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Sendung am 8. Dezember
Kollege Roboter
Die Roboter kommen. Vernetzt sind sie, unermüdlich und schlau. Sie werden die Arbeitswelt umkrempeln. So wie einst die Feldarbeit der Industrie weichen musste und diese später der Dienstleistungsgesellschaft. Das muss nicht schlecht sein.
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Rückblick
Sendung vom 1. Dezember
Der Nordkorea-Konflikt
Das Risiko für einen militärischen Konflikt mit Nordkorea war noch nie so groß. Die Vereinten Nationen haben darauf mit weiteren Wirtschaftssanktionen gegen das Land reagiert.
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Was Geld kaufen kann
2014 starten in Sotschi die olympischen Winterspiele. 12 Milliarden Euro lässt sich der Staat die Spiele kosten. 12 Milliarden Gründe, die Hand aufzuhalten. Denn wo gebaut wird, blüht die Korruption.
Die nächsten olympischen Winterspiele im Jahr 2014 finden zum ersten Mal im russischen Sotschi statt. Der Skialpin-Worldcup der Frauen diente schon einmal als Probelauf. Die Trasse entspreche Weltstandart, heißt es. Die Generalprobe ist also schon mal bestanden.

Alle Vorbereitungen verlaufen nach Plan, versichert Russlands olympisches Komitee. Und tatsächlich, der Bau der Stadien ist weit fortgeschritten. Gelungene Entwürfe, gewagte Konstruktionen. 12 Milliarden Euro werden die Spiele kosten. Der Kurort Sotschi ist zur Zeit die größte Baustelle Europas.

Die Schmach von 1980
Riesig war der Jubel, bei der russischen Delegation bei der Vergabe der Spiele. Lange hatten sie darauf gehofft, denn Russland will anknüpfen an die sportlichen Erfolge der ehemaligen Sowjetunion, will auch in den Stadien der Welt wieder Großmacht sein. Ein Projekt, das nur einer zum Erfolg führen kann, beschloss Premier Putin, und erklärte die Spiele zur Chefsache. Neben den olympischen Spielen holte er die Fußballweltmeisterschaft und die Formel 1 ins Land. Ein neues, modernes Russland will Putin präsentieren, das auch im Sport dem Westen ebenbürtig ist.

Genau 32 Jahre ist es her, seit in Russland die letzten olympischen Spiele stattfanden. Es marschierten ein die Mannschaften von Island, oder auch von Kamerun - die großen Sportnationen des Westens boykottierten die Spiele. Die Sowjetunion war militärisch nach Afghanistan eingerückt, völkerrechtswidrig nach Auffassung des Westens. Der Boykott, ein Trauma, das in Russland bis heute tief sitzt.

Goldenes Abstellgleis
Wir springen nach Machatschkala ans kaspische Meer. In diesem Fußballnest spielt seit neuestem der Kameruner Samuel Eto. "Eto, Eto", schallen die Gesänge von den Tribünen. Für sagenhafte 20 Mio. Euro pro Jahr kickt der Superstar für Machatschkala. Was der russische Sport nicht aus eigener kraft vermag, das versucht er mit Geld zu bewerkstelligen. "Ich denke schon, dass ich noch ein paar Jahre hier spielen werde. Ich verdiene prima, es geht mir gut hier", sagt Eto.

Ein anderes Beispiel Kevin Kuranyi. Seit dem Rausschmiss aus der deutschen Nationalmannschaft verdingt er sich für Dynamo Moskau. Auch Kuranyi lässt sich das gut bezahlen, und glaubt zudem noch an die Zukunft des russischen Fußballs: "Viele Stadien werden neu gebaut", erzählt er. "Die Liga verstärkt sich mit vielen Top-Spielern, sogar Spieler, die Weltklasse sind." Das mache den Fußball in Russland viel, viel besser.

Korruption am Bau
Zurück nach Sotschi, wo neben den Stadien nun auch Hotels und Herbergen aus dem Boden sprießen. Wo derart viel Geld investiert wird, ist die alte russische Krankheit nicht weit. Die Rede ist von Korruption.

"Noch längst sind nicht alle Bauvorhaben realisiert, aber das Budget für Sotschi ist bereits um das dreifache überschritten", erzählt Kyrill Kabanow vom Antikorruptionskommitee Russlands. "Sagen Sie mir, wo das Geld geblieben ist?", fragt er rhetorisch.

Flucht nach London
Ein Beispiel sind die Häuser, die für Bürger gebaut wurden, die den olympischen Städten weichen mußten. Solche Aufträge bekommt nur, wer Schmiergeld in großem Rahmen zahlt, bis in die Spitzen der Regierung.

Nach London hat sich Valerij Morozow abgesetzt. Seine Firma hat viele Projekte für den Kreml gebaut, u.a. auch die Häuser in Sotschi. Als die Schmiergeldforderungen immer unverschämter wurden, hat er sich verweigert. Jetzt fahnden sie in Russland nach ihm. Die Anklage ist fadenscheinig, aber er hat russisches Regelwerk verletzt.

Gierige Stadtverwaltung
"2003, also vor knapp zehn Jahren, verlangte die Kremlverwaltung für jeden Auftrag 10 Prozent der Bausumme", erzählt Bauunternehmer Morozow. "2006, als die Arbeiten für die Spiele in Sotschi begannen, stiegen die Schmiergeldzahlungen schon auf 12 Prozent, dann auf 17 Prozent und so weiter, und so weiter." Kurz darauf sei er ausgestiegen, weil er an diesen Aufträgen praktisch nichts mehr verdient habe. "Vielleicht können sie sich vorstellen, welches Ausmaß die Korruption inzwischen angenommen hat."

Alles läuft nach Plan, allerdings nach Moskaus Plan. Schneeverwehte Gipfel und eisige Pisten - die Spiele in Sotschi werden beeindrucken und Russland Sportler auf dem Podest der Sieger wieder mit ganz oben stehen. Nur der Makel der Korruption wird Moskau damit nicht ausmerzen können.

Sendedaten
makro
"Chamäleon Russland"

Freitag, 2. März 2012, 21.00 Uhr
Wiederholung Sonntag, 6.15 Uhr
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Thema der Sendung
Chamäleon Russland
Die Russen haben die Aufgabe, Wladimir Putin zum Präsidenten zu küren. Es droht eine lupenreine Fortsetzung des autokratischen Stillstandes. Ein sicherer Weg, Investoren zu vergraulen.
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Lupe26. Februar bis 3. März 2012
Russland fasziniert uns seit jeher: die von Dostojewski beschriebene "russische Seele", die landschaftliche Schönheit, die gefürchtete Kälte im Osten, der kolossale neue Reichtum, der eigene Zugang zum Alkohol und die besondere Emphase der russischen Sprache.
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Infrastruktur & Bau