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Die Zuckerweltmacht
Brasilien ist der größte Zuckerproduzent der Welt. Je nach Marktpreis wird aus dem heimischen Zuckerrohr eher Speisezucker oder eher Bioethanol hergestellt. Die Branche ist flexibel und technologisch auf der Höhe der Zeit.
Brasilien ist weltweit der größte Zuckerproduzent. Der Anbau von Zuckerrohr hat in der Agrarsupermacht eine lange Tradition. Heute gilt das Land als führend bei der Nutzung und Erforschung der Zuckerrohrpflanze. Auf 571 Millionen Tonnen wird die Ernte für das Jahr 2011/2012 geschätzt - 8 Prozent weniger als im Vorjahr. Da lag sie bei 664,3 Millionen. Über die Hälfte der Zuckerrohrernte geht in die Herstellung des Biotreibstoffs Ethanol.

Brasilien produziert den alternativen Sprit nicht etwa für den Export, sondern nutzt ihn selbst. Die brasilianische PKW-Flotte war die erste weltweit, die mit einer signifikanten Ethanolbeimischung betankt wurde - lange vor der Einführung von E10 in Deutschland.

Bereits in den 80er Jahren hatte man begonnen, auf Ethanol zu setzen. Nach der Ölkrise wollte das Land von schwankenden Spritpreisen unabhängig werden. Die Zuckerrohrpflanze eignet sich besonders für die Herstellung von Ethanol. Anfangs mussten sich die Brasilianer entscheiden: Entweder man fuhr mit Ethanol oder mit Benzin. Als der Ölpreis wieder sank, führte das auch zu Engpässen beim alternativen Treibstoff.

Zuckerrohr: Nutzung bis zur letzten Faser
Eine technische Innovation hat das Bioethanol in Brasilien dann doch etabliert: Das "Flex-Fuel-System" erlaubt es, sowohl Benzin als auch Bioethanol zu tanken. Die Brasilianer müssen sich heute erst an der Tankstelle entscheiden, was sie tanken wollen. Mehr als 90 Prozent der Neuwagen fahren mittlerweile mit dieser Technologie.

Die schlechte Zuckerrohrernte 2011 hat Auswirkungen auf den Ethanolpreis. Erstmals musste Brasilien Ethanol importieren. Doch die verarbeitenden Fabriken sind flexibel. Eine weitere brasilianische Innovation, welche sich rund um die Zuckerrohrpflanze ergeben hat, denn ein Großteil kann die Produktion umstellen, je nachdem ob Zucker oder Ethanol den größeren Gewinn verspricht. Zuletzt lag Zucker vorn und das Ethanol wurde dadurch noch knapper.

© reuters Schwere Arbeit trotz fortgeschrittener Technologie.
Schwere Arbeit trotz fortgeschrittener Technologie.
In Brasilien nutzt man sämtliche Teile der Zuckerrohrpflanze. Beim Verarbeitungsprozess entstehen Pflanzenfaserreste, die sogenannte "Bagasse". Sie wird in speziellen Öfen verbrannt. Dabei wird Energie für Strom und Wärme gewonnen. Soviel, dass die Zuckerrohrfabriken in dieser Hinsicht autark sind. Allerdings entsteht bei der Verbrennung CO2.

Es gibt schon neue Ideen, wie man die Faserreste auch noch verwerten könnte: Brasilianische Wissenschaftler haben mit Unterstützung aus Deutschland einen Kompositkunststoff entwickelt, der aus der getrockneten Bagasse und Kunststoffgranulat besteht. Das Gemisch soll bis zu 50 Prozent fester sein, als herkömmlicher Kunststoff.

Wuchernde Monokultur
Darüberhinaus wird getestet, auch aus den Pflanzenresten Biotreibstoff herzustellen. Technisch ist das kein Problem, in der Umsetzung jedoch noch etwas teuer. Das Konkurrenzverhältnis von Zucker als Lebensmittel und Ethanol als Treibstoff würde damit entschärft. Denn die zunehmende Verarbeitung von Zuckerrohr zu Sprit wird durchaus auch kritisch betrachtet. Ebenso andere Begleiterscheinungen, wie die immer weiter wachsenden Zuckerrohranbauflächen.

Zwei Drittel der Zuckerrohrernte wird mit der Hand geschnitten. Immer noch ist das Schwerstarbeit und immer noch leiden die Landarbeiter unter den schlechten Arbeitsbedingungen bei geringem Lohn. Darüber hinaus verdrängt die Monokultur andere Landwirtschaftszweige. Kleine Landwirte haben keine Chance gegen die großen Zuckerrohranbauer und ihre permanente Expansion. Zum Teil wird von staatlicher Seite versucht, den negativen Folgen entgegenzuwirken. Mittels Gesetzen und Forschung.

Sendedaten
makro
"Süße Geschäfte mit Zucker"

Freitag, 24. Februar 2012, 21.00 Uhr
Wiederholung Sonntag, 6.15 Uhr
Thema der Sendung
Süße Geschäfte mit Zucker
Zucker ist ein wahrer Zauberstoff. Aus süßen Schleckereien ist er nicht wegzudenken, klar. Aber man kann mit Zucker auch Autofahren oder daraus Plastiktüten machen. Trotzdem läuft die Branche Sturm.
Schwerpunkt
Agrar