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Vorschau
Sendung am 8. Dezember
Kollege Roboter
Die Roboter kommen. Vernetzt sind sie, unermüdlich und schlau. Sie werden die Arbeitswelt umkrempeln. So wie einst die Feldarbeit der Industrie weichen musste und diese später der Dienstleistungsgesellschaft. Das muss nicht schlecht sein.
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Rückblick
Sendung vom 1. Dezember
Der Nordkorea-Konflikt
Das Risiko für einen militärischen Konflikt mit Nordkorea war noch nie so groß. Die Vereinten Nationen haben darauf mit weiteren Wirtschaftssanktionen gegen das Land reagiert.
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© ap Lupe
Die Spur des Geldes
Somalia ist ein Land ohne Staatsgewalt und Piraterie ist dort ein Geschäft. Was wird aus dem Geld, das die Piraten erpressen? Wo geht es hin? Wer profitiert? Die Ströme des Piratengeldes sind verschlungen.
Es gibt keine Bank mehr, kein Finanzsystem. Hier werden keine Statistiken erhoben, repräsentative Umfragen sind quasi unmöglich. Alle Methoden, die wir aus unseren wohlgeordneten Verhältnissen kennen, laufen ins Leere. Da muss man sich etwas einfallen lassen. Dr. Anja Shortland ist Ökonomin. Sie hat sich mit der Frage befasst, wer in Somalia vom Piratengeld profitiert, und welche Auswirkungen das Geld hier hat. Das ist Detektivarbeit.

"Wenn die somalische Währung an Wert zunimmt, dann hat irgendwer mal Dollar in somalische Schilling getauscht", sagt Shortland. Wenn man das in Verbindung bringen könne mit Lösegeldzahlungen, dann habe man einen recht guten Hinweis darauf, dass etwas Geld im Lande geblieben sei. "Und dass die ärmeren Leute, die in somalischem Schilling bezahlen, auch was davon haben."

Ein erfolgreicher Pirat hat ausgesorgt
Bis zu zwei Drittel des Geldes könnten im Land geblieben sein. Das schließt man aus Befragungen von gefangenen Piraten. Aber: Wo profitiert man am meisten? Shortland hat Satelliten-Nachtaufnahmen verglichen. Denn wer es sich leisten kann, macht das Licht an. In ganz Somalien sieht man, dass die Lichter ausgehen. "Bis auf zwei Städte", so Shortland. "Und das sind eben genau die Städte, wo gesagt wird, dass die Leute, die die Piraterie organisieren, leben."

Das Durchschnittseinkommen in Somalia liegt bei 600 Dollar im Jahr, weniger als zwei Dollar am Tag, sagt Shortland. "Da sind 15.000 Dollar, die für einen erfolgreichen Piraten gezahlt werden, natürlich toll."

Hintermänner machen das dicke Geschäft
Richtig Geld verdient wird an anderer Stelle. Lokale Machthaber müssen beteiligt werden. "Jemand, der den Piraten einen sicheren Hafen anbieten kann oder einen sicheren Ankerplatz, der hat wirklich etwas zu verkaufen", erklärt Shortland. "Und um überhaupt in so einen Hafenplatz einlaufen zu dürfen, müssen die Piraten erstmal 100.000 bis 200.000 Dollar auf den Tisch legen." Die Hintermänner bekommen ihr Geld, egal ob die Lösegeld-Verhandlungen am Ende zu irgendwas führen. "Da bleibt Geld hängen", sagt Shortland.

Wenn Geld ausgegeben und verteilt wird, dann wird auch immer wieder neues gebraucht, für einen neuen Raubzug. Der werde vorfinanziert von sogenannten Investoren, erzählt Shortland. Bei Erfolg würden die dann ausgezahlt. Eine feine Rendite. "Aber was die mit dem Geld machen, wissen wir wieder nicht." Die Kanäle, über die Geld nach Somalia rein oder aus Somalia raus transportiert wird, sind kaum auszumachen.

Einzige Einkommensquelle
Auch in Somalia sind Raub und Entführung verboten. Das sagen das Stammesrecht und auch der Islam. Die Piraten argumentieren hingegen, dass sie nur Gerechtigkeit üben, nachdem man ihre Küstengewässer leergefischt und verseucht hat.

Für die Bevölkerung hat noch etwas anderes Gewicht, weiß Anja Shortland: "Es sind eben auch Gemeinschaften, die unglaublich arm sind. Und wenn nun eine Piratenfirma kommt und sagt: Wir stellen 100 von Euch ein, um hier an Board und am Strand Wache zu schieben und ihr kriegt dafür x Dollar am Tag und wir brauchen Eure Frauen um für die Besatzung zu kochen und wir brauchen Händler, dann bringt das auch ein bisschen Schwung in so eine Wirtschaft."

Der Schlüssel zum Ende der Piraterie liegt nach Auffassung von Anja Shortland deshalb nicht im Marineeinsatz, sondern an Land. Erst wenn die lokale Bevölkerung sagt: "Wir machen was anderes, was anderes bringt uns mehr", dann werde der Piraterie die Grundlage entzogen.

Sendedaten
makro
"Die Piraten AG"

Freitag, 6. Juli 2012, 21.00 Uhr
Wiederholung Sonntag, 6.15 Uhr
Thema der Sendung
© apDie Piraten AG
Das Hase-und-Igel-Spiel vor Somalias Küste zwischen Nato und lokalen Habenichtsen geht ins fünfte Jahr. Ein Ende ist nicht absehbar, denn die Habenichtse sind Somalias einzige echte Devisenbringer.
Interview
LupeDr. Anja Shortland
Piraterie ist ein blühendes Geschäft, die dunklen Geldströme kaum durchschaubar. Dr. Anja Shortland versucht es dennoch. Sie ist Ökonomin an der Brunel University London und beschäftigt sich mit den wirtschaftlichen Auswirkungen von Piraterie und See-Terrorismus. Hochspannend und eine wahre Detektivarbeit!
Info
LupeDir Piraterie am Horn von Afrika bedroht eine der bedeutendsten Seewege weltweit.
Schwerpunkt
Afrika
Gold in Südafrika, unfairer Welthandel, Rückzugsraum für Despoten wie Mugabe in Simbabwe. Der letzte verkannte Binnenmarkt, Aufbruch, Tourismus und Armut: Afrika steckt voller Gegensätze.