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Vorschau
Sendung am 8. Dezember
Kollege Roboter
Die Roboter kommen. Vernetzt sind sie, unermüdlich und schlau. Sie werden die Arbeitswelt umkrempeln. So wie einst die Feldarbeit der Industrie weichen musste und diese später der Dienstleistungsgesellschaft. Das muss nicht schlecht sein.
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Rückblick
Sendung vom 1. Dezember
Der Nordkorea-Konflikt
Das Risiko für einen militärischen Konflikt mit Nordkorea war noch nie so groß. Die Vereinten Nationen haben darauf mit weiteren Wirtschaftssanktionen gegen das Land reagiert.
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Beitrag ansehen Lupe
Landwirt Stefan Dürr besitzt heute 30.000 Milchkühe.
Ein Bauer für Putin
Vor 20 Jahren kam der Bauer Stefan Dürr aus dem Odenwald nach Sibirien. Heute ist er einer der größten russischen Landwirte. Und ein Anhänger Putins. Der sorge immerhin für Stabilität.
Es ist die Weite, die fast endlose Weite Sibiriens, die Stefan Dürr immer wieder begeistert. Und vielleicht auch die Tatsache, dass ein großes Stück dieser Weite ihm gehört. Stefan Dürr ist ein deutscher Landwirt in Russland.

Ist Russland ein Bauernparadies? Im Vergleich zu Deutschland schon, meint, Dürr, Eigentümer von Ekosem-Agrar in Sibirien. Er berichtet von deutschen Kollegen, die für jeden Kuhstall etliche Genehmigungen bräuchten und damit eine Menge Ärger hätten. Da "haben wir es hier schon gut", findet er.

Glückliches Sibirien
Platz ist in Russland wirklich kein Problem. Dürr bewirtschaftet inzwischen 170.000 Hektar Land, das entspricht zwei Drittel der Fläche des Saarlands, und besitzt außerdem 30.000 Kühe. Im sibirischen Masljanino stehen sechseinhalb Tausend davon. Minus 27 Grad macht den Tieren, die allesamt aus Europa importiert sind, nichts aus. Keine Sorge, sagt Dürr, die frieren nicht. Kühe können Kälte viel besser ertragen als Hitze.

Vor über 20 Jahren kam der Bauer aus dem Odenwald mit einem Austauschprogramm hierher, inzwischen ist er der drittgrößte Milchproduzent Russlands. Das supermoderne Melk-Karussell hat er vor knapp einem Jahr angeschafft. 24 Liter geben die Holsteiner Kühe brav jeden Tag.

Glückliches Sibirien: Hier gibt es keine Milchquote, und der Preis stimmt auch: statt für 36 Cent wie in Deutschland verkauft Dürr die Milch hier für immerhin 48 Cent pro Liter. Seine Firma expandiert, demnächst will er an der Stuttgarter Börse eine Anleihe platzieren. Zumindest in der Landwirtschaft, sagt er, stimmt das Investitionsklima in Russland.

Chaos in den 90er-Jahren
Die 90er Jahre seien schlimm gewesen, erzählt Dürr, viel Korruption und Kriminalität. "Da gab’s wirklich Chaos." Das habe Putin wirklich gut hingekriegt, findet er. Heute könne man in Russland normal arbeiten, sich um seine Kühe kümmern und Landwirtschaft betreiben. "Und sonst keine Probleme drumrum."

So ganz einfach war es wohl trotzdem nicht. Als Dürrs Betriebe wachsen, kommen bewaffnete Männer in Masken und fordern Schutzgeld, 300.000 Euro. Dürr zahlt erst, aber er hat gute Kontakte zum örtlichen Gouverneur und beschwert sich. Und bekommt sein Geld zurück.

Rückendeckung für Putin
Von den Protesten gegen Wladimir Putin und seine Rückkehr ins Präsidentenamt kommt hier in der sibirischen Provinz nicht viel an. Dank Stefan Dürr geht es den Leuten nicht schlecht, sie bekommen mehr Gehalt als in russischen Betrieben, und stimmen deshalb eher für Putin. Dürr macht kein Geheimnis daraus, wen er gern im Kreml sehen würde.

"Wir unterstützen ganz klar den Herrn Putin, weil er sehr für Stabilität sorgt", sagt Dürr. Wie es mit einem anderen Kandidaten wäre, könne er sich nicht vorstellen. "Bei aller Kritik, die man an jedem Regierungschef wahrscheinlich haben kann, ist Putin derjenige, der die Sache hier im Land einigermaßen im Griff hat", findet er. "Wir als Unternehmer brauchen jetzt Stabilität."

60 Prozent
Stefan, wie ihn alle hier nennen, schaut noch beim örtlichen Landrat vorbei - bespricht Probleme. Seine Mitarbeiter schickt er schon mal auf eine pro-Putin-Demo, der Stabilität wegen. Der Wjatcheslaw Jarmanow, der Verwaltungschef, ist sicher, dass Putin hier auf dem Land haushoch gewinnt: "Diese Prognose fällt mir leicht. Bei uns im Gebiet kriegt Putin mehr als 60 Prozent der Stimmen."

Wie ein echter Sibirjake geht Dürr am Abend in die russische Banja. In so einer Sauna hat er damals, am Anfang, sein erstes Geschäft abgeschlossen. Jetzt ist er einer der ganz Großen in der russischen Landwirtschaft. Und einer, der Wladimir Putin weiter im Kreml sehen will. Aus Überzeugung.

Sendedaten
makro
"Chamäleon Russland"

Freitag, 2. März 2012, 21.00 Uhr
Wiederholung Sonntag, 6.15 Uhr
Thema der Sendung
Chamäleon Russland
Die Russen haben die Aufgabe, Wladimir Putin zum Präsidenten zu küren. Es droht eine lupenreine Fortsetzung des autokratischen Stillstandes. Ein sicherer Weg, Investoren zu vergraulen.
Schwerpunkt
© Diliff, GNU FDL, CC-BY-3.0Russland
Themenwoche
26. Februar bis 3. März 2012
Russland fasziniert uns seit jeher: die von Dostojewski beschriebene "russische Seele", die landschaftliche Schönheit, die gefürchtete Kälte im Osten, der kolossale neue Reichtum, der eigene Zugang zum Alkohol und die besondere Emphase der russischen Sprache.
Schwerpunkt
Agrar