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Der Wunderzucker
Stevia macht den alten Hasen Zucker und Süßstoff Konkurrenz. Dreihundert Mal süßer als Zucker, dabei fast kalorienfrei. Lange war es in der EU nur als Badezusatz deklariert, doch nun testen die ersten Firmen der Pflanze.
Sie gilt als Wunderpflanze. In den Herkunftsländern in Südamerika wird sie oft als Heilmittel verwendet. Vor allem aber ist sie bis zu dreihundert Mal süßer als Zucker und hat nur wenige Kalorien. Stevia könnte den Zuckermarkt revolutionieren.

Es hat lange gedauert, bis Stevia in der EU zugelassen wurde. Es gab Widerstände der Zuckerindustrie, aber auch der Süßstoff-Hersteller. Und es gab viele Einwände.

Der Trend zum Natürlichen
Der Boom von Bio Produkten, die man in jedem Discounter kaufen kann, und vitale Lebensmittel: Nichts verkauft sich so gut, wie das Versprechen von Gesundheit. Stevia findet den richtigen Augenblick, um seinen Platz im Markt einzunehmen, denn der kalorienarme Konkurrent Süßstoff hat eine traurige Geschichte.

Lange hat es gedauert bis der künstliche Süßstoff Aspartam in den USA und auch in Deutschland zugelassen wurde. Viele Treffen wurden verschoben, die Langzeitwirkungen des Chemiecocktails konnten nur schwer nachgewiesen werden. Doch wir haben sie: Cola Zero, Energiedrinks mit 0 Kalorien, Ketchup mit Süßstoff statt Zucker. Die Industrie hinter diesen Produkten ist gewaltig.

Die Kritik in den Medien wurde lauter: Aspartam fördert Heißhunger, sorgt dafür, dass die Deutschen zunehmend übergewichtig werden. Da kommt Stevia gerade richtig. Als asiatische Heilpflanze kommt sie mit einem positiven Image unbefleckt auf den deutschen Markt. Die perfekten Startbedingungen?

Erste Testversuche
In der Andechser Molkerei Scheitz ist Stevia schon im Einsatz. Die Blätter werden als Tee aufgekocht und später in den Jogurt gegeben. Es ist ein hundertprozentiger Bio-Betrieb, Milch, Früchte und eben jetzt auch Stevia kommen aus ökologischem Landbau. Die ersten Jogurt-Sorten werden bereits mit Stevia gesüßt.

Im Hofladen der Andechser Molkerei kostet der Stevia-Jogurt derzeit rund 20 Prozent mehr als herkömmlicher Jogurt. Die Molkerei sagt, es habe eine lange Entwicklungszeit gegeben, außerdem entstünden höhere Kosten für Produktion und Qualitätssicherung.

Wenn Stevia drauf steht, ist auch Stevia drin, aber nicht nur. Das wichtigste Kriterium für die Marktchancen ist aber der Geschmack. Lange haben sie in Andechs mit den Stevia-Sorten experimentiert.

In der Andechser Molkerei soll es nicht bei den bisherigen zwei Jogurt-Sorten bleiben. Weitere Produkte wie Stevia-Fruchtquark werden bereits getestet. Außerdem wird an alternativen Verpackungsmitteln gearbeitet. Irgendwie soll alles so natürlich wie möglich sein.

Sendedaten
makro
"Süße Geschäfte mit Zucker"

Freitag, 24. Februar 2012, 21.00 Uhr
Wiederholung Sonntag, 6.15 Uhr
Thema der Sendung
Süße Geschäfte mit Zucker
Zucker ist ein wahrer Zauberstoff. Aus süßen Schleckereien ist er nicht wegzudenken, klar. Aber man kann mit Zucker auch Autofahren oder daraus Plastiktüten machen. Trotzdem läuft die Branche Sturm.
Schwerpunkt
Agrar