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Vorschau
Sendung am 27. Oktober
Umbau der Alpen
Der Klimawandel bedroht den Wintersport. Viele Skigebiete in den Alpen sind nicht mehr schneesicher. Geröll- und Verkehrslawinen sowie die massive Verstädterung zeigen die Schattenseiten des Massentourismus.
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Rückblick
Sendung vom 13. Oktober
Sucht nach Soja
Die Sojabohne hat Wachstumsraten wie kaum eine andere Nutzpflanze der Welt. Sie steckt in Schokolade, Treibstoffen und im Futter für die Tiermast. Doch der weltweite Soja-Boom hat gravierende Folgen für Mensch und Umwelt.
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Lupe

Auf dem Vormarsch
Früher hatten Frauen in Ruanda nichts zu sagen. Heute schmeißen sie den Laden. Sie machen sich selbständig, verdienen eigenes Geld und haben im Parlament dank Frauenquote sogar die Mehrheit.
Als Uwera und Clementine vor elf Jahren anfingen, hatten sie nichts. Sie waren damals bettelarm. Heute haben sie es geschafft, auch ohne Männer, denn sie sind Unternehmerinnen und züchten Kaffee. Uwera bildet heute sogar Arbeiterinnen aus, denn auf den Plantagen der Maraba-Kaffeekooperative arbeiten vor allem Frauen. "Wir verstehen uns untereinander einfach besser. Und für diese leichten Arbeiten, wie Unkraut zupfen, brauchen wir keine Männer. Das hier können auch die Frauen machen", meint Uwera Gema. Ihr Kaffee hat Preise gewonnen. Sie liefern hervorragende Qualität bis in die USA.

Dem Völkermord von 1994 fielen meist die Männer zum Opfer. 70 Prozent der Überlebenden waren Frauen. Sie haben das Land dauerhaft verändert. Uwera und Clementine gehörten zu den Gründungsmitgliedern der Kaffeegenossenschaft. Sie wünschten, dass sich noch mehr Frauen aus der alten ruandischen Tradition, der Unmündigkeit, befreien. "Vor dem Genozid hingen wir völlig von den Männern ab, mussten um alles betteln", erzählt Clementine Mukaruziga. "Doch heute sind wir unabhängig, verdienen unser eigenes Geld. Wir haben nicht mehr länger Angst unsere eigene Meinung zu sagen, sondern entscheiden selbst."

Frauenquote im Parlament
Diesen Wandel hat auch Rose Kabuye mit erkämpft. Sie zog mit der ruandisch-patriotischen Front in den Krieg. Die Rebellen-Arme beendete vor sechzehn Jahren den Völkermord und übernahm die Regierung in Ruanda. Rose Kabuye gehörte zur militärischen Führung. "Bei den Treffen des Generalstabs war ich die einzige Frau und ich erkannte: Das ist kein Problem der Führung!", erzählt sie. Niemand habe ihre Karriere behindert. Es war einfach ein kulturelles Problem. Frauen hätten sich früher einfach nichts zugetraut. "Wir entwickelten eine Strategie für den Wiederaufbau die Frauen an Bord zu holen. Erst dann erkennt man, was sie wirklich können." Bei Männern sei das letztlich genauso. "Wir holten also Frauen in wichtige Positionen und erkannten, dass sie oft sogar noch mehr können, als die Männer."

Kabuye ist heute eine erfolgreiche Geschäftsfrau. Vorher war sie lange Jahre Protokollchefin des Präsidenten, die rechte Hand von Paul Kagame. Der setzte eine neue Verfassung durch, die regelt, dass Frauen Erbrecht und im Geschäftsleben Männern gleichgestellt werden und führte eine Frauenquote im Parlament ein. Von dem Ergebnis kann man auch in Deutschland nur träumen. Auch Rose Kabuye ist überzeugt: "Frauen holen auf! 57 Prozent Frauen im Parlament, 40 Prozent in der Regierung. Wir sind überall, in der Polizei, im Militär, in der Wirtschaft. Frauen in Ruanda wissen heute, wir können es!"

Frauen in der Politik - Männer führen den Haushalt
Bei einem Treffen von weiblichen Parlamentsabgeordneten wird ersichtlich, dass keine Volksvertretung der Welt einen höheren Frauenanteil hat. Connie Bwiza sitzt im Gleichstellungsausschuss. Sie will, dass sich auch Frauen auf dem Land um Führungspositionen bewerben. "Das täte uns allen gut", sagt sie. Die Parlamentsabgeordnete Connie Sekamana ist ähnlicher Auffassung: "Immer waren es Männer, die die Weltpolitik bestimmt haben. Und die Weltpolitik ist voller Kriege und Konflikte. Eigentlich sind wir Frauen die besseren Demokraten, denn wir lieben den Frieden. Wir können zuhören. Unser Ego ist nicht so groß, wie das der Männer. Wir lieben es, wenn die Familie zusammenhält und unsere Gesellschaft funktioniert."

Connies Familie hält zusammen. Wenn die Mama nach Hause kommt, bringen ihr die Söhne die Hausschuhe und einen frischen Tee. Papa Jean-Marie arbeitet heute als Freiberufler, vor allem aber kümmert er sich um den Haushalt. "Ich weiß, dass viele Männer damit ein Problem haben, sich um die Kinder zu kümmern, wenn die Frau arbeiten geht. Aber ich habe damit gar kein Problem", bekennt Jean-Marie Sekamana.

Jean-Maries Ehefrau Connie ist froh über diese Einstellung: "Für viele ruandische Männer ist das ein neues Phänomen. Es gibt wirklich noch nicht so viele, die die Erziehung der Kinder übernehmen, wenn die Frau weg ist. Die paar, die das machen sind wirklich toll!"

Männer gehen in die Kneipe
Neue Männer braucht das Land! Das finden auch Uwera und Clementine. Sie haben ein paar Jungs angestellt, für Arbeiten, die den Frauen zu schwer sind. Ob die Männer das Geld nach Hause zur Familie tragen, daran haben sie ihre Zweifel. "Wenn Männer Geld in der Hand haben, gehen sie in die Kneipe und geben es gleich wieder aus. Wir Frauen halten unser Geld zusammen. Wir sind einfach die besseren Geschäftsleute", findet Clementine.

"Wir wollen ein Beispiel sein, für Afrika und die ganze Welt", sagen die Frauen. Und viele Männer sehen das in Ruanda heute genauso. "Wir akzeptieren, dass Frauen auf allen Ebenen Führungspositionen übernehmen", sagen sie, "oft sind sie sogar besser als wir." So profitieren alle von der Gleichberechtigung in Ruanda.

Sendedaten
makro
"Anschluss für Afrika"

Freitag, 29. September 2011,
21.30 Uhr
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Thema der Sendung
© caroAnschluss für Afrika
In Afrika passiert etwas Merkwürdiges. Es gibt dort Länder, die erleben seit rund 10 Jahren ein geradezu asiatisches Wirtschaftswachstum. Steht der afrikanische Löwe vor dem großen Sprung?
Schwerpunkt
Afrika
Gold in Südafrika, unfairer Welthandel, Chaos in Simbabwe und Auslandsinvestitionen, Tourismus und Armut: Afrika steckt voller Gegensätze.