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Vorschau
Sendung am 8. Dezember
Kollege Roboter
Die Roboter kommen. Vernetzt sind sie, unermüdlich und schlau. Sie werden die Arbeitswelt umkrempeln. So wie einst die Feldarbeit der Industrie weichen musste und diese später der Dienstleistungsgesellschaft. Das muss nicht schlecht sein.
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Rückblick
Sendung vom 1. Dezember
Der Nordkorea-Konflikt
Das Risiko für einen militärischen Konflikt mit Nordkorea war noch nie so groß. Die Vereinten Nationen haben darauf mit weiteren Wirtschaftssanktionen gegen das Land reagiert.
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Nichts wie weg
In Italien verbarrikadiert der starre Arbeitsmarkt jungen Menschen den Zutritt. Eine gute Ausbildung nützt wenig. Da bleibt nur der Weg ins Ausland. Für das Land selbst ist dieser Brain Drain eine Katastrophe.
Giulia Soriero ist Studentin in Rom. Architektin will sie einmal werden. Dafür hat sie über sechs Jahre studiert. Doch sie weiß, ihre Zukunftsperspektiven in Italien sind alles andere als rosig: "Italien ist ein Land für alte Leute", sagt sie. Auf die Jungen werde kein Wert gelegt. "Es wird nicht gesehen, was wir bieten, sondern nur, dass wir dem Land Schwierigkeiten bringen. Ein Land, das glaubt, dass wir keine Resource sind, sondern eine Last."

So wie Giulia geht es vielen Studenten. Die Aussicht, nach dem Abschluss einen Job zu bekommen ist gering, in den letzten Jahren ist die Jugendarbeitslosigkeit stark gestiegen auf exakt 30 Prozent im Dezember 2011. Und so suchen immer mehr ihr Glück im Ausland. "Wir Studenten wissen alle, dass die Möglichkeiten in diesem Land nicht so sind, wie sie sein sollten", stellt Giulia fest. Auch sie will das Land verlassen, ist gerade dabei, nach Brüssel zu gehen.

Was zählt, sind Beziehungen
Unbedingt weg aus Italien. Das hatte auch der Direktor einer Eliteuniversität seinem Sohn in einem offenen Brief geschrieben. In Italien zählten nicht Leistung, sondern nur Beziehungen.

"Sie sehen am Beispiel der Politik, dass man sich nur um Eigeninteressen, nicht um das Gemeinwohl kümmert", klagt Pieer Luigi Celli, Direktor der Eliteuniversität LUISS mit Blick auf die Jugend. "Klar, dass da die Jungen denken: Warum muss ich dümmer sein als die anderen? Wenn sie sich aber diesen Beispielen anpassen, wäre das der Ruin für Italien."

Proteste gegen das System Berlusconi. Seit Jahren leidet Italien unter einem gigantischen Schuldenberg und gleichzeitig schwachem Wirtschaftswachstum. Reformen gab es kaum . Nun hofft man, dass die neue Regierung Monti es schafft, der Jugend eine Chance zu geben. Nach Sparprogrammen will er nun auch Arbeitsmarktreformen durchsetzen.

Starrer Arbeitsmarkt
In Italien gebe es eine extrem ungerechte Verteilung zwischen überbeschützten Arbeitern und Arbeitern, die gar keine Sicherheiten haben, sagt Fabrizio Forquet, Vize-Direktor von Il Sole 24 Ore. "Monti wird versuchen diesen Dualismus zu beseitigen und den Arbeitmarkt zu vereinheitlichen, um so Wachstum und Beschäftigung zu begünstigen."

Forno Campo dei Fiori, die älteste Bäckerei Roms, hat über 20 Angestellte. Laut italienischem Arbeitsrecht heißt das, es ist ein Großbetrieb, Kündigungen sind so gut wie unmöglich. Für Besitzer Dino Bartocci sind die starren Arbeitsmarktregeln eine der größten Wachstumsbremsen.

"Wenn es keine Aufträge gibt oder Leute einfach ihre Arbeit nicht machen, müssen Kündigungen möglich sein, um die arbeiten zu lassen, die wirklich wollen", erläutert Dino Bartocci seine Sicht der Dinge. "Diese Regeln machen dich völlig bewegungsunfähig, blockieren, bestrafen alle, die arbeiten."

Endstation Call Center
Italiens Arbeitmarkt bestraft so vor allem junge Leute wie die Psychologin Cristina Biader. Aus Furcht, jemanden nicht mehr loszuwerden, gibt es fast nur noch Zeitjobs: "Ich glaube, nur noch die heute 50-jährigen müssen sich keine Sorgen um ihre Arbeit machen", sagt sie. "Die Jungen dagegen sind alle in Schwierigkeiten, müssen sich wie ich mit vielen Gelegenheitsarbeiten über Wasser halten, können sich keine Kinder mehr leisten."

Sie haben Medizin oder Psychologie studiert und landen schließlich im Call Center - oft die einzige Möglichkeit, wenigstens ein bisschen Geld zu verdienen. Der Frust ist groß.

Giulia Soriero, die Architekturstudentin, würde wie fast alle gerne nach ihrem Abschluss in Italien bleiben. Doch sie sieht keine andere Chance, als ihre Heimat zu verlassen. "Wir haben alle den großen Wunsch, etwas zu machen, den Traum sich im erlernten Beruf zu betätigen", sagt sie. "Das Ausland ermöglicht dir diesen Traum, lässt dich zumindest hoffen." Und so wandern immer mehr Studenten nach dem Abschluss aus. Italien droht seine Zukunft zu verlieren.

Sendedaten
makro
"Plan B für Europas Jugend"

Freitag, 3. Februar 2012, 21.00 Uhr
Wiederholung Sonnatg, 6.15 Uhr
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Thema der Sendung
Plan B für Europas Jugend
Mit sparen allein kommt Europa nicht auf die Beine. Die Menschen in den Krisenländern brauchen eine Wachstumsperspektive, um nicht in Depression zu versinken. Ganz besonders gilt das für Europas Jugend.
Viel Bock, null Chance
Europas Jugend ohne Zukunft?
Europa soll der dynamischste Wirtschaftsraum der Welt werden. Das klingt nach vielversprechenden Aussichten für Europas Jugend. Tatsächlich aber sind junge Leute auf dem Arbeitsmarkt der EU die großen Verlierer. Ein Blick in die Zukunft Europas aus Sicht derer, die es am meisten betrifft: der Jugend.
Schwerpunkt
Europa
Schwerpunkt
Finanzkrise
Das Platzen der amerikanischen Immobilienblase brachte ein gewaltiges Kredit-Kartenhaus zum Einsturz. Die folgende Pleite der Investmentbank Lehman Brothers führte das Weltfinanzsystem an den Rand des Kollaps. Bis heute zahlen wir an den Folgen.