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Vorschau
Sendung am 8. Dezember
Kollege Roboter
Die Roboter kommen. Vernetzt sind sie, unermüdlich und schlau. Sie werden die Arbeitswelt umkrempeln. So wie einst die Feldarbeit der Industrie weichen musste und diese später der Dienstleistungsgesellschaft. Das muss nicht schlecht sein.
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Rückblick
Sendung vom 1. Dezember
Der Nordkorea-Konflikt
Das Risiko für einen militärischen Konflikt mit Nordkorea war noch nie so groß. Die Vereinten Nationen haben darauf mit weiteren Wirtschaftssanktionen gegen das Land reagiert.
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Startups an der Themse
London ist Schmelztigel, Weltstadt, Finanzplatz und Magnet für alles Kreative. Rund um einen unscheinbaren Kreisverkehr tummelt sich eine bunte Startup-Szene und bastelt an der Killer-App von morgen.
London ist der wichtigste Finanzhandelsplatz Europas. Im Bankenviertel, der sogenannten "City", sitzt das Geld, auf das tausende junge Unternehmer aus sind. So wie die beiden Startup-Gründer William Hines und der Münchner Matthias Link. Sie haben Informatik und BWL studiert und reihenweise gutbezahlte Jobangebote. Doch sie ziehen es vor, in einem winzigen WG-Zimmer zu sitzen und es wieder einmal zu versuchen. Ihr drittes Startup nun schon. Diesmal muss es klappen.

"Das schwierigste an einem Startup ist, dass man sich wie in einer Achterbahn fühlt", sagt William Hines. "An einem Tag läuft alles gut, Du kriegst eMails und es brummt. Und am nächsten Tag sagt jemand, hast Du schon von dieser Firma gehört? Die machen genau dasselbe wie ihr!"

Nirgendwo in Europa ist die Startup-Dichte so hoch wie hier: Rund um einen unscheinbaren Kreisverkehr im Stadtteil Shoreditch schießen Startups wie Pilze aus dem Boden. "Silicon Roundabout" wird die Gegend deshalb genannt - und soll Großbritanniens Antwort auf Silicon Valley werden.

Website für Kreative
Die Musik-Bloggerin Jody Orsborn hat ein Café in der Gegend zu ihrem Büro gemacht. Ein Zeichen, dass sie schon einen Schritt über die WG-Phase hinaus ist: Sie kann sich täglich zehn Café Latte leisten.

"Wir arbeiten an unserer Webseite - die 'Backscratchers'", erzählt Osborn. "Dort können Kreative andere Kreative finden. Also, wenn man eine Platte aufnehmen will, ein Geschäft aufbauen oder einen Film machen, kann man dort ein Profil kreieren und Leute finden, die einem helfen."

Jody versucht den Sprung von der Kreativen zur Geschäftsfrau hier, wo sie auf Schritt und Tritt Gleichgesinnte trifft. Alle hier haben ein gemeinsames Ziel: mit einem Startup den großen Durchbruch zu schaffen.

Google-Campus: Hilfe vom Super-Startup
Gefördert werden sie dabei von Google - der Internet-Riese hat Ende März in einer Seitenstraße am Silicon Roundabout eine Art Startup-Tempel eröffnet. Der Google-Campus ist ein Inkubator der Ideen, bietet flexible Arbeitsräume für Menschen, die sich noch kein Büro leisten können.

Jody hat einen Platz in einem Förderprogramm ergattert. Hier kann sie ihre Geschäftsidee unter Anleitung entwickeln. Es tue gut, an einem Ort zu sein, wo Startups gefördert werden, meint Jody Osborne. "Man trifft hier unglaubliche Leute: Vor ein paar Minuten ist Jimmy Wells vorbeigekommen - der Erfinder von Wikipedia. Wo sonst kriegt man Kontakt zu solchen Leuten?"

Das Google-Programm "Springboard" bringt junge Leute mit Startup-Ambitionen aus der ganzen Welt zusammen. Sie arbeiten an Internet-Plattformen für Studenten zum Austausch von Vorlesungs-Mitschriften, an einer Webseite auf der Wissenschaftler ihre Projekte per Video erklären oder an Informations-Portalen. Das ganze Gebäude ist ein Brutkasten für die nächste Generation von Jungunternehmern. Im Foyer gibt es kostenlos Internet, Kontakte und Kaffee - die Grundnahrungsmittel der Startup-Szene.

London als Innovations-Brutkasten
Der Londoner Asphalt-Dschungel ist der ideale Nährboden für die High-Tech-Branche. Es mangelt nicht an Ideen - und auch nicht an Geldgebern. Die sitzen direkt nebenan in der City. Zudem gibt es massive Unterstützung von ganz oben: Die Regierung fördert den Internet-Sektor in London mit 200 Millionen Pfund, während überall sonst kräftig gekürzt wird. Die Branche könnte auch ohne den Premierminister, aber David Cameron will an der Erfolgs-Geschichte teilhaben, die sich hier entwickelt.

Die digitale Design-Agentur "ustwo" ist so eine Erfolgs-Story: Wie alle Startups hat Matt Miller ganz klein angefangen. Mit geliehenem Geld von Papa in der eigenen Küche. Und dann ging es plötzlich ab.

"Es war sprichwörtlich so, dass ich eines Morgens aufwachte und wir 110 Mitarbeiter hatten", wundert sich Matt Miller. Heute gibt es drei Standorte: Malmö, New York und das Mutterschiff London. "Unsere Leute sollen gern zur Arbeit kommen und hier in der Agentur Zeit verbringen. Das ist unser Ziel."

Showlaufen für die Kapitalgeber
Da wo Matt ist, will Jody hin. Dazu braucht sie Geld, etwa 250.000 Euro. Nächste Woche hat sie ihren ersten Pitch - eine Präsentation vor potentiellen Investoren.

"Wir suchen einen Investor, der unser Geschäft aufwertet, der den kreativen Sektor versteht, in dem wir arbeiten", sagt Jody. "Jemanden, der unsere Vision und unsere Leidenschaft teilt, statt einfach nur jemanden, der uns sein Geld gibt. Wenn überhaupt jemand uns Geld geben will!"

So lang macht Jody das, was jeder tun muss, der es mit einem Startup schaffen will: Sie arbeitet von früh am Morgen bis spät in die Nacht an ihrem Projekt. Damit das nächste Facebook oder Twitter nicht aus den USA, sondern aus einer Londoner Kneipe kommt.

Sendedaten
makro
"Der britische Patient"

Freitag, 29. Juni 2012, 21.00 Uhr
Wiederholung Sonntag, 6.15 Uhr
Thema der Sendung
© apDer britische Patient
Es ist das Jahr Großbritanniens: Das Diamantene Thronjubiläum der Queen bietet ebenso Anlass zum Feiern wie die Olympischen Spiele in London. Bloß die Wirtschaftsdaten verregnen die Partystimmung.
Schwerpunkt
Europa