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Vorschau
Sendung am 8. Dezember
Kollege Roboter
Die Roboter kommen. Vernetzt sind sie, unermüdlich und schlau. Sie werden die Arbeitswelt umkrempeln. So wie einst die Feldarbeit der Industrie weichen musste und diese später der Dienstleistungsgesellschaft. Das muss nicht schlecht sein.
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Rückblick
Sendung vom 1. Dezember
Der Nordkorea-Konflikt
Das Risiko für einen militärischen Konflikt mit Nordkorea war noch nie so groß. Die Vereinten Nationen haben darauf mit weiteren Wirtschaftssanktionen gegen das Land reagiert.
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Video ansehen © reuters Lupe
Athen hat schon bessere Zeiten gesehen.
Keine Hoffnung, nirgends
Griechenlands Jugend ist still geworden. Noch vor einem halben Jahr gab es in Athen Proteste gegen die Sparmaßnahmen der Regierung. Aber verbessert hat sich die Situation dadurch nicht: Wer kann, wandert aus.
Die junge Griechin Areti Deli und ihr Freund Andreas Faitoudis verbringen ihre Abende fast nur noch vor dem Computer. Nicht, um irgendwelche Spiele zu spielen, sondern um sich über Australien zu informieren. Dahin möchten sie auswandern. Obwohl beide Arbeit haben, reicht ihr Geld meist nur bis zur Mitte des Monats. Jobs sind in Griechenland nicht nur rar sondern, wenn es überhaupt welche gibt, miserabel bezahlt. Areti vedient gerade mal 600 Euro im Monat.

„Vor der Krise wäre Auswandern das Letzte gewesen, woran wir gedacht hätten. Weit weg von den Eltern, von den Familien, von unserem Land zu sein - aber jetzt ist es notwendig“, erzählt Deli. Andreas meint: „Wenn der eigene Staat dir die Luft abschnürt, dich aufknüpft, dann musst du sehen, dass du Luft bekommst. Dann überwindest du alle Scheu und triffst Entscheidungen für deine Zukunft und du weißt, dass es nur besser werden kann.“

Chancenlos trotz guter Ausbildung
Vor einem knappen Jahr kaufte Areti noch jeden morgen die Tageszeitung. Die Nachrichten waren ihr dabei relativ egal, ihr Interesse galt ausschließlich dem Stellenmarkt. Doch Arbeit, die ihrer Qualifikation entsprach, gab es nicht. „Wir haben immer gehört: je mehr Abschlüsse du hast, je mehr Sprachen du lernst, um so leichter wird es sein, aber auch das hilft nichts mehr, denn alle haben Abschlüsse, alle haben Zusatzausbildungen, alle sprechen zwei oder drei Sprachen. Dennoch ist es schwierig“, so Areti verbittert. Trotz eines Studienabschlusses mit Auszeichnung war sie damals arbeitslos, hatte hunderte Bewerbungen geschrieben, alle ohne Erfolg. So wie ihr ging und geht es den meisten jungen Griechen.

Auswandern als letzte Möglichkeit
© Wolfgang Kunz Lupe
Studentinnen in Thessaloniki
Wirtschaftsredakteur Nektarios Notis beschreibt die Situation in Griechenland folgendermaßen: „Das meiste von dem, wozu wir Griechen uns verpflichtet haben, ist nicht realisiert worden. Stattdessen ziehen wir es weiterhin vor, Gehälter und Renten zu kürzen, was im Endeffekt dazu führt, dass der Konsum gesenkt wird und wir immer weiter in die Rezession stürzen.“ Die Folgen sind Hoffnungs- und Perspektivlosigkeit, vor allem für junge Menschen.

Deshalb herrscht auch im Büro des deutschen akademischen Austauschdienstes in Athen dieser Tage Hochbetrieb, viele junge Griechen kommen her auf der Suche nach Arbeit und einer Zukunft, die ihnen das eigene Land nicht bieten kann. „Da, wo es keine Chancen gibt, hat sich auch viel Wut aufgestaut - und die macht sich Luft, wie bei den heftigen Krawallen im letzten Sommer und Herbst“, sagt Alexander Roggenkamp vom DAAD. Denn kaum einer bleibt von der Krise verschont.

Auch die Fernsehproduzentin Tonia Sagiakou hat Angst um ihren Job. Viele ihrer Freunde haben den schon verloren. Deshalb will sie auch sie auswandern: „Ich denke, im Ausland werde ich eine bessere Lebensqualität und bessere Chancen haben. Mir haben Leute gesagt, wir sollen hier bleiben um für die Zukunft unseres Landes zu kämpfen. Doch wo soll ich noch kämpfen und für was?“

Spätfolgen garantiert
Selbst da, wo Arbeit gestern noch sicher schien, ist sie es heute längst nicht mehr. Wer nicht arbeitslos werden will, muss meist schlechter bezahlte Verträge in Kauf nehmen. Tonia steht vor genau dieser Entscheidung.Areti und Alexander mussten sich bereits vor einiger Zeit für einen solchen Vertrag entscheiden. Sie leben, obwohl sie beide arbeiten, von der Hand in den Mund. An Hochzeit oder Kinder ist da nicht zu denken. Ein Gehalt reicht schon lange nicht mehr. In Griechenland muss man sogar froh sein, wenn es überhaupt ausgezahlt wird.

„Mit einem Studienabschluss in Marketing und Wirtschaftswissenschaften war ich kurz davor, an einer Tankstelle zu arbeiten. Aber das wäre nun ganz daneben gewesen. Wenn du 18 bist und dich entscheidest, etwas zu studieren und damit einen Beitrag zu leisten, dann träumst du davon, dass du Karriere machst. Doch die gibt es nicht mehr in Griechenland!“, berichtet Areti Deli.

Ob Tonia, Areti oder Alexander: Griechenland bricht eine ganze Generation weg. Und diesmal sind es keine schlecht Ausgebildeten, die sich in der Fremde als Gastarbeiter verdingen, sondern Hochqualifizierte. Die Folgen werden sich erst in zehn oder zwanzig Jahren zeigen.

Sendedaten
makro
"Plan B für Europas Jugend"

Freitag, 3. Februar 2012, 21.00 Uhr
Wiederholung Sonnatg, 6.15 Uhr
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Thema der Sendung
Plan B für Europas Jugend
Mit sparen allein kommt Europa nicht auf die Beine. Die Menschen in den Krisenländern brauchen eine Wachstumsperspektive, um nicht in Depression zu versinken. Ganz besonders gilt das für Europas Jugend.
Viel Bock, null Chance
Europas Jugend ohne Zukunft?
Europa soll der dynamischste Wirtschaftsraum der Welt werden. Das klingt nach vielversprechenden Aussichten für Europas Jugend. Tatsächlich aber sind junge Leute auf dem Arbeitsmarkt der EU die großen Verlierer. Ein Blick in die Zukunft Europas aus Sicht derer, die es am meisten betrifft: der Jugend.
Schwerpunkt
Europa
Schwerpunkt
Finanzkrise
Das Platzen der amerikanischen Immobilienblase brachte ein gewaltiges Kredit-Kartenhaus zum Einsturz. Die folgende Pleite der Investmentbank Lehman Brothers führte das Weltfinanzsystem an den Rand des Kollaps. Bis heute zahlen wir an den Folgen.