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Vorschau
Sendung am 27. Oktober
Umbau der Alpen
Der Klimawandel bedroht den Wintersport. Viele Skigebiete in den Alpen sind nicht mehr schneesicher. Geröll- und Verkehrslawinen sowie die massive Verstädterung zeigen die Schattenseiten des Massentourismus.
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Rückblick
Sendung vom 13. Oktober
Sucht nach Soja
Die Sojabohne hat Wachstumsraten wie kaum eine andere Nutzpflanze der Welt. Sie steckt in Schokolade, Treibstoffen und im Futter für die Tiermast. Doch der weltweite Soja-Boom hat gravierende Folgen für Mensch und Umwelt.
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© dpa Lupe
Woman at the Top
Die "Financial Times" hat Emma Marcegaglia 2011 zu einer der 50 einflussreichsten Geschäftsfrauen der Welt gewählt. Bis März 2012 stand sie dem mächtigen Unternehmerverband Confindustria vor und führt obendrein ein erfolgreiches Stahlunternehmen.
Am Hauptsitz des Familienunternehmens in der Nähe von Mantua treffen wir eine der einflussreichsten Frauen der Welt: Emma Marcegaglia. 1959 hat ihr Vater hier den Grundstein für ein Stahlimperium gelegt. "Hier ist alles entstanden mit 2,3 Lehrlingen. Mein Vater war gerade einmal 29 Jahre alt. Hatte kein Geld, nichts. Nur einen großen Unternehmensgeist. Hier hat das schöne Abenteuer begonnen", erzählt die Business-Frau.

Wachstum politisch verhindert
Stahlverarbeitung noch immer die Haupteinnahmequelle der Firma. Doch inzwischen hat man über 7000 Angestellte, ist weltweit tätig mit Sitzen auch in Brasilien, China und Deutschland. Die Wachstumsrate beträgt pro Jahr stattliche 14 Prozent. Der Familiensitz liegt nur einen Steinwurf vom Firmengelände entfernt.

Emma Marcegaglia leitet gemeinsam mit ihrem Bruder die Geschäfte. Gewinne werden in die Firma reinvestiert. Expansion und Wachstum eine Seltenheit bei italienischen Familienunternehmen: "Oft wachsen Familienunternehmen weniger als sie könnten, um besser die Kontrolle zu behalten. Aber gleichzeitig gibt es das Umfeld in Italien. Zuviel Bürokratie, ein unflexibler Arbeitsmarkt mit rigidem Kündigungsschutz für alle die mehr als 15 Mitarbeiter haben, also für alle, die wachsen."

Offensiv gegen Berlusconi
Für eine Öffnung des Arbeitsmarkts setzte sie sich als Vorsitzende des Unternehmensverbandes "Confindustria" ein. Ihre Wahl zur Präsidentin als Frau mit nur 42 Jahren war in der oft überalterten italienischen Männergesellschaft eine Sensation. "Ich war die erste Präsidentin in der hundertjährigen Geschichte und ich sage immer, dass die männlichen italienischen Unternehmer 100 Jahre darauf gewartet haben, das Amt einer Frau zu geben, um es ihr in der schlimmsten Zeit überhaupt zu geben", erzählt Marcegaglia.

Es war die Zeit des Reformstillstandes unter Silvio Berlusconi. Immer wieder gab sie ihm auch öffentlich Contra, hielt nicht mit Kritik zurück. Falls er jetzt nicht endlich wirkliche Reformen durchsetze, solle er endlich nach Hause gehen, das sagte sie nicht nur einmal: "Ich habe mich nicht im Mindesten beeinflussen lassen. Ich habe immer das gesagt, was ich sagen musste. Und das immer sehr offen. Es war zu einer bestimmten Zeit notwendig und deshalb hab ich’s gemacht."

Der Weg über Verhandlungen mit Gewerkschaften und Regierung war lang und mühsam, manchen ging es nicht schnell genug. FIAT trat schließlich aus der Confindustria aus. "Fiat wollte freie Hand haben über die Mitarbeiterverträge. Obwohl sie mit den Reformen, die wir gemacht haben, auch Verträge wie in Deutschland zum Beispiel Volkswagen hätten abschließen und trotzdem Mitglied bleiben können. Aber das war ihre Entscheidung."

Hoffnungsträger Mario Monti
Für den größten Erfolg ihrer Amtszeit hält sie den Regierungswechsel von Berlusconi zu Mario Monti. Dieser war übrigens ihr Doktorvater an der Mailänder Wirtschaftsuniversität Bocconi. "Das Wichtigste war der Politikwechsel, den wir angestoßen haben. Wir haben stets darauf aufmerksam gemacht, dass das Land nicht so bleiben kann, dass die Vorgängerregierung nicht in der Lage war, Reformen durchzusetzen."

Auch wenn noch viel gemacht werden muss, vor allem beim Thema Abbau von Bürokratie, die richtige Straße habe man zumindest eingeschlagen, meint sie. Sie selbst habe dabei ein Zeichen gesetzt. Auch für die Zukunft von Frauen in Italien: "Wie in vielen mediterranen Ländern gibt es immer noch Widerstände, die man überwinden muss. Aber ich muss sagen, die neue Frauengeneration hat die Kraft und den Willen, weiterzukommen."

Sie selbst hat es geschafft, auch dank der Unterstützung der eigenen Mutter, Karriere und Familie unter einen Hut zu bringen. Noch ist das eine Seltenheit in Italien, nicht zuletzt deshalb will sie sich auch weiter für Veränderungen einsetzen. Es gibt noch genug zu tun, auch nach dem Ende ihrer Präsidentschaft.

Sendedaten
makro
"Bella Italia?"

Freitag, 30. März 2012, 21.00 Uhr
Wiederholung Sonntag, 6.15 Uhr
Thema der Sendung
© apBella Italia?
Berlusconi ist Geschichte. Die Folgen seiner Politik nicht. Italiens Wirtschaft ist alles andere als in Bestform. Doch es sieht so aus, als würde Berlusconi-Nachfolger Mario Monti die Wende gelingen.
Schwerpunkt
© Diliff, GNU FDL, CC-BY-3.0Europa