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Vorschau
Sendung am 20. Oktober
Knappe Medikamente
Antibiotika, Impfstoffe oder Krebsmedikamente - Lieferengpässe bei Arzneimitteln sind immer häufiger. Viele Medikamentenhersteller sind von einzelnen Zulieferern abhängig.
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Rückblick
Sendung vom 6. Oktober
Schöne neue Landwirtschaft?
Der Kauf des Gentechnikspezialisten Monsanto ist für die Bayer AG ein zweischneidiges Schwert: schlechte Reputation gegen gute Gewinne. Trotzdem: Der Mega-Deal könnte die Zukunft der Landwirtschaft erheblich verändern.
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Lupe
Waldland Deutschland
Deutschlands Wälder sind schon lange kein Stück unberührte Natur mehr. Längst haben Konzerne den wertvollen Rohstoff Holz als lukrative Einnahmequelle entdeckt. Die Ausmaße der Abholzung stören das empfindliche ökologische Gleichgewicht.
Markus Laufer klettert in 40 Metern Höhe in den Baumwipfeln deutscher Wälder und sucht nach reifen Zapfen. "Manchen Menschen wird’s ein bisschen übel, wenn es arg wackelt, aber mir macht es nichts aus. ", sagt er.
Zapfenpflücker wie er sind auf der Suche nach dem besten Saatgut für die Forstindustrie und die begehrtesten Samen, welche hoch oben wachsen, werden an Baumschulen verkauft. Die Setzlinge kehren dann zurück in den Wald und diesen Nachwuchs kann der Wald gut gebrauchen.

Zwar hat kein anderes Land in Europa einen größeren Holzvorrat als Deutschland, doch der Rohstoff ist begehrt wie nie. Die Holznachfrage ist deutlich größer als das Angebot. Das lässt die Preise steigen und die Holzverarbeiter stöhnen, denn sie zahlen für einen Festmeter Holz bis zu 60 Prozent mehr als noch vor einem Jahr.

Matthias Dieter, Wissenschaftler im Bereich Ökonomie der Forst- und Holzwirtschaft beobachtet die Entwicklungen auf dem Holzmarkt seit Jahren."Wir haben auf der einen Seite eine steigende Nachfrage von der stofflichen Verwendung von Holz, auf der anderen Seite aber auch eine steigende Nachfrage nach Energieholz und das zusammen überwiegt das relativ konstante Angebot, das der Wald regelmäßig an Holz bringen kann. ", erklärt er.

Markus Laufer bei der Ernte von Zapfen - ein kostbares Saatgut.Lupe
Der Waldbestand in Rheinlandpfalz als Beispiel des Rückgangs der Baumbestände.Lupe
Staatlich subventionierte Biogasanlagen benötigen Unmengen an Holzschnitzel für den Betrieb.Lupe
Der Wald ist letztendlich nicht nur ein Wirtschaftsfaktor, sondern der Lebensraum vieler Tier- und Pflanzenarten.Lupe

Die Kehrseite der Energiewende
Gerade der Bedarf an Energieholz wird in Zukunft weiter steigen. In Biomasseheizkraftwerken wird Holz verbrannt, um Wärme und Strom zu erzeugen. 15 LKW-Ladungen Holzschnitzel benötigt man in solchen Anlagen allein an einem Tag. Der Staat subventioniert jede Kilowattstunde Strom, die aus der Verbrennung von Biomasse gewonnen wird und heizt damit die Nachfrage nach Holz weiter an. Experten fürchten, dass schon in ein paar Jahren nicht mehr genügend Holz vorhanden sein wird.

Lupe
Der Orkan Kyrill zerstörte große und wichtige Baumbestände Deutschlands.
Matthias Dieter erklärt, dass zu erwarten sei, dass grundsätzliche Versorgungslücken in fast allen Ländern Europas auftreten. Man müsse also auf Länder außerhalb von Europa ausweichen und diese Holznutzung sei zumeist mit der Waldzerstörung in diesen Ländern verbunden.

Deutschlands Waldbesitzer hingegen sind für ihre nachhaltige Bewirtschaftung bekannt und haben dank der großen Nachfrage im Moment die Verluste durch den Orkan Kyrill fast überwunden. 2007 riss der Sturm einen riesigen Baumbestand einfach um. Die Waldbesitzer mussten diese Massen an Holz zu Schleuderpreisen verkaufen.

Empfindliches Ökosystem
Zu Bruch gingen vor allem Fichten. Deshalb kehren viele Waldbauern dem lukrativen, aber anfälligen Baum den Rücken. Doch Mischwälder, die deutlich widerstandsfähiger sind, müssen erst wachsen.

Lupe
Matthias Dieter ist Leiter des Instituts für Ökonomie der Forst- und Holzwirtschaft des Heinrich von Thünen-Instituts
"Die Forstwirtschaft hat ein ganz besonderes Merkmal, was sie von anderen Wirtschaftszweigen unterscheidet, und das ist ihr unheimlich langer Produktionszeitraum. Die Zeit zwischen der Pflanzung des Baumes und der Ernte dauert in Deutschland in der Regel zwischen 100 und 150 Jahren.", beschreibt Dieter die Forstökonomie.

Fichten wachsen zwar deutlich schneller, doch sie sind auch vom Klimawandel bedroht. Wissenschaftler gehen davon aus, dass der Baum in Rheinland-Pfalz zum Beispiel auch ohne Zutun der Menschen bis 2100 fast verschwunden sein wird. Der Wald ist eben nicht nur ein Wirtschaftsfaktor, sondern auch ein hochsensibles Ökosystem.

Sendedaten
Freitag, 2. September 2011
21.30 Uhr
Thema der Sendung
© caroDer Wert des Waldes
Jede Minute verschwinden weltweit 35 Fußballfelder Wald. Gleichzeitig erholen sich an anderer Stelle die Bestände. Zugegeben, keine Urwälder, aber Nutzwälder. Alleine in Deutschland ist knapp ein Drittel der Fläche von Wald bedeckt. Damit hat Deutschland den größten Holzvorrat Europas.
Schwerpunkt
Holz