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Vorschau
Sendung am 8. Dezember
Kollege Roboter
Die Roboter kommen. Vernetzt sind sie, unermüdlich und schlau. Sie werden die Arbeitswelt umkrempeln. So wie einst die Feldarbeit der Industrie weichen musste und diese später der Dienstleistungsgesellschaft. Das muss nicht schlecht sein.
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Rückblick
Sendung vom 1. Dezember
Der Nordkorea-Konflikt
Das Risiko für einen militärischen Konflikt mit Nordkorea war noch nie so groß. Die Vereinten Nationen haben darauf mit weiteren Wirtschaftssanktionen gegen das Land reagiert.
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© cc_by_merlion444 Lupe
Die beiden begehrten Casino-Lizenzen in Singapur gingen an Genting und Las Vegas Sands.
Banken und Casinos
Banken und Casinos verbindet oft mehr als gut tut. In Asiens Finanzmetropole Singapur war das bisher anders. Doch jetzt will der Stadtstaat mit zwei Casino-Komplexen mehr Touristen, mehr Geld und weg vom spaßbefreiten Image.
Wir sind unterwegs in einem der reichsten Staaten der Welt, unterwegs mit Taxifahrer Benjamin Khoo. Früher hat er mit Aktien spekuliert. Dann fing er privat an zu zocken - erst Pferderennen, dann alle möglichen Glücksspiele. Geld und Haus hat er verloren. Und beinahe seine Familie.

"Plötzlich hast Du kein Geld mehr", erzählt Benjamin. "Ich hab mir überall Geld geborgt. Ich war einfach nicht mehr ich selbst. Wenn ich weitergemacht hätte dann hätte ich auch noch meine Familie verloren. Seine Frau hat ihm die Pistole auf die Brust gesetzt: "Wenn Du so weitermachst, dann sind wir weg."

Benjamin hat dem Glücksspiel abgeschworen, doch Singapur hat es für sich entdeckt. Über die Autobahn geht es zum neuen Aushängeschild des kleinen Stadtstaates: das Glücksspielparadies Marina Bay Sands, ein Luxus-Casino für sechs Milliarden US-Dollar. Und Benjamin fährt die, die noch vor sich haben, was er durchgemacht hat.

Der Staat sahnt ab
"Sie nennen es das 'Paradies auf Erden'", erklärt Benjamin. "Klar, die Regierung macht damit gut Geld. Aber was ist mit den vielen sozialen Problemen in der Stadt. Ich sehe sogar Frauen, die nicht nach Hause gehen und bis morgens zocken." Der Taxifahrer erinnert sich an eine Kundin, die ihre Kinder in die Schule geschickt hat, dann ins Casino gefahren ist und nachher die Kinder wieder abgeholt hat.

Das neue Mega-Casino lockt jeden Monat weit mehr als eine Million Spieler. Eine Goldmine mit Milliardenumsätzen. Dabei waren Casinos bis vor Kurzem im strengen Stadtstaat verboten. Doch jetzt setzt die Regierung auf Roulette und Baccara, damit die Einnahmen weiter kräftig sprudeln. Offiziell bezeichnet man die Spielhöllen lieber als "integriertes Ressort", ein Feigenblatt.

Entwicklungshilfe aus Las Vegas
Der große Gewinner mit der Glücksspiellizenz ist der amerikanische Multimilliardär Sheldon G. Adelson, Boss des Casino-Imperiums Las Vegas Sands. Er kommt gerade von einem Treffen mit dem Ministerpräsidenten, denn mit Singapurs Regierung wird eng zusammengearbeitet. Das Ziel: Die Zahl der Singapur-Besucher soll von jetzt 12 auf 17 Millionen pro Jahr erhöht werden.

"Es ist doch keine Frage: Ein integriertes Ressort wie dieses verändert das Gesicht Singapurs", verkündet Adelson. "Es verändert, wie Singapur wahrgenommen wird. Es galt doch als muffig, konservativ und spaßbefreit." Die Leute seien doch früher lieber nach Bangkok oder sonst wohin gefahren.

Spielverrückte Chinesen
Der Finanzplatz Singapur ist im Glücksspielrausch - mit allen Nebenwirkungen. Eine Eintrittsgebühr von 100 Dollar soll die eigenen Bürger angeblich davon abhalten, ihr Hab und Gut zu verspielen. Doch die Gebühr bringt wenig: Mehr als ein Drittel der Spieler sind einheimische Chinesen. Sie lieben das Glücksspiel. Und der Staat kassiert einfach doppelt.

"Sie werden unmöglich einen Chinesen vom Spielen abbringen", sagt Adelson. Die würden weiterhin alle Formen des Glücksspiels betreiben. Singapurs Regierung will nicht tatenlos wirken. Mit Aufklärungsspots warnt sie ihre fünf Millionen Einwohner vor den Risiken des Glücksspiels, zeigt was Frau und Kinder durchmachen, wenn sich der Familienvater um Sinn und Verstand zockt.

Mehr Touristen, mehr Casinos, mehr Spieler
Doch wenn es um das Wohl der eigenen Wirtschaft geht, drückt die Regierung gerne mal ein Auge zu. Mehr Touristen, mehr Casinos, mehr Spieler. Um seine Zukunft als Taxifahrer macht sich Benjamin keine Sorgen. Doch die Geschichten, die er im Wagen hört, haben kein Happy End.

Sie erzählen mir, dass sie genau wissen, wie das Spiel läuft, sie wissen was sie tun. "Alles kein Problem." Das ist das Schlimmste, denn am Ende des Tages wissen sie nämlich nicht mehr, was sie tun. Benjamin muss zum nächsten Kunden, denn das Casino schläft nie. Und das Spiel ums große Geld geht weiter.

Sendedaten
makro
"Glücksspiel"

Freitag, 10. Februar 2012, 21.00 Uhr
Wiederholung Sonnatg, 6.15 Uhr
Thema der Sendung
Glücksspiel
Rational betrachtet ist es totaler Quatsch. Trotzdem versuchen es Millionen von Menschen immer wieder: Sie spielen, wetten und zocken um Geld. Die Mehrheit verliert und am Ende gewinnt immer die Bank. Ein Geschäftsmodell mit Schönheitsfehlern.
Schwerpunkt
© Diliff, GNU FDL, CC-BY-3.0Emerging Markets Asien