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Vorschau
Sendung am 27. Oktober
Umbau der Alpen
Der Klimawandel bedroht den Wintersport. Viele Skigebiete in den Alpen sind nicht mehr schneesicher. Geröll- und Verkehrslawinen sowie die massive Verstädterung zeigen die Schattenseiten des Massentourismus.
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Rückblick
Sendung vom 13. Oktober
Sucht nach Soja
Die Sojabohne hat Wachstumsraten wie kaum eine andere Nutzpflanze der Welt. Sie steckt in Schokolade, Treibstoffen und im Futter für die Tiermast. Doch der weltweite Soja-Boom hat gravierende Folgen für Mensch und Umwelt.
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© dpa
Eine sichere Geldanlage: Die Käse-Bank
Kreativ zum Erfolg
Atmende Schuhe, eine Käsebank, Prosecco. Italiens Familienunternehmen bilden das Rückgrat der Wirtschaft. Aus dem Mittelstand des Nordens kommen Impulse für die gesamte Volkswirtschaft. Was macht die Unternehmen so erfolgreich?
Bankier William Bizzari hütet im Tresor einen ganz besonderen Schatz. Der lagert hinter meterhohen Stahltüren: Hunderttausende Parmesankäse liegen hier als Kreditsicherheit. William Bizzari lagert die Käseräder für die Zeit des Reifeprozesses ein und leiht den Bauern währenddessen Geld. Das gibt es wohl nur einmal auf der Welt. In der Bank Credem in Reggio Emiglia. "Unsere Bank hat noch nie Geld verloren bei dieser Art von Käsekredit. Wir haben nur gewonnen. Ich kenne keinen einzigen Fall, bei dem wir draufgezahlt hätten", erzählt er.

Über 450 Euro ist einer der Käsekolosse wert und wird mit der Reifezeit wird er immer wertvoller. Läuft der Kredit aus, zahlt die Bank 80 Prozent des aktuellen Werts an den Besitzer zurück, 20 Prozent sind Lagerungskosten und Zinsen für die Bank. Selbst in angespannten Zeiten wird so der Geldfluss aufrecht erhalten. Der Käsekredit ist eine relativ sichere Mittelstandsförderung.

Zusammenhalt im Dorf
In Bovolenta lebt Flavio Berto von Jeans. Er produziert den Stoff für Designer-Labels. Der Juniorchef ist Spross einer 120-jährigen Fabrikanten-Familie. Seine Vorfahren fertigten früher Segeltücher für die Boote Venedigs. Die Firma Berto ist eines der letzten Unternehmen, die in Europa vom Baumwoll-Ballen bis zum Stoff alles selbst herstellt.

Teure Ware für teure Kleidung. Diese Nische funktioniere nur mit guten Mitarbeitern. Flavio Berto verlässt sich auf die Leute aus seinem Heimatort Bovolenta, mit Managern von außerhalb hat er nur schlechte Erfahrung gemacht. Hier schwört er auf den Zusammenhalt und das Vertrauen untereinander: "Mir ist es sehr wichtig, dass es den Leuten im Ort gut geht. Wenn sie sich wohlfühlen, kommen sie auch ganz anders in die Firma. Wenn es dem Dorf gut geht, dann geht es auch mir und der Firma gut."

Das Ende der Schweißfüße
Im Süden schreit man nach dem Staat, hier hilft man sich selbst. So sehen es viele norditalienische Unternehmer. Auch die Schuhstadt Montebelluna ist auf diesem Wege zu seiner Größe gelangt. Schuh-Tycoons Mario Polegato ist ein typischer Selfmade-Man aus dem Veneto. Seine Erfindung der atmungsaktiven Sohle war die Grundlage des Erfolgs für seine Firma Geox. Sein Credo: Die Märkte sind übersättigt, man muss ein eigenes Segment mit einer eigenen Idee kreieren.

An einen Erfolg der "atmenden" Schuhsohle glaubte anfangs nur er selbst: "Anfangs habe ich meine Ideen mehreren Leuten angeboten, auch Deutschen und Amerikanern. Doch keiner hat sich dafür interessiert. Dann habe ich es selbst umgesetzt und mit fünf Personen weiterentwickelt. Heute habe ich 30.000 Mitarbeiter." Ideen austüfteln und diese mit Fleiß vermarkten. So sind viele Mittelständler im Veneto groß geworden. Die Leute hier sind die Schwaben Italiens.

Tradition und Zusammenhalt
Im Norden von Montebelluna schlängelt sich die Strada del Prosecco Richtung Dolomiten hinauf. Desiderio Bisol ist einer dieser modernen Weinbauern in der Hauptstadt des Prosecco, in Valdobbiadene. Eigentlich ist Prosecco früher ein Bauernwein gewesen. Aber Italiener wissen, wie man einfache Produkte veredelt und mit italienischem Lebensgefühl verkauft.

Die Bisol-Burschen haben zusammen mit anderen Weinbauern mächtig auf den Putz gehauen als Paris Hilton versucht hat, Prosecco in Dosen zu verkaufen. Wenn es um die Tradition geht, halten hier alle Familien der Region zusammen. "Die Familien im Veneto sind aus Tradition sehr stark und haben immer ohne fremde Hilfe produziert. Wenn wir im Norden eine eigene Ökonomie hätten, dann ginge es uns besser, dann wären wir sehr stark."

Der Norden würde den Süden am liebsten loswerden. Aber das ist nach 150 Jahren Italien unrealistisch. Doch ohne Banker William Bizzari und seine Verbindlichkeit, ohne Flavio Berto und seine Verantwortung für den Heimatort, ohne Mario Polegato und seinen Erfindungsgeist und ohne die Prosecco-Winzer und ihren Zusammenhalt sähe es für Italiens Wirtschaft deutlich schlechter aus.

Sendedaten
makro
"Bella Italia?"

Freitag, 30. März 2012, 21.00 Uhr
Wiederholung Sonntag, 6.15 Uhr
Thema der Sendung
© apBella Italia?
Berlusconi ist Geschichte. Die Folgen seiner Politik nicht. Italiens Wirtschaft ist alles andere als in Bestform. Doch es sieht so aus, als würde Berlusconi-Nachfolger Mario Monti die Wende gelingen.
Schwerpunkt
© Diliff, GNU FDL, CC-BY-3.0Europa