die entscheidende Frage dabei: Wer hat die meisten Reserven. Die großen westlichen Ölkonzerne verfügen übrigens nur über rund zehn Prozent.
Schwerpunkt
Lateinamerika
Brasilien vs. Venezuela
Das brasilianische Pendant zu Petroleos de Venezuela (PDVSA) ist Petroleo Brasileiro (Petrobras). Der brasilianische Staat hält auch heute noch eine Mehrheit der stimmberechtigten Aktien, das Unternehmen ist aber bei weitem nicht so fest in Staatshand wie PDVSA. Und obwohl auch in Brasilien Einnahmen aus dem Ölgeschäft für Sozialprogramme abgezweigt werden, ist Petrobras nie in dem Maße ausgeblutet worden wie PDVSA.

Petrobras hat mit gigantischen Investitionsprogrammen neue Förderquellen erschlossen und Raffineriekapazitäten ausgebaut – und tut das bis heute. Brasiliens Ex-Präsident Lula (2003-2011), ein Gewerkschafter aus einfachen Verhältnissen, war mit dem gleichen Versprechen angetreten wie Hugo Chavez. Im Gegensatz zu letzterem hat Lula jedoch durch kluge Politik viele Menschen nachhaltig aus der Armut geführt und das ganze Land modernisiert. Brasiliens Wirtschaft floriert, Venezuelas liegt am Boden.