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Vorschau
Sendung am 20. Oktober
Knappe Medikamente
Antibiotika, Impfstoffe oder Krebsmedikamente - Lieferengpässe bei Arzneimitteln sind immer häufiger. Viele Medikamentenhersteller sind von einzelnen Zulieferern abhängig.
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Rückblick
Sendung vom 6. Oktober
Schöne neue Landwirtschaft?
Der Kauf des Gentechnikspezialisten Monsanto ist für die Bayer AG ein zweischneidiges Schwert: schlechte Reputation gegen gute Gewinne. Trotzdem: Der Mega-Deal könnte die Zukunft der Landwirtschaft erheblich verändern.
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© dpa Lupe
Zukunft Offshore
Noch dominieren fossile Rohstoffe den britischen Energiemarkt. Doch die Regierung hat ehrgeizige Klimaziele. Die Bedingungen sind günstig, besonders für Wind- und Meeresenergie.
Etliche Öl- und Gasplattformen ragen aus der stürmischen Nordsee vor Englands Küste. Bislang dominieren die fossilen Rohstoffe den britischen Energiemarkt. Während andere Branchen kriseln, sind Öl- und Gas aus England weltweit gefragt. Doch die Fördermengen gehen seit Jahren zurück. Das Ende des Nordsee-Öls ist absehbar. Die Lager reichen noch höchstens 20 Jahre, schätzen Experten. Hinzu kommt: Es muss immer tiefer gebohrt werden. Das ist teuer und umstritten.

London hat neben Deutschland die ambitioniertesten Klimaschutz-Pläne. Bis 2020 sollen die Co2-Emissionen gegenüber 1990 um 34% verringert werden, bis 2025 um 50%. Die britische Regierung setzt deshalb auf erneuerbare Energien als Zukunftsindustrie. Derzeit liegt deren Anteil an der Stromerzeugung erst bei rund 10 Prozent – in Deutschland ist er fast doppelt so hoch. Vor allem in Windkraft wollen die Briten investieren. Im Ärmelkanal steht bereits der größte Offshore-Windpark der Welt. Die 100 Windräder versorgen rund 200.000 Haushalte.

Pelamis - die rote Schlange
Weitere Windparks sind geplant. Bis 2025 soll die Windendenergie ein Viertel zur Energieerzeugung beitragen. Schottland will dabei vorangehen. Die Region ist aufgrund ihres rauen Klimas geradezu prädestiniert für Wind- und Wellenkraft. Vor allem bei der Entwicklung von Meereskraftwerken sind britische Firmen führend.

Eines der spektakulärsten und weltweit einzigartigen Projekte nennt sich Pelamis. Das ist griechisch und bedeutet Seeschlange. Aus dem Auf und Ab der Wellen erzeugt die 180 Meter lange Röhre Strom. Schottische Forscher haben das Modell in Versuchstanks entwickelt. Der Bauch des Ungetüms ist vollgestopft mit modernster Technik. Per Kabel gelangt der Strom an Land.

Pilotprojekte der Energieverorger
Derzeit befinden sich im European Marine Energy Centre vor den schottischen Orkney-Inseln zwei Pelamis-Schlangen in der Testphase - eine unter der Regie von E.on, die andere von ScottishPower Renewables. Drei weitere Anlagen bilden ein Mini-Kraftwerk vor der portugiesischen Küste. Eine Pelamis-Schlange hat eine Leitung von 0,75 MW. Zusammen erzeugen diese fünf Anlagen etwa soviel Strom wie ein großes Windrad. Die Technologie steckt also noch in den Kinderschuhen. Nach erfolgreichem Testbetrieb haben E.on und ScottishPower Renewables Pläne für ein 50-MW-Kraftwerk, das aus 66 Pelamis-Schlangen bestehen soll. Doch noch ist die Kilowattstunde doppelt so teuer wie bei der Windkraft.

Auf einem ehemaligen Werftgelände baut das mittelständische Unternehmen Pelamis Wave Power die Module. Eine weitere Seeschlange hat die Firma bereits nach Portugal verkauft. Im nächsten Jahr soll die erste kommerzielle Pelamis-Anlage installiert werden. In einigen Jahren könnte nach den Plänen der Regierung vor Schottland ein riesiges Meereskraftwerk entstehen mit bis zu 1600 Megawatt Leistung. Das wäre mehr als das größte deutsche Atomkraftwerk produziert.

Strom aus Meeresstrom
Auch andere Unternehmen würden sich daran gerne beteiligen. Nirgendwo in Europa wird die Nutzung der Meeresenergie so vorangetrieben wie in Großbritannien. Das Land gilt als Zentrum für Wellenenergie und Gezeitenkraftwerke. Zu den Pionieren der Branche zählt auch die Firma Marine Current Turbines, die im Februar 2012 komplett von Siemens übernommen wurde. Das Unternehmen baut Rotoren, die auf dem Meeresgrund verankert werden und durch den Gezeitenstrom Energie erzeugen können - ähnlich einen Windkraftrotor unter Wasser.

Die Firma Voith Hydro Wavegen Ltd., eine Tochtergesellschaft des deutschen Kraftwerksbauers Voith, setzt hingegen - ähnlich wie Pelamis - auf Wellenenergie. Auf der schottischen Insel Islay steht der "Schottische Drache" - eine Pilotanlage, die wegen ihres fauchenden Geräuschs so genannt wird. Hier pumpen die Brandungswellen Luft in die Turbinen des Kraftwerks und erzeugen so Strom. Noch sind alle Meereskraftwerke im Pilotstadium. Doch schon bald könnten die Briten mit der Wellenkraft den Markt für erneuerbare Energien revolutionieren.

Sendedaten
makro
"Der britische Patient"

Freitag, 29. Juni 2012, 21.00 Uhr
Wiederholung Sonntag, 6.15 Uhr
Thema der Sendung
© apDer britische Patient
Es ist das Jahr Großbritanniens: Das Diamantene Thronjubiläum der Queen bietet ebenso Anlass zum Feiern wie die Olympischen Spiele in London. Bloß die Wirtschaftsdaten verregnen die Partystimmung.
Schwerpunkt
Europa
Gezeitenenergie
© SiemensLupeMarine Current Turbines
Im Naturhafen Strangford Lough befindet sich die Anlage von Marine Current Turbines in einer Meerenge. Die Turbine ist an einem Pfeiler inmitten der Strömung angebracht. Dieser ist in etwa 30 Metern Tiefe am Grund verankert. Die Rotorblätter der Turbine werden von der Wasserströmung angetrieben. Mit jeder Flut strömen etwa 18.000 m3 Wasser durch die Meerenge und die Strömung erreicht eine stetige Geschwindigkeit von mehr als 5 Knoten (2,4 m/s).

Die Gezeitenkraft bringt einen großen Vorteil mit sich. Aufgrund der bekannten Zyklen lässt die Anziehungskraft von Mond und Sonne den Meeresspiegel heben und senken. Die genaue Ausprägung der Gezeiten kann mit Hilfe von Berechnungen zuverlässig prognostiziert werden und ermöglicht somit eine exakte Planung der Stromerzeugung.
Wellenenergie 1
Pelamis Wave Power
Pelamis setzt mit seiner Seeschlange auf die Kraft der Wellen im offenen Meer.
Wellenenergie 2
Voith Hydro Wavegen
Wavegen wandelt die Brandungsenergie über eine sich auf- und abbewegende Luftsäule in Strom um.