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Vorschau
Sendung am 27. Oktober
Umbau der Alpen
Der Klimawandel bedroht den Wintersport. Viele Skigebiete in den Alpen sind nicht mehr schneesicher. Geröll- und Verkehrslawinen sowie die massive Verstädterung zeigen die Schattenseiten des Massentourismus.
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Rückblick
Sendung vom 13. Oktober
Sucht nach Soja
Die Sojabohne hat Wachstumsraten wie kaum eine andere Nutzpflanze der Welt. Sie steckt in Schokolade, Treibstoffen und im Futter für die Tiermast. Doch der weltweite Soja-Boom hat gravierende Folgen für Mensch und Umwelt.
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© dpa Lupe
Europa hofft auf eine 100-Milliarden-Euro Finanzspritze aus China für seinen Rettungsfonds.
Geld aus Peking?
Europa braucht dringend Geld, um Schuldenlöcher zu stopfen. Jetzt soll der chinesische Staat helfen, der gar nicht weiß, wohin mit seinen Devisenreserven. Aber auch private Investoren sind in Europa auf Schnäppchenjagd, zum Beispiel der Milliardär Huang No Bo.
Wer herausfinden will, wie die Menschen in China die Krise im Westen sehen, sollte nach Huang Hua Chang kommen, einem Vorort von Peking. Allein die USA sind schon bei jedem Chinesen mit umgerechnet knapp 900 Dollar verschuldet, täglich wird es mehr und nun bittet auch noch Europa China Staatsanleihen zu kaufen, in China Schulden machen zu dürfen. Also auch bei den Einwohnern von Huang Hua Chang.

Warum der reiche Westen am finanziellen Abgrund steht und gerade China einspringen soll, dafür haben sie hier eine einfache Erklärung: "Wenn Ihr Fleisch essen wollt und kein Geld habt, dann leiht Ihr Euch welches, damit Ihr Fleisch essen könnt. Ihr seid süchtig nach Krediten. Ganz anders als wir. Wir leben von dem was wir haben. Wir essen nur Fleisch, wenn wir es uns auch leisten können. Das ist der Unterschied zwischen uns Chinesen und Euch", erklärt Zhao Lianfeng.

Im Durchschnitt haben chinesische Familien 5000 Dollar zur Verfügung. Im Jahr versteht sich. Beim Prokopfeinkommen liegt China weltweit nur auf Rang 95, noch hinter Albanien oder Surinam.

"China muss helfen!"
© dpa Lupe
Kann die EU den Rettungsschirm allein stellen oder ist die Hilfe von China unumgänglich?
Aber ein Blick auf Chinas Häfen genügt, um zu sehen, wo die Chinesen auf Platz 1 stehen: Beim weltweiten Export nämlich. Und Europa ist der größte Markt. Herr Zhao ist Finanzwissenschaftler. Er meint, schon deshalb dürfe China Europa nicht fallenlassen:

"China muss und wird sich an der Rettung Europas beteiligen, daran besteht gar kein Zweifel. Unsere Handelsbeziehungen sind einfach zu eng. Europa ist unser größter Exportmarkt. Aber die Hilfe Chinas wird seine Grenzen haben. Schließlich haben wir selbst auch Wirtschaftsprobleme, die gelöst werden wollen."

Und die sind nicht zu unterschätzen: Der Bauboom hinterlässt gerade einen Wohnungsmarkt, auf dem schon bald eine Immobilienblase zu platzen droht.

Ein Chinese in Island
Die Inflation liegt bei sechs Prozent, der Binnenmarkt ist schwach und die Lebensmittelpreise steigen stetig. 265 Millionen Chinesen leben immer noch unter der Armutsgrenze. Die Schere zwischen arm und reich geht immer weiter auseinander. Der Milliardär Huang No Bo gehört zur Kategorie superreich. Er ist privater Immobilienentwickler, Touristikunternehmer, Dichter und die Nummer 161 auf der Liste der reichsten Chinesen. In Europa hat er sich mit dem isländischen Präsidenten getroffen. Dort will er Teile der Insel kaufen, weil es gerade schön billig ist. Warum er jetzt im Ausland investieren will, wo doch der Rest der Welt das Heil in China sucht, erklärt er gerne:

"Ich kann es mir nicht leisten alle Eier in einen Topf zu legen. Wenn der Topf runter fällt sind alle Eier kaputt. Die politische Stabilität in China ist ein großes Risiko für uns Privatunternehmer. Die Spielregeln ändern sich dauernd. Außerdem drängen uns die Staatsunternehmen immer weiter zurück und wir wissen nicht, in welche Richtung sich unsere Gesellschaft entwickelt. Auch das ist ein großes Risiko."

