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Vorschau
Sendung am 27. Oktober
Umbau der Alpen
Der Klimawandel bedroht den Wintersport. Viele Skigebiete in den Alpen sind nicht mehr schneesicher. Geröll- und Verkehrslawinen sowie die massive Verstädterung zeigen die Schattenseiten des Massentourismus.
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Rückblick
Sendung vom 13. Oktober
Sucht nach Soja
Die Sojabohne hat Wachstumsraten wie kaum eine andere Nutzpflanze der Welt. Sie steckt in Schokolade, Treibstoffen und im Futter für die Tiermast. Doch der weltweite Soja-Boom hat gravierende Folgen für Mensch und Umwelt.
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Piratenmillionen in Kenia
Eastleigh, das somalische Viertel in der kenianischen Hauptstadt Nairobi, platzt aus allen Nähten. Der neue Reichtum ist nicht zu übersehen. Immobilienpreise explodieren. Wo kommt das Geld her? Etwa Piratenmillionen?
Ahmed Ali sammelt Material für seine Radioshow am Abend. Thema: Wie sollen Muslime in der christlich-dominierten Gesellschaft Kenias ihre Kinder erziehen. Drängende Fragen in Eastleigh, einer somalischen Enklave in Nairobi. Immer mehr Somali kommen nach Eastleigh, bringen ihre Kultur mit und vor allem viel Geld. Vor zehn Jahren, sagt Ahmed, gab es hier nicht mal eine Wechselstube, heute entsteht ein Finanzzentrum.

"Hinter uns ist die Barclays Bank, direkt daneben die Co-Operative Bank", sagt Ahmed Abdi Ali, der Radiojournalist von Star FM. "Und der Grund, warum sie alle hier Filialen eröffnen, ist doch klar: Weil hier das Geschäft blüht!“

Banken an jeder Ecke. Jeden Monat fließen angeblich aus dem Ausland 50 Millionen Dollar frisches Kapital nach Eastleigh. Die Kenianer nennen den Stadtteil "Klein-Mogadischu". Werden in Eastleigh womöglich die Lösegelder der somalischen Piraten sauber gewaschen?

Wo kommt das Geld her?
Wo kommt das Geld her?"Wie kann es sein, dass jemand kommt, für viele Millionen Shilling ein Haus kauft, dann reißt er es ab und baut einfach ein neues", fragt sich Ahmed. "Wo hat der soviel Geld her?" Das fragen sich hier viele. Aber ob das Geld aus der Piraterie stammt oder von Geschäftsleuten aus dem Ausland, die es hier investieren? "Keiner kann das genau sagen. Doch es gibt viele Diskussionen darüber, wo das Geld herkommt."

Die Vereinigung der Geschäftstreibenden in Eastleigh will über Geld aus der organisierten Kriminalität nicht reden. Das schadet dem Ruf. Freut euch darüber, dass wir den Aufschwung nach Nairobi bringen, sagen sie. Baut uns lieber vernünftige Straßen und Bürgersteige, anstatt uns den Geschäftserfolg zu neiden.

Das Geld fließt in den Immobiliensektor
© laif Lupe
Verschleierte Frauen im somalischen Viertel von Nairobi.
"Es fließt in Eastleigh kein Piratengeld", behauptet Omar Gannad von der Handelskammer in Eastleigh. "Dafür legen wir unsere Hand ins Feuer. Alle Geschäfte hier sind sauber. Die Steuerbehörde weiß das. Die kommen und sammeln von uns das Geld ein. Alle Geschäfte hier zahlen ordentlich ihre Steuern und sind bei der kenianischen Regierung registriert."

Doch er sagt nicht, woher das Kapital kommt, mit dem ein neues Geschäftshaus nach dem anderen aus dem Boden gestampft wird. Eastleigh ist ein idealer Standort für somalische Investitionen. Kenia boomt. Die eigene Heimat Somalia aber, vom Bürgerkrieg zerrüttet, ist ein unsicheres Pflaster. Kenias Regierung weiß, dass sie nicht viel gegen mögliche Geldwäsche in Eastleigh unternehmen kann.

"Jeder, der Schwarzgeld besitzt, kann sich dafür eine Immobilie kaufen, sagt Geoffrey Mwau vom kenianischen Finanzministerium. "Er kann es problemlos in den legalen Geldkreislauf bringen. So funktioniert nun mal Geldwäsche. Kriminell erworbenes Geld wird für legale Transaktionen verwendet. Indem man entweder selbst Immobilienbesitz erwirbt, oder es an Strohmänner überweist, die es legal investieren."

"Hauptsache, es kommt Geld rein"
Der Boom Eastleighs hat für Kenia nicht nur gute Seiten. Boaz Vidi betreibt ein Internetcafé. Ein gutes Geschäft, sagt er. Doch vor ein paar Jahren ging es los. Die Preise stiegen an. Heute ist Eastleigh ein teures Pflaster. Die Miete für das Internetcafé verdoppelte sich fast. Zum Glück ist mein Laden voll, sagt Boaz.

"Die meisten wollen gar nicht wissen, wo all das Geld in Eastleigh herkommt", erzählt Boaz Vidi "Die Kenianer fragen sich vielleicht, wo der oder der das Geld her hat, um so ein Haus zu bauen oder einen neuen Laden aufzumachen." Nur die Kenianer fragten sich das. "Die Somalis kümmert das nicht. Und eigentlich ist es auch egal, Hauptsache es kommt Geld rein."

Geld verdient er genug - und Geld stinkt nicht. Die Somalis sind gute Kunden, kommunizieren viel über Internet, halten Kontakt mit der Heimat. Über Geld redet man nicht. Geld hat man.

Fragen unerwünscht
Einer wollte darüber reden, in Somalia, hat sich angelegt mit den Mächtigen in seiner Heimat: Mohammed Daban, Journalist aus Somalias Hauptstadt Mogadischu. Er wurde verhaftet, gefoltert, floh vor den Islamisten und Kriminellen nach Kenia.

"Jeden Tag wird Eastleigh größer, es boomt", beschreibt Daban die rasante Entwicklung. Hier wird investiert. "Und wer investiert hier? Die Somalier! Ihr könnt es mir glauben: Auch die, die an der Piraterie dort verdienen, sind an den Geschäften hier in Eastleigh beteiligt."

Es läßt sich nicht beweisen. Doch wundern würde es niemanden. Denn Geld, wie immer es erworben wurde, will sicher investiert werden. Und sicher ist es hier, im Zentrum des somalischen Aufschwungs in einem Stadtteil von Nairobi.

Sendedaten
makro
"Die Piraten AG"

Freitag, 6. Juli 2012, 21.00 Uhr
Wiederholung Sonntag, 6.15 Uhr
Thema der Sendung
© apDie Piraten AG
Das Hase-und-Igel-Spiel vor Somalias Küste zwischen Nato und lokalen Habenichtsen geht ins fünfte Jahr. Ein Ende ist nicht absehbar, denn die Habenichtse sind Somalias einzige echte Devisenbringer.
Schwerpunkt
Afrika
Gold in Südafrika, unfairer Welthandel, Rückzugsraum für Despoten wie Mugabe in Simbabwe. Der letzte verkannte Binnenmarkt, Aufbruch, Tourismus und Armut: Afrika steckt voller Gegensätze.