Die politische Führung hatte in Chongqing viele Jahre lang Gouverneur Bo Xilai, einer der mächtigsten Männer Chinas. Medienwirksam regierte er die Stadt in einer Mischung aus Modernisierung und kommunis-
tischer Tradition. Bisweilen mit bizarren Zügen. Überall trällerten Chöre alte Mao-Gassenhauer. Im örtlichen Fernsehsender liefen Partei-Kompositionen statt Werbespots.
Im Kampf gegen die Mafia griff der Gouverneur hart durch. Mehr als 1000 Verdächtige ließ er verhaften, zum Teil foltern und sogar hinrichten. Der kriminelle Sumpf sollte ausgetrocknet werden. Ein Sumpf, in dem Bo und seine Frau selbst bis zur Halskrause steckten, und der seine steile Karriere in diesem Jahr abrupt beendete. Bos Frau wurde wegen Mordes an einem britischen Geschäftsmann verurteilt, gegen den ehemaligen Gouverneur laufen Verfahren wegen Machtmissbrauch und Korruption. Nun droht auch ihm die Todesstrafe. Die Partei greift durch, so das unmissverständliche Signal. Auch, um das Vertrauen der Bürger in die Regierung wieder zu festigen.