Der Milliardär ist skeptisch
Herr Huang selbst habe es nur durch harte Arbeit an die Spitze gebracht, sagt er. Er zeigt Jadesteine von einer Expedition - jeder 100.000 Euro wert. Geschichten, wie seine stehen für den Mythos, dass China die Zukunft gehöre. Aber der Milliardär dämpft die Erwartungen.

"Ich trau mich nicht, dass zu glauben. Wir haben uns doch erst in den letzten 20 Jahren entwickelt. Lass uns in weiteren 20 Jahren sehen, ob immer noch alles so gut ist. Ich bin da nicht sehr zuversichtlich."

Anders als der Milliardär denken die Bauern auf dem Dorf und Chinas Kommunisten, dass der Weg der Volksrepublik immer nur nach oben führt. Mit jedem Yuan allerdings, den China dem Westen leiht, wächst die Bindung an Europas und Amerikas Krise.

Sendedaten
makro
"Masterplan für Europa"

Freitag, 4. November
21.30 Uhr
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Thema der Sendung
Masterplan für Europa
Große Politik statt großes Kino stand beim G-20 Gipfel in Cannes auf dem Spielplan. Tatsächlich gab es großes Kino statt großer Politik. Hauptdarsteller ist Europa und sein griechisches enfant terrible. Über einen Kontinent, der auszog, der Welt das Fürchten zu lehren.
China und der Euro
In China beobachtet man die europäischen Bemühungen, sich aus dem Schuldenloch herauszugraben, mit großer Aufmerksamkeit. Das hat mindestens zwei Gründe.

Erstens sitzt der chinesische Staat auf den größten Devisenreserven der Welt. Es handelt sich aktuell um die gigantische Summe von 3,2 Billionen USD, das meiste davon in Dollar-Anlagen, allein 1,14 Bio. in US-Staatsanleihen (siehe Verlinkung unten in dieser Spalte). Damit fühlen sich die Verantwortlichen in Peking ziemlich unwohl. Sie wollen dringend diversifizieren, zum Beispiel in Euro-Anlagen. China hat also großes Interesse an einem stabilen Euro.

Zweitens ist Europa für China der wichtigste Handelspartner, noch vor den USA. Niemand kauft so viele chinesische Produkte wie die europäischen Verbraucher. Klappt die Wirtschaft in Europa zusammen, wären chinesische Arbeitnehmer unmittelbar betroffen. Aus diesem Grund hat China ein großes Interesse an einer soliden wirtschaftlichen Entwicklung in Europa.

China könnte seine Finanzhilfe jedoch an Forderungen knüpfen: So fordert das Reich der Mitte bereits seit längerem größere Mitbestimmungsrechte im Internationalen Währungsfonds (IWF) und könnte hinsichtlich der ständigen Forderungen nach einer Aufwertung der eigenen Währung noch bockiger reagieren als ohnehin schon.

Die Zahl von 100 Mrd. EUR an chinesischen Investments macht die Runde. Dies könnte über den chinesischen Staatsfonds China Investment Corporation (CIC) umgesetzt werden. Der CIC ziert sich aber noch. Erst wenn sich die europäischen Regierungschefs auf das Kleingedruckte ihres Rettungspaketes geeinigt haben, darf man mit einer Zusage rechnen. Wie alle Investoren will auch der chinesische Staatsfonds vor allem eines: eine ordentliche Rendite bei überschaubarem Risiko.
Schwerpunkt
Finanzkrise
Chinas Dollar-Anlagen