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Vorschau
Sendung am 27. Oktober
Umbau der Alpen
Der Klimawandel bedroht den Wintersport. Viele Skigebiete in den Alpen sind nicht mehr schneesicher. Geröll- und Verkehrslawinen sowie die massive Verstädterung zeigen die Schattenseiten des Massentourismus.
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Rückblick
Sendung vom 13. Oktober
Sucht nach Soja
Die Sojabohne hat Wachstumsraten wie kaum eine andere Nutzpflanze der Welt. Sie steckt in Schokolade, Treibstoffen und im Futter für die Tiermast. Doch der weltweite Soja-Boom hat gravierende Folgen für Mensch und Umwelt.
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© dpa Lupe
Iranischer und türkischer Außenminister demonstrieren Einigkeit.
Vertraute Rivalen
Schon jetzt ist der türkische Nachbar der viertgrößte Handelspartner des Iran. Damit ist die Türkei ein Profiteur der EU-Sanktionen. Und trotzdem: Beide Länder streiten um die politische Vormacht in Nahost.
Tagelang warten die Lastwagen auf die Einreise nach Iran. Zehn Kilometer Rückstau, das Güteraufkommen ist enorm. Für die Fahrer eine Geduldsprobe. Am völlig überlasteten Grenzübergang Gürbulak wird nicht nur Fracht für Iran abgefertigt, auch die Exporte nach Turkmenistan und Tadschikistan gehen über iranische Straßen. Und seit Verhängung der Sanktionen nimmt der Warenstrom eher noch zu.

"Ich komme gerade aus Deutschland", sagt ein iranischer Fahrer. "Ich bringe Kunststoffe hin und komme mit Maschinenteilen zurück nach Hause." - "Wir liefern vor allem Baumaterialien und Lebensmittel nach Iran", sagt ein anderer. "Von dort kommt Aluminium und Kupfer. Aber eigentlich läuft der ganze europäische Frachtverkehr nach Iran über die Türkei. Wir sind die logistische Drehscheibe."

Keine Sanktionen unter Nachbarn
Vom Schokoriegel bis zum Stahldruckkessel wird in Gürbulak alles abgefertigt. Der Grenzübergang ist seit Monaten überlastet. Trotz westlichen Drucks hat die Türkei bislang keine Beschränkungen im Handel mit dem Nachbarn Iran beschlossen.

Im Gegenteil. Ali Osman Ulusoy, der Vorsitzende des türkisch-iranischen Wirtschaftsrats sieht ein großes Wachstumspotential. "Mit 400 Millionen Dollar Handelsvolumen haben wir vor 10 Jahren angefangen. Heute sind wir bei 11 Milliarden. Gas und Erdölimporte machen einen Großteil davon aus. Aber wir liefern inzwischen auch türkische Waren im Wert von 3 Milliarden Dollar nach Iran."

In Teheran nimmt man dankbar zur Kenntnis, dass die Türkei keine Sanktionen verhängt hat und damit aus dem NATO- und EU-Lager ausschert. Auch beim umstrittenen Atomprogramm ist Ankara nachgiebiger als die EU oder die USA. Zwar hat auch die Türkei den Nachbarn mehrfach energisch aufgefordert, die Kontrollauflagen der Atomenergiebehörde zu erfüllen, aber die Türkei geht davon aus, dass Iran die Kerntechnologie nur friedlich nutzen will. Daher keine Sanktionen.

Ringen um politische Vormacht
Die nachgiebige Haltung hat auch wirtschaftliche Gründe. Die Türkei muss ihren Energiehunger stillen. Wachstumsraten von sieben bis zehn Prozent in den letzten Jahren kontrastieren mit Iran, wo die Wirtschaft lahmt. Aus iranischen Quellen decken die Türken ein Drittel ihres Bedarfs an Erdgas. Und mehr als die Hälfte des Rohölimporte kommt aus Iran. Türkische Unternehmen investieren sechs Milliarden Dollar in den Ausbau iranischer Gasfelder und Pipelines. Ein Riesengeschäft, gefördert durch bilaterale Abkommen. Auf dem Papier also eine exzellente Nachbarschaft.

Vor den Kameras betonen die Regierungschefs, Erdogan und Ahmadinedschad auch die gute Partnerschaft. Trotzdem begegnen sich beide mit Misstrauen. Denn jenseits der wirtschaftlichen Interessen, geht es vor allem um die politische Vormachtstellung in der Region. Ahmadinedschad unterstützt schiitische Bewegungen von Hisbollah im Libanon bis zu den Aufständischen im Golfstaats Bahrain. Erdogan versucht stattdessen, den Einfluss der Iraner zu begrenzen. In Kairo wurde er nach dem Sturz von Präsident Mubarak mit Jubel empfangen.

"Die Türkei möchte als Beispiel für die neuen arabischen Regierungen gelten", erläutert Dr. Sahin Alpay, Politikwissenschaftler aus Istanbul. "Und sie eignet sich dazu besser als der Iran. Auch dass Ankara einen Regimewechsel in Syrien, einem engen Verbündeten der Iraner, fordert, schafft Probleme mit Teheran."

"Die Iraner trauen uns nicht wirklich"
In Malatia, an der türkisch-iranischen Grenze, stellt die Armee gerade Raketen als Teil des neuen NATO-Abwehrschirms auf. Teheran sieht das als militärische Bedrohung und hat scharf dagegen protestiert. Ein zwiespältiges Verhältnis zwischen den Nachbarn. Auch für Ali Osman Ulusoy vom türkisch-iranischen Wirtschaftsrat. "Die Iraner trauen uns nicht wirklich. Wenn das Vertrauen größer wäre, könnten die Handelsbeziehungen noch viel besser sein."

Schon jetzt ist die Türkei nach China, der EU und Indien der viertgrößte Handelspartner der Iraner - ein Gewinner der Sanktionen. Für Iran, dessen Wirtschaft unter Druck steht, ist die offene Nordgrenze aber eine wichtige Lebensader.

Sendedaten
makro
"Showdown in Iran?"

Freitag, 16. März 2012, 21.00 Uhr
Wiederholung Sonntag, 6.15 Uhr
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Thema der Sendung
© apShowdown in Iran?
Der Streit um das iranische Atomprogramm schwelt schon seit Jahren. Nun wagt die EU einen Showdown: Mit der Blockade aller Ölimporte will der Westen Iran wirtschaftlich in die Knie zwingen.
Schwerpunkt
© Diliff, GNU FDL, CC-BY-3.0Naher Osten