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Südzuckers süße Geschäfte
Die Firma Südzucker aus Mannheim ist Marktführer in Europa. Aufgrund der Quotenregelung ist das Wachstum auf dem heimischen Markt gedeckelt. Daher sucht das Unternehmen sein Glück zunehmend auf dem Weltmarkt.
100.000 Tonnen - täglich und rund um die Uhr fluten Zuckerrüben zwischen Oktober und Dezember die Fabriken von Südzucker. Die Verarbeitung der unscheinbaren Knolle ist eine Akkordarbeit. Noch auf der Ladefläche des LKW werden die Rüben grob gesäubert und nach Augenschein beurteilt.

Das Jahr 2011 war ein Rüben-Rekordjahr. 30 Millionen Tonnen türmten sich in den Fabriken von Europas größtem Zuckerkonzern. Die Knolle gilt als die Königin der Feldfrüchte - doch sie anzubauen ist nicht so leicht.

"Sie können im Zuckerrübenanbau nicht schnell reagieren", erklärt Dr. Dominik Risser, Direktor für Öffentlichkeitsarbeit Südzucker. "Sie haben eine Vorlaufzeit von 2 Jahren. Die Zuckerrübe hat zudem das Problem, dass sie nur in der Zuckerfabrik sinnvoll weiterverarbeitet werden."

Von der Rübe zum Puderzucker
© Südzucker Von der Rübe zum Zucker - und das im Akkord.
Von der Rübe zum Zucker - und das im Akkord.
Bevor man ihr dort den begehrten Rohstoff Zucker entlocken kann, wandert die Knolle zunächst in eine riesige Waschmaschine, wo sie von Schmutz und Steinen befreit wird.Nach der Wäsche geht’s unter das Messer.

Die Rüben werden möglichst fein geschnitzelt um anschließend mit viel heißem Wasser den Zucker aus der Frucht auszuschwemmen. Das Zuckerwasser wird in mehreren Schritten eingekocht. So entsteht erst Rübendünn-, dann zäher Rübendicksaft mit immerhin schon 80% Zuckergehalt. In großen Zentrifugen werden Zucker und Saft anschließend vollständig getrennt.

Im letzten Jahr hat Südzucker so 4,9 Millionen Tonnen Zucker gewonnen. Doch in die Freude über die üppige Ernte mischen sich bei Südzucker auch Wermutstropfen. "Wir dürfen als Produzenten seit der Reform von 2006 den europäischen Markt nur noch zu 85% mit Zucker versorgen. Die übrigen 15% sollen vom Weltmarkt kommen, hier insbesondere von Entwicklungsländern."

Rekordgewinn trotz Quoten
Dank der sehr guten Ernte verfügen die Mannheimer über mehr Zucker, als sie wegen der Zuckermarktordnung als Haushaltszucker auf den Markt bringen dürfen. Der Zuckermarkt ist schließlich in Europa so streng reglementiert wie kaum ein zweiter. Dennoch hat Südzucker im vergangenen Jahr mit dem weißen Gold fast 3,3 Milliarden Euro Umsatz gemacht. Zucker ist mit Abstand das größte Standbein im verzweigten Agrarkonzern. Die Neuregelung des Zuckermarktes in wenigen Jahren sieht man daher kritisch.

"Für uns als Unternehmen hätte es Konsequenzen, denn die Rohstoffversorgung durch Zuckerrüben ist durch die Marktordnung stabil. Wenn das Wegbrechen würde, müssten wir uns überlegen, woher wir den Rohstoff in der Verlässlichkeit wie bisher herbekommen."

Die Mauritius-Connection
Bereits heute hat Südzucker enge Handelsbeziehungen zu Mauritius, nimmt vier Fünftel des dort erzeugten Zuckers ab. Die Insel im Indischen Ozean bietet zudem den Vorteil, dass das dort abgebaute Zuckerrohr vor Ort verarbeitet wird. Südzucker importiert also hochwertigen Weißzucker statt Rohzucker.

Im europäischen Zuckergeschäft ist für den Konzern kaum mehr Luft nach oben, räumt Dominik Risser ein. "Wir sind aber daran interessiert am Weltmarkt mitzuwachsen. Die Zuckernachfrage am Weltmarkt steigt um 2-3% jedes Jahr. Das heißt in 10 Jahren werden auf dem Weltmarkt ungefähr 30 Mio. Tonnen Zucker mehr gebraucht." Verlockende Perspektiven in der süßesten Planwirtschaft der Welt.

Sendedaten
makro
"Süße Geschäfte mit Zucker"

Freitag, 24. Februar 2012, 21.00 Uhr
Wiederholung Sonntag, 6.15 Uhr
Thema der Sendung
Süße Geschäfte mit Zucker
Zucker ist ein wahrer Zauberstoff. Aus süßen Schleckereien ist er nicht wegzudenken, klar. Aber man kann mit Zucker auch Autofahren oder daraus Plastiktüten machen. Trotzdem läuft die Branche Sturm.
Schwerpunkt
Agrar