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Vorschau
Sendung am 27. Oktober
Umbau der Alpen
Der Klimawandel bedroht den Wintersport. Viele Skigebiete in den Alpen sind nicht mehr schneesicher. Geröll- und Verkehrslawinen sowie die massive Verstädterung zeigen die Schattenseiten des Massentourismus.
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Rückblick
Sendung vom 13. Oktober
Sucht nach Soja
Die Sojabohne hat Wachstumsraten wie kaum eine andere Nutzpflanze der Welt. Sie steckt in Schokolade, Treibstoffen und im Futter für die Tiermast. Doch der weltweite Soja-Boom hat gravierende Folgen für Mensch und Umwelt.
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© reuters Lupe

Digitale Oligarchie
Russland hat das Internet entdeckt. Genau genommen sind es die Herren Usmanow und Milner, die mit Mail.ru einen top-modernen Internetkonzern aus dem Boden gestampft haben - mit Beteiligungen an Facebook, Groupon und einer dominierenden Stellung im russischen Markt.
Dimitrij Grischin, 32, ist Chef eines der größten und erfolgreichsten russischen Internetportale. Hinter unscheinbarer Fassade verbirgt sich die Mail.ru Group. Hier entstehen Fantasy-Welten, Ego-Shooter, die ganze Palette. Mail.ru macht sein Geld mit Spielen, die vor allem in Russland und Deutschland verkauft werden. Um das ganz große Geld und die Kunden zu locken, bietet das Portal kostenlosen E-Mail Verkehr. Kein Wunder, dass Mail.ru zu den populärsten Internetadressen in Russland gehört.

"Bislang konzentrieren wir uns auf den russischsprachigen Markt, das ist der zweitgrößte in ganz Europa", erläutert Unternehmenschef Grischin seine Strategie. "Noch ist uns Deutschland voraus, aber wir kämpfen und hoffen, dass wir in zwei, drei Jahren Deutschland überholt haben und der russische Markt in Europa dann der größte ist."

Kampf ums Internet
Lupe
Der Mann, der die Fäden zieht: Alischer Usmanov.
Längst tobt auch in Russland der Kampf um das lukrative Internet und mit dem Erfolg für Mail.ru wuchsen auch die Begehrlichkeiten. Das Internetportal gilt als Filetstück. Die Investment-Firma Digital Sky Technologies (DST) machte das Rennen, ihre Besitzer sind der usbekische Stahlmagnat Alischer Usmanov und sein Milliardärskollege und Mail.ru-Gründer Juri Milner. Sie sind die Oligarchen des Internet.

"Das Internet und die damit verbundenen Geschäftsmodelle haben sich weltweit rasend schnell entwickelt", sagt die Analystin Anna Lepetuchina. Zuerst sei Russland da hinterhergehinkt, aber dann kamen die Investoren und pumpten riesige Summen in diese Unternehmen. So wie DST bei Mail.ru. "Inzwischen gehören auch russische Internetportale zu den ganz großen Playern."

Geld soll verdient werden, da spielen Nachrichten oder Informationen eine eher untergeordnete Rolle. Auf einer Seite bietet Mail.ru News um das Wetter an. Auf dem allerneusten Stand ist auch die Abteilung Entwicklung. In immer kürzeren Abständen sollen neue Spiele den Markt fluten und immer aufwendiger müssen sie sein. An der Entwicklung neuer Spiele arbeiten bei Mail.ru über 2.000 Programmierer, Designer und Spielescouts.

Börsengang in London
Vor gut einem halben Jahr, am 5. November 2010 ging Mail.ru in London an die Börse. Knapp 20% der Aktien des Unternehmens werden dort gehandelt. Mit gut sechs Milliarden Dollar wird der Konzern bewertet und kauft jetzt richtig ein, hält Anteile an Facebook, Groupon und verschiedenen anderen Internetunternehmen. Russische Investoren wie DST suchen nach Alternativen zu Öl und Gas.

Das Internet sei in Russland bislang die einzige Branche, die Erfolg hat, ohne sich an der Ausbeutung der Ressourcen zu beteiligen, sagt Dimitrij Grischin. "Für junge Menschen kann diese Branche ein Beispiel sein, dass Erfolg auch jenseits von Öl und Gas möglich ist. Ich hoffe einfach, dass die Computer-Unternehmen Russlands gesamte Wirtschaft stimulieren können."

Am Kreml vorbei
Die Analystin Anna Lepetuchina pflichtet bei: "Und genau deshalb investieren große Firmen wie DST in Mail.ru oder andere Internetprojekte. Besser kann man sein Geld zur Zeit nicht anlegen."

Ob Spiele, Suchmaschinen oder soziale Netzwerke, ein ganz neuer Wirtschaftszweig entsteht da gerade in Russland. Die treibende Kraft ist der ungezügelte Informationsfluss des Internets. Die russische Regierung hätte es schwer, mit Zensur oder Spam-Attacken dagegen anzutreten. Denn längst haben im Web mächtige Investoren das Sagen. Mail.ru und DST sind nur besonders prominente Beispiele.

Was gehört Mail.ru?
Das Unternehmen hat vielfältige Beteiligungen an Unternehmen und Technologien rund ums Internet, z.B. den größten eMail-Dienst Russlands, den Instant Messaging Service ICQ und jede Menge Onlinespiele. Darüberhinaus beteiligt sich Mail.ru als Venture-Capital-Investor an etlichen Internet-Startups. So besitzen die Russen Anteile am weltgrößten Social Network Facebook (2.33%), an Zynga Game Network (1.41%), die Erfinder des Computerspiels Farmville und an Groupon Inc. (4.63%). Das Unternehmen ist neben Napster eine der wenigen breit aufgestellten börsennotierten Internetholdings.

Sendedaten
makro
"Russlands Masterplan"

Freitag, 19. August 2011, 21.30 Uhr
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Thema der Sendung
© caroRusslands Masterplan
Schwerpunkt
Russland
Wem gehört Mail.ru?
© mail.ruLupeEs gibt zwei Klassen von Aktien: "Class A"-Aktien und "Ordinary Shares". Dabei hat jede "Class A"-Aktie 25 Stimmen, jede normale Aktie (das sind auch die in London notierten) 1 Stimme. Daraus ergibt sich eine unterschiedliche Verteilung der wirtschaftlichen Partizipation und des Mitbestimmungsrechts (siehe Infografik, Stand: 31.12.2010).

Die Unternehmensverflechtungen und Überkreuzbeteiligungen um Maul.ru, Digital Sky Technologies (DST) und Naspers sind komplex und nicht in diesem Infokasten wiederzugeben. Das Sagen hat letztlich Alischer Usmanow, laut Forbes rund 18 Milliarden Dollar schwer, mit seinem Unternehmen New Media and Technology Investment (NMT). Nummer 2 ist MIH, eine 100%-ige Tochter der börsengelisteten südafrikanischen Internetholding Naspers.

Der Freefloat, die in London gelisteten Aktien, machen zwar 20% von Mail.ru aus, haben aber kaum Stimmrechte. Der Börsengang war immerhin ein Erfolg. Die platzierten Aktien im Wert von rund 1 Mrd. Dollar stiegen am ersten Handelstag um 41%.

Was hat das nun alles mit DST zu tun? Teilweise werden die Beteiligungen an Mail.ru über DST gehalten. NMT ist mit 32% größter Aktionär von DST, Naspers hält 29% an DST. Das chinesische Internetunternehmen Tencent hält ebenfalls Anteile an DST. Naspers ist übrigens mit 35% größter Aktionär von Tencent. Wie gesagt, die Sache ist kompliziert.
Aktie