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Vorschau
Sendung am 20. Oktober
Knappe Medikamente
Antibiotika, Impfstoffe oder Krebsmedikamente - Lieferengpässe bei Arzneimitteln sind immer häufiger. Viele Medikamentenhersteller sind von einzelnen Zulieferern abhängig.
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Rückblick
Sendung vom 6. Oktober
Schöne neue Landwirtschaft?
Der Kauf des Gentechnikspezialisten Monsanto ist für die Bayer AG ein zweischneidiges Schwert: schlechte Reputation gegen gute Gewinne. Trotzdem: Der Mega-Deal könnte die Zukunft der Landwirtschaft erheblich verändern.
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© afp Lupe
Störtebekers Erben
Zuerst waren es somalische Fischer, denen internationale Fangflotten die Lebensgrundlage wegfischten. Heute ist daraus eine professionelle Kaperindustrie entstanden, die Schiffe bis nach Indien verfolgt.
"Seeräuber zu sein, gilt in Somalia fast schon als idiotensicherer Weg, schnell reich zu werden", urteilt Jack Lang, der Sondergesandte der UNO für die Bekämpfung der Piraterie.

Sie kommen mit Schnellbooten aus dem Nichts und überfallen riesige Schiffe. Somalische Piraten kaperten allein im letzten Jahr 28 Boote. Für die Mannschaft beginnt damit ein oft monatelanges Martyrium. Gekidnappt, bedroht, der Willkür der Piraten hilflos ausgeliefert.

In den Reedereien daheim beginnt ein zermürbender Verhandlungsmarathon mit den Entführern, den auch Eberhard Lixfeld 2008 als Geschäftsführer der Reederei Reider Shipping erlebte, hin- und hergerissen zwischen der Sorge um die Mannschaft und den Millionenforderungen der Entführer.

Abenteuer Geldübergabe
Und selbst nach einer Einigung bleibt das Problem, wie das Lösegeld in ein zerrüttetes Land wie Somalia bringen? "Eigentlich geht das gar nicht", meint Reederei-Chef Lixfeld. "Eigentlich ist es nicht möglich." Nach Somalia selber fliege mit dem Geld niemand. Von den Nachbarländern käme am ehesten Kenia infrage. Man müsste als erstmal nach Nairobi. "Und dann stellen Sie sich vor, wenn Sie in Nairobi im Gepäck eine Million US-Dollar haben und der Zoll sieht das, dann ist das Geld sehr schnell weg ist."

In vielen Fällen wird das Lösegeld deshalb über Schleuser und Mittelsmänner transferiert und dann über dem Meer abgeworfen. Im Schnitt liegt der Preis bei über fünf Millionen Dollar pro Schiff. Verlockende Aussichten in einem Land, in dem das Jahresdurchschnitts-einkommen bei 500 Dollar liegt.

Es begann mit der Überfischung
Anfänglich waren die Piraten überwiegend somalische Fischer, die selbst Opfer von Piraterie ganz anderer Art wurden. "Somalias Gewässer sind sehr fischreich", erklärt ein Geheimdienstexperte. "Da es aber keine funktionsfähige Regierung und auch keine Küstenwache gibt, ist die Zahl ausländischer Schiffe, die in somalischen Hoheitsgewässern Raubfang betreiben, über die Jahre immer größer geworden."

Zeitweise räuberten Hochseetrawler u.a. aus Spanien, Frankreich, Taiwan und Japan Fisch für über 300 Millionen Dollar. Sie nahmen den somalischen Fischern die Lebensgrundlage. In den gepünderten Gewässern versenkten Industrieländer dann ihren Giftmüll.

Aus der anfänglichen Selbstverteidigung ist längst eine lukrative Kaperindustrie geworden. Seit 2005 ist die Zahl der Übergriffe und mit ihnen die Lösegeldsummen förmlich explodiert. Mittlerweile verfolgen die Piraten ihre Beute bis vor die Küste Indiens. Perfekt durchorganisiert operieren sie von unscheinbaren Mutterschiffen aus.

Teurer Umweg um Südafrika
25.000 Schiffe fahren jährlich durch den Golf von Aden. 20% des Welthandels. Die Schiffe müssen mitten durchs Piratengebiet, um in den Suezkanal zu kommen. Einige Reedereien wollen dieses Risiko nicht länger eingehen, leiten ihre Schiffe um das Kap der Guten Hoffnung um.

Doch wenn die Schiffe statt durch den Kanal nach Süden ausweichen, brauchen sie 18 Tage länger. Der Weg ums Kap kostet je nach Schiff rund eine halbe Million Dollar extra -Mehrkosten, die am Markt nicht durchsetzbar sind. Die Handelsschifffahrt steckt ohnehin in der Krise. Zu viele Schiffe, zu geringe Margen, zu hohe Kosten. Auch die Versicherungsprämien sind durch die Piraterie explodiert.

Die Reeder fordern deshalb mehr Schutz durch das Militär. Vor dem Horn von Afrika gibt es bereits eine Vielzahl von Anti-Piraten-Missionen. Erfolgreiche Rückeroberungen sind dennoch selten. Immer mehr Experten sehen die Lösung des Problems ohnehin nicht auf See, sondern durch politische Schritte an Land. Bis dahin ist die einzige Karriereleiter in Somalia der Enterhaken.

Sendedaten
makro
"Die Piraten AG"

Freitag, 6. Juli 2012, 21.00 Uhr
Wiederholung Sonntag, 6.15 Uhr
Thema der Sendung
© apDie Piraten AG
Das Hase-und-Igel-Spiel vor Somalias Küste zwischen Nato und lokalen Habenichtsen geht ins fünfte Jahr. Ein Ende ist nicht absehbar, denn die Habenichtse sind Somalias einzige echte Devisenbringer.
Schwerpunkt
Afrika
Gold in Südafrika, unfairer Welthandel, Rückzugsraum für Despoten wie Mugabe in Simbabwe. Der letzte verkannte Binnenmarkt, Aufbruch, Tourismus und Armut: Afrika steckt voller Gegensätze